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Trotz Schließung: Bayerische Eltern müssen weiter Kita-Beiträge zahlen

Besonders in Kurzarbeit werden die Gebühren zur finanziellen Belastung - 14.04.2020 05:50 Uhr

Die Kindertagesstätten in Bayern sind abgesehen von der Notbetreuung derzeit geschlossen. © Uwe Zucchi, dpa


Von der Notbetreuung mal abgesehen, sind Krippen, Kitas und Horte seit über vier Wochen geschlossen. Die Gebühren jedoch fallen vorerst weiter an – und werden für etliche Familien zunehmend zur Belastung. "Mein Mann ist, wie viele andere auch, in Kurzarbeit", schreibt eine Leserin. "Wir müssen für unsere beiden Kinder mehrere 100 Euro Beiträge zahlen, ohne eine Leistung zu bekommen. Das finde ich falsch und unethisch in dieser Situation." Fast 400 Euro im Monat zahlt eine andere Familie, obwohl beide Kinder zu Hause sind. "Ich fühle mich abgezockt", sagt der Vater.

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Einige Bundesländer haben längst reagiert und entlasten die Familien von den monatlichen Zahlungen. So zum Beispiel in Bremen, das die Gebühren rückwirkend ab dem 1. April erstattet. Auch Brandenburg hat beschlossen, "zur Vermeidung sozialer und finanzieller Härten" die Gebühren zu übernehmen – es geht dort um rund 14 Millionen Euro pro Monat. In Baden-Württemberg gibt es zwar keine einheitliche Regelung, doch das Land springt ein, wenn die Kommunen auf die Elternbeiträge verzichten. Auch Sachsen stellt Geld zur Verfügung, in Nordrhein-Westfalen teilen sich Land und Kommunen die Kosten.


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In Bayern jedoch ist eine solche Lösung noch nicht in Sicht. "Derzeit ist keine Übernahme durch den Freistaat geplant", teilte das Sozialministerium erst vor wenigen Tagen in einem Newsletter mit. Dirk Rumpff, Vorstand für Recht und Finanzen des Evangelischen Kita-Verbandes Bayern, kann das nicht nachvollziehen. Die staatliche Finanzierung decke im Schnitt nur 60 Prozent der Betriebskosten einer Kita.

Geduld dürfte schwinden

Sollten die Eltern jetzt ihre Zahlungen einstellen, könnten die freien Träger das Defizit nicht ausgleichen. Denn die Beiträge machen, neben einem Eigenanteil des Trägers, zehn bis 20 Prozent der Einnahmen aus. Und Rumpff geht davon aus, dass die Geduld der Eltern schwinden wird, wenn die Einrichtungen weiter geschlossen bleiben. Belastet seien vor allem Familien mit Krippenkindern. "Für den Kindergartenbesuch dagegen gibt es ja staatliche Zuschüsse." Eine politische Lösung müsse her, fordert Rumpff. "Es kann nicht sein, dass der Freistaat die Mehrzahl der Träger und der Eltern so hängen lässt."

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Auch Kerstin Schröder wartet auf ein Signal aus München. "Ich hoffe, dass der Druck, der gerade entsteht, Früchte trägt", sagt die Leiterin des Nürnberger Jugendamtes. Die Stadt alleine könne die Belastung nicht stemmen, betont Schröder, die sich in dieser Frage eng mit ihren Kollegen in Fürth, Erlangen und Schwabach abstimmt. "Wir sind auf das Land angewiesen." Die betroffenen Familien bittet sie noch um etwas Geduld. "Wenn die Eltern nicht zahlen, fehlt das Geld dem Träger." Doch Schröder weiß natürlich auch, dass etliche Familien durch Kurzarbeit oder gar Jobverlust belastet sind. Die Betroffenen sollten prüfen, ob sie sich jetzt nicht ohnehin komplett von den Gebühren befreien lassen können, rät sie. Weitere Informationen und ein Berechnungsbeispiel finden sich auf der städtischen Internetseite.


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