Unterschriften gegen Gewerbegebiet in Hersbruck

Bei der Bürgerfragestunde konnten sich die Gegner des Gewerbegebiets Luft machen. Auf eine inhaltliche Diskussion ließ sich der Bürgermeister jedoch nicht ein.

Bei der Bürgerfragestunde konnten sich die Gegner des Gewerbegebiets Luft machen. Auf eine inhaltliche Diskussion ließ sich der Bürgermeister jedoch nicht ein.

"Wir fürchten um unsere Wohnqualität", sagte Kniep. Dennoch hat das Gremium die nächsten Schritte beschlossen. Hintergrund des Protests ist eine beabsichtigte Änderung des Flächennutzungsplanes.

Die Stadt Hersbruck hat derzeit kaum noch gewerbliche Bauflächen, beziehungsweise sind die wenigen verfügbaren Areale in privater Hand. Die Gretchenfrage ist nun, wo noch Platz für Firmen und Industrie ist. Denn die Pegnitztalau scheidet aus zwei Gründen aus: Landschaftsschutz und Überschwemmungen.

45.000 Quadratmeter

Deshalb wollen die Verantwortlichen das Waldstück südlich des Dauphin Speed Event bis AOK-Bildungszentrum prüfen. Dort stehen bis zu 45.000 Quadratmeter zur Verfügung, zusätzlich noch ein kleineres Gebiet als sogenannte gemischte Baufläche. Erster Schritt im langwierigen Genehmigungsverfahren wäre eine entsprechende Ausweisung im Flächennutzungsplan. Daraus lässt sich allerdings noch kein Baurecht ableiten. Die Regelungen darin sind eher eine Zusammenschau der gewünschten Entwicklung. Erst ein Bebauungsplan trifft konkrete Festsetzungen und kann auch vor Gericht überprüft werden.

Die Veröffentlichung des Vorhabens hat dennoch prompt die Anwohner vor allem im Bereich der Fichtachstraße und die Eltern des dortigen inklusiven Kindergartens alarmiert. "Wir wollen verhindern, dass die Gewerbefläche ausgewiesen wird", sagte Wolfgang Kniep in der Bürgerfragestunde unverblümt. Zunächst stellte er die erhofften Einnahmen in Frage. Denn: Rund 150 Unternehmen in Hersbruck zahlen weniger als 5.000 Euro Gewerbesteuer jährlich.

Bürgermeister Robert Ilg entgegnete, dass jeder Euro willkommen sei. Freiwillige Leistungen wie Strudelbad, Stadtbus und Hirtenmuseum sind nur dank Steuern möglich. Wolfgang Kniep forderte außerdem Aufklärung, welches Unternehmen sich auf der Fläche ansiedeln möchte und was das an Lärm und Gestank für die Nachbarn bedeute. Angeblich gebe es schon konkrete Anfragen. Das verneinte Robert Ilg und er wollte über solche Spekulationen nicht "orakeln".

Ebenso wenig kommentierte der Bürgermeister die Anbindung der eventuell neuen Gewerbefläche an die Eichenhainstraße. Die Erschließung samt anderer Einzelheiten werde erst im Bebauungsplan festgelegt.

Artenschutzrechtliche Prüfung erforderlich

Allgemein sagte der Bürgermeister, dass es das gute Recht der Anlieger ist, ihre Interessen zu vertreten. Er erwähnte das berühmte Sankt-Florians-Prinzip nach dem Motto "Bei uns war es bisher so schön ruhig". Diese Einstellung treffe die Verantwortlichen aber überall, egal wo und bei welchem größeren Projekt. Den Anwohnern riet er, ihre Einwendungen bei der öffentlichen Beteiligung vorzubringen.

Manfred Heinz aus der Fichtachstraße hatte vor einigen Jahren in dem geplanten Gewerbegebiet eine Waldfläche einzäunen wollen. Das Landratsamt sagte dazu deutlich nein. Manfred Heinz zitierte aus dem Verbotsschreiben, wobei Formulierungen wie "biotopvernetzende Funktion" doch sehr nach Textbausteinen klangen.

Der Bürgermeister ließ sich auf keine inhaltliche Debatte ein. Denn die Kreisbehörde wird sich noch mit dem Vorhaben befassen und zwar im Planfeststellungsverfahren. Dieses Gutachten fließt dann in den Abwägungsprozess mit ein. Bereits im Vorentwurf der Stadt wird aber klar gesagt, dass die Umweltauswirkungen hoch sind und auf jeden Fall eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung erforderlich ist.

Der Anfang eines langwierigen Verfahrens

Weitere Einwände gegen ein Gewerbegebiet kamen von Andrea Balint, Elternbeirätin in der Inklusiven Kindertagesstätte Fichtachstraße. Die Erzieherinnen der Einrichtung nutzen den angrenzenden Wald, um mit den Mädchen und Jungen dort Abenteuer zu erleben ("Piratenschiffe bauen") und den Kleinen spielerisch die Natur nahe zu bringen. Außerdem befürchtet die Elternbeirätin, dass der Lärm durch Firmen die Entwicklung von Kindern mit Beeinträchtigung negativ beeinflusst.

Schon Wolfgang Kniep hatte den Waldstreifen zwischen "Kita" und dem neuen Firmengebiet als zu schmal bezeichnet. Zudem sorgte sich Andrea Balint um die Sicherheit der Kleinen bei einem höheren Verkehrsaufkommen.

Trotz der 300 Unterschriften billigte der Stadtrat mit großer Mehrheit den Vorentwurf zur Fortschreibung des Flächennutzungsplans und beauftragte die Verwaltung, die nächsten Schritte einzuleiten. "Für die vernünftige Entwicklung der Stadt ist dieses Gewerbegebiet notwendig", sagte SPD-Fraktionschef Stephan Krimm. Zugleich betonte er, dass noch nichts entschieden ist: "Wir stehen erst am Anfang eines langwierigen Verfahrens."

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