Diskussion zum Semesterbeginn

Ungeimpfte Studenten klagen über Testpflicht: "Nerven liegen blank"

Rurik Schnackig
Rurik Schnackig

Lokales

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20.10.2021, 12:55 Uhr
Wer nicht als genesen oder geimpft gilt, der muss einen Test vorweisen, der 24 Stunden lang gilt. Einige der umgeimpften Studierenden empfinden dies als Schikane.

Wer nicht als genesen oder geimpft gilt, der muss einen Test vorweisen, der 24 Stunden lang gilt. Einige der umgeimpften Studierenden empfinden dies als Schikane. © Eric Lalmand/dpa, NN

Die Szene stammt aus einem kleinen Begrüßungsclip, mit dem die TH die Einsteiger und Wiedereinsteiger begrüßt. Bewusst hat man die Darstellung überzogen – und doch einen wahren Kern getroffen: Es geht wieder los, aber an vieles muss man sich erst noch gewöhnen.
Während sich die Mehrheit der Studierenden mit 3G-Auflagen und Masken in den Vorlesungen arrangiert, schlagen einige Studenten Alarm. In einem Schreiben an die Redaktion, das sie mit "die Fraktion der Ungeimpften und Ungenesenen" unterschrieben haben, berichten sie über angebliche Benachteiligungen.

"Dann können wir nicht mehr studieren"

Sie selbst ordnen sich der Uni Erlangen-Nürnberg zu und beklagen, dass kaum mehr Online-Inhalte mehr zur Verfügung gestellt werden. Nicht alle Unis hätten eigene Teststationen, so dass teilweise weite Entfernungen zurückgelegt werden, zu unmöglichen Zeiten. Wenn diese 24 Stunden gültigen Tests möglicherweise ab 30. November mit Kosten für die Studierenden verbunden seien, "dann können sich manche das nicht leisten und nicht mehr studieren."

Die Hochschulen und Unis handhaben den Test unterschiedlich. Während einige sogar Tests im Haus anbieten, verweisen andere auf Teststellen.

Die Hochschulen und Unis handhaben den Test unterschiedlich. Während einige sogar Tests im Haus anbieten, verweisen andere auf Teststellen. © Demy Becker/dpa, NN


Ob diese Studierenden sich nicht impfen lassen wollen oder aus bestimmten Gründen – etwa wegen einer Impfallergie – nicht können, haben sie auf Rückfrage der Redaktion nicht verraten. Sie beenden die Mail mit der Aussage: "Wir sind verzweifelt, die Nerven liegen blank und die Geduld ist am Ende."

Eher Partystimmung

Szenenwechsel: Von Verzweiflung war an der Nürnberger WiSo zum Semesterstart nichts zu spüren. Eher herrschte Partystimmung. Am Campus sein, ein wenig Studentenleben: Darauf haben viele gewartet.

"Hauptsächlich setzen wir auf Präsenzunterricht”, sagt WiSO-Sprecherin Silke Sauer. "Für international studierende oder gefährdete Gruppen wird es digitale Veranstaltungen geben.” Ein kostenloser Test sei bis 30. Oktober an der Mensa am Andreij-Sacharow-Platz eingerichtet (Montag bis Freitag 7 bis 15 Uhr). Zu Fuß von der Uni aus in zehn Minuten erreichbar.

An der TH Georg Simon Ohm plant man den Mischbetrieb zwischen Live- und Online-Veranstaltungen. Die Anwesenheitspflicht wurde stark gelockert. Testen lassen können sich die Studierenden kostenlos im Testzentrum in der Färberstraße 45.
Diese Adresse empfiehlt auch die Evangelische Hochschule Nürnberg den ungeimpften Studenten. Da viele der jungen Leute bereits mit einer Ausbildung im Gesundheits- oder Pflegebereich an die Hochschule kommen, sei der Anteil der Ungeimpften unter den 1400 Studierenden sehr gering, so Sprecherin Irene Haffa. Überwiegend finden die Veranstaltungen digital statt, Präsenzvorlesungen gibt es in kleinen Gruppen.

Tests vor Ort

An der Musikhochschule Nürnberg unterstützt der Malteser Hilfsdienst vor Ort bei den Tests für Ungeimpfte vor Ort. "Vereinzelt gibt es digitale Angebote, aber im Musikbereich braucht es oft Präsenz", so eine Sprecherin.
Selbsttests unter Aufsicht vor Ort gibt es an der Akademie der Bildenden Künste. Aber auch hier, gebe es mittlerweile nur wenige, die das in Anspruch nehmen müssten.