Kühler Sommer und hungrige Räuber

Trotz geringeren Angebots: Preis für Karpfen bleibt stabil - vorerst

Christiane Krodel

Region & Bayern

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24.12.2021, 13:55 Uhr
Traditionell wird Karpfen nur in Monaten mit einem

Traditionell wird Karpfen nur in Monaten mit einem "R" gegessen. © Daniel Karmann, dpa

Könnte der Karpfen frei wählen, in welchem Gewässer er schwimmen möchte, würde er Franken wohl den Rücken kehren und sich für ein Land mit höheren Temperaturen entscheiden. Vielleicht Costa Rica oder Australien. Denn der Speisefisch mag es warm. Am liebsten hätte er eine Wassertemperatur zwischen 26 und 28 Grad. Das liegt vor allem daran, dass dann seine Nahrung, das Plankton, am besten wächst. Es versorgt ihn mit Eiweiß und damit legt er an Gewicht zu.

Der kühle Sommer hat den Karpfen heuer so gar nicht geschmeckt - in den Teichen fanden sie weniger Plankton. Die Fische bringen daher weniger Masse auf die Waage. Diese Erfahrung hat auch Lorenz Dietsch gemacht, dessen Familie seit Generationen im Aischgrund der Teichwirtschaft nachgeht. Die Größe der Fische, erzählt Dietsch, variiere sogar von Teich zu Teich. Dort, wo in diesem Jahr immer wieder Regenwasser einen Teich durchschwemmte, wurde auch das Plankton weggetragen.

Der Aischgrund ist eines der bekanntesten Teichgebiete in Deutschland. Es befindet sich im Städtedreieck Nürnberg, Bamberg und Neustadt an der Aisch. Die Karpfenteichwirtschaft hat eine lange Tradition, die 1200 Jahre zurückreicht. Traditionell wird Karpfen nur in den Monaten mit einem "R" verspeist.

Wie stark der kühlere Sommer das Gewicht der Karpfen reduziert hat, lässt sich nicht genau beziffern. Seriöse regionale Zahlen existieren nicht. Laut Martin Oberle von der Landesanstalt für Landwirtschaft, bei der er für die Teichwirtschaft zuständig ist, beträgt die Karpfenernte im gesamten Freistaat in einem normalen Jahr 6000 Tonnen. Heuer, so schätzt er, dürften es unter 5000 Tonnen sein. Zwar könnte der Verlust durch Zufütterung theoretisch ein Stück ausgeglichen werden, doch in der traditionellen Karpfenteichwirtschaft wird darauf weitestgehend verzichtet. Der Karpfen, so heißt es, soll naturnah erzeugt werden.

Während sich in anderen Wirtschaftszweigen ein geringeres Angebot auf den Preis auswirkt und dieser mitunter kräftig steigt, hat Oberle für die Liebhaber der traditionellen Gerichte von Karpfen gebacken bis Karpfen blau eine gute Nachricht: Der Preis dürfte sich nicht verändern. Generell sei er über die vergangenen Jahrzehnte nur mäßig gestiegen, sagt Oberle. Zahlten die Menschen 1970 für ein Pfund 2,50 Mark, beträgt der Kilopreis heute 2,50 Euro.

Dass sich in diesem Jahr das Preisniveau trotz geringeren Angebots nicht verändert hat, führt Oberle auch auf die Coronakrise zurück. Weil der Speisefisch oft und gern in Gaststätten angeboten wird, dort aber aufgrund der Coronaeinschränkungen die Kunden und damit die Abnehmer fehlen, besteht hier weniger Nachfrage.

Auch im Betrieb von Lorenz Dietsch in Uehlfeld (Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) bleiben die Preise stabil. Die Meldung, dass die Nachfrage nach Karpfen gestiegen ist, kann Andrea Dietsch nicht bestätigen. An der Menge der Bestellungen zu Weihnachten - sie bietet neben Frischfisch verzehrfertige Karpfenprodukte wie Salate und geräucherte Fische an - hat sich nichts geändert.

Walter Jakob, der 1. Vorsitzende der Teichgenossenschaft Aischgrund, spricht dagegen von einer gesteigerten Nachfrage. Die Kunden kauften stärker regional ein - und dies böte der Speisefisch. Wem es nach einem Karpfengericht gelüstet, muss keine Angst haben, leer auszugehen. Noch ist genügend Fisch vorhanden. Ob das gegen Ende der Saison auch noch der Fall ist, dafür möchte Jakob nicht seine Hand ins Feuer legen.

Dass weniger Karpfen auf dem Markt seien, sei aber nicht nur auf den Sommer zurückzuführen, sagt Jakob. So habe es bereits weniger sogenannte Satzfische gegeben, die dann nach einem Jahr schlachtreif wären. Schuld daran sind die Räuber Kormoran und Fischotter. Zudem zogen sich große Betriebe aus dem Verkauf der Satzfische zurück.

Heuer bleiben die Karpfenpreise stabil. Im kommenden Jahr könnte sich dies ändern. Denn auf der Seite der Erzeuger sind die Kosten gestiegen, etwa für Futter und Sprit.

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