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SPD-Sieg: Gertrud Maltz-Schwarzfischer wird Regensburgs Oberbürgermeisterin

Sie setzte sich mit 50,7 Prozent knapp gegen die CSU-Kontrahentin durch - 31.03.2020 16:32 Uhr

Gertrud Maltz-Schwarfischer von der SPD hatte bereits in den vergangenen Jahren den eigentlichen Bürgermeister Joachim Wolbergs wegen Korruptionsvorwürfen vertreten. © Armin Weigel, dpa


Die Regensburger Stadtverwaltung hatte wegen der Corona-Pandemie für die Bearbeitung der eingegangenen Wahlbriefunterlagen sehr viel weniger Kräfte eingesetzt als ursprünglich geplant. Infektionsschutz vor Schnelligkeit war das Motto.

In den letzten Zügen des Wahlkampfes hatte sich der Ton im Regensburger Frauen-Duell noch ziemlich verschärft. CSU-Frau Freudenstein hatte in ihren bundespolitischen Kontakten und ihrer Nähe zur Spitze ihrer Partei gerade in diesen Corona-Zeiten stets einen Trumpf im Regensburger Wahlkampf gesehen. Das sorgte zuletzt für Zündstoff.


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So hatte Freudenstein in einem Lokalfernsehsender gesagt, sie würde Entscheidungen sehr viel beherzter treffen, beispielsweise "im Zuge der jetzt bestehenden Corona-Pandemie". Die Stadt habe viel zu spät an die Regensburger appelliert, sich nicht mehr draußen zu versammeln und zu lasch Verstöße kontrolliert. Ihre Gegenkandidatin von der SPD habe zu lange Wahlkampf gemacht statt Krisenmanagement betrieben.

Spitzer Schlagabtausch zwischen den Kandidatinnen

Gertrud Maltz-Schwarzfischer konterte sichtlich getroffen: "Das ist schlicht und einfach nicht wahr." Sie habe sehr wohl sehr früh gehandelt, und es sei darüber hinaus "unwürdig" mit dem Thema Corona Wahlkampf zu machen. Auch nach dieser Sendung beruhigte sich die Lage kaum.

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"Sie ist einfach nicht richtig informiert", ergänzte Maltz-Schwarzfischer laut Medienberichten in Richtung Freudenstein spitz. Diese sei zu weit weg von der Regensburger Stadtpolitik. Also das, was die CSU-Kandidatin gerne als Trumpf ausspielte, kehrte ihre Konkurrentin als Handicap heraus. Im ersten Wahldurchgang vor gut 14 Tagen war Freudenstein auf 29,5 Prozent der Stimmen gekommen, Maltz-Schwarzfischer mit 22,2 Prozent auf weniger.

Gute Verwaltung, zu wenig Gestaltung

Die SPD-Frau, eigentlich Zweite Bürgermeisterin in Regensburg, vertritt seit drei Jahren den wegen Korruptionsvorwürfen suspendierten OB Joachim Wolbergs, der früher selbst der SPD angehörte, die Partei 2019 aber verlassen hatte. Sie habe ihre Arbeit fleißig und sachlich gemacht, war in der Domstadt immer wieder zu hören, aber eben nur gut verwaltet und zu wenig gestaltet.

Wolbergs war in der ersten Runde der OB-Wahl für seinen neu gegründeten Wahlverein "Brücke" angetreten und kam immerhin auf 17,71 Prozent der Stimmen. Der Grünen-Kandidat Stefan Christoph erreichte auch noch 14,41 Prozent. Und beide, Wolbergs und Christoph, hatten ihren Wählern dann empfohlen, sich in der Stichwahl vom vergangenen Sonntag für Maltz-Schwarzfischer zu entscheiden.


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Hätten sie das getan, hätte Astrid Freudenstein ohnehin keine Chance gehabt. Beobachter der Regensburger Szene sind jedoch immer davon ausgegangen, dass diese Rechnung nicht so einfach aufgehen werde.

Zwar dürften die Wähler des Ex-SPD-Politikers Wohlbergs der SPD inhaltlich immer noch näher stehen als der CSU. Viele Wolbergs-Anhänger nehmen es den Sozialdemokraten aber immer noch übel, dass sie den OB nach seiner Suspendierung fallen ließen.

Zudem galt es, anders als früher, als keineswegs völlig ausgeschlossen, dass auch Grünen-Wähler ihr Wahlkreuz bei einer CSU-Kandidatin machen. Aufgegangen ist die Rechnung für Maltz-Schwarzfischer am Ende doch.

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