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Wandern bei Wichsenstein

Hier schauten die Raubritter hinunter ins Tal - 03.11.2012 13:00 Uhr

Blick vom Aussichtsfelsen auf Wichsenstein. Weitere Bilder von der Wanderung im Internet unter www.nz.de/blogs/lieb. © Ute Fürböter


Egal, ob man mit dem Auto oder per Bus in das oberfränkische Örtchen gekommen ist – am „Gasthof Mühlhäuser“ führt kein Weg vorbei. So ist es seit langem. In der „Wannbacher Schenkstatt“, wie das Wirtshaus einst hieß, zechte 1616 schon Christoph von Eggloffstein. Alsdann begab er sich in das Wasserschloss, das sich gleich gegenüber befand. Dort nahm er die Pistole und erschoss seine Tante, die arme Rosine von Egloffstein, geborene von Lüchau.

Wir leben – und laufen die Straße entlang bis ans andere Ende des Ortes. Vorausgesetzt, wir kehren nicht auch ein. Der „Gasthof Mühlhäuser“ (Montag Ruhetag) bietet Schäufele, Lammbraten, Forelle, Karpfen und jede Menge andere feine Sachen. Fürs Erste widerstehen wir der Versuchung, doch schon ein paar Schritte weiter lauert die nächste: die Edelschnapsbrennerei Held. Zahlreiche andere Destillerien werden folgen.

Hinter Wannbach haben die Verlockungen vorerst ein Ende. Wir laufen noch etwa 100 Meter und biegen dann links ab auf die Straße nach Wichsenstein. In der ersten Kurve verlassen wir die Straße, um mit der roten Raute nach links zu wandern. Dem Symbol folgen bis auf Weiteres.

Obstbäume säumen den geschotterten Fahrtweg überm idyllischen Urspringtal. Bald betreten wir einen Waldpfad. Er führt auf die Höhe. Der Wald bleibt zurück, wir spazieren jetzt auf einem bequemen Höhenweg durch Wiesen. Binnen Kürze sehen wir vor uns die ersten Dächer von Ühleinshof. Gegenüber zeigt sich das mächtige Massiv des Röthelfels. Endlich! Bisher blitzte es nur gelegentlich durch die Bäume.

Atemlos den Berg hinauf

Ühleinshof durchqueren wir nicht, vielmehr nehmen wir im Weiler gleich den ersten Abzweig nach rechts. Jetzt lotst uns die grüne Raute. Die schmale Asphaltstraße steigt zügig an. Noch steiler ist der Wiesenweg, der dann kommt. Diverse Pausen sind nötig, um immer wieder zu Atem zu kommen, aber schließlich ist es geschafft: Wir sind in Wichsenstein! Genauer: am Friedhof. Wir flüchten. Vorbei am ehemaligen Gasthof „Felsennest“, das nur noch für Feiern gemietet werden kann, und Richtung Wichsensteiner Fels. Weithin sichtbar steht das Naturdenkmal inmitten des Ortes.

Ursprünglich hieß dieser Fels „Wickeristein“, gleichbedeutend mit „spitziger Stein“. 846 fand er erstmals urkundliche Erwähnung. Bekannt ist auch, dass das gleichnamige Rittergut 1122 zur Burgfeste ausgebaut wurde. Bis zur endgültigen Zerstörung im 30-jährigen Krieg bot sie Raubrittern Unterschlupf. Geblieben ist ein markanter Aussichtspunkt in 587,8 Metern Höhe. Der Aufgang befindet sich unmittelbar vor der Kirche. Sie steht auf den Grundmauern der 1372 errichten Burgkapelle.

207 Stufen führen nach oben. Der Panoramablick reicht weit über die Fränkische Schweiz hinaus. Man erkennt auch den Ochsenkopf in der Ferne – um nur etwas zu nennen. Wenn man genug ins Land geschaut hat, steigt man wieder runter. Wer hungrig ist, kann im „Berghof“ (Mo. Ruhetag, Di.–Do. 11–14 Uhr und 17.30–23 Uhr sowie Fr.–So. durchgehend geöffnet) gegenüber von „St.Erhard“ einkehren.

Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende

Und noch ein Tipp: Zwischen der kleinen Kirche, dem katholischen Pfarrhaus, der alten Pfarrscheune und zu Füßen des alten Burgfelsens findet am 1. Adventswochenende traditionell ein Weihnachtsmarkt statt. Wie immer sind keine Gewerbetreibenden dabei. Die Ortsvereine bestreiten alles allein, der Erlös aus den weihnachtlichen Verkäufen kommt wohltätigen Zwecken zugute. Aber weiter! Eben noch waren wir dem Himmel so nah, nun zieht es uns hinab in die düstere Wolfsschlucht.

Wir folgen dem Wegweiser zum Sportplatz, der sich gegenüber dem Aufgang zum Aussichtsfelsen befindet. Hinterm Sportplatz geht es immer der Nase nach. Bald öffnet sich die wildromantische Schlucht. Vor mehr als 10000 Jahren, in der letzten Eiszeit, floss hier ein breiter Strom. Dem „Hängenden Stein“, so heißt eine der mächtigen Felswände hier, hat er die Basis weggeschliffen.

Wölfe sichten wir nicht. Damwild bekommen wir dagegen zu sehen. Später. Indem wir am Bächlein entlangwandern, landen wir nämlich in Schweinthal. Der Name ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine Wildschweinsuhle zurückzuführen. In Schweinthal jedenfalls lebt das besagte Damwild in einem Gehege. Wir gehen geradeaus durch das fast tausendjährige Örtchen mit seinen 108 Einwohnern.

Nach der alten Mühle überqueren wir die Straße (Wegweiser Hundshaupten Schloss und Wildpark), biegen aber bei der ersten Gelegenheit rechts ab. Auf der Straße laufen wir zunächst nach Ober- und dann nach Unterzaunsbach. Wussten Sie, dass Unterzaunsbach einst ein „Altes Schloss“ besaß? In beiden Orten liegen auf alle Fälle diverse Wirtschaften an der Strecke.

Im Gasthaus-Brennerei Hofmann (So. u. feiertags 11–16.30 Uhr sowie Freitag 20–23 Uhr geöffnet) in Oberzaunsbach kann man sich beispielsweise Roulade in Rotweinsoße mit Klößen und Salat für 8,90 Euro schmecken lassen. Die Angebote vom Brauereigasthof Meister (täglich geöffnet, außer Dienstag und Freitag, am Mittag und in den Abendstunden) in Unterzaunsbach lassen einem aber auch das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Soweit die gute Nachricht. Die schlechte ist: Weil wir auf der Straße gehen, müssen wir ständig Autos ausweichen. Das schmälert die Begeisterung über die großartigen Felsformationen überm malerischen Trubachtal. Erst hinter Unterzaunsbach kehrt Stille ein. Wir wandern auf einem Wiesenweg. Immer am Wasser entlang. Nichts stört. Man hört die Trubach rauschen. Leider sehen wir schon die Kirchturmspitze von Wannbach.

Die gesamte Wanderstrecke ist nur rund elf Kilometer lang - die Tour wartet aber mit einigen heftigen Steigungen auf. © NZ Info-Grafik


Anreise nach Wannbach:

Mit R22 bis Ebermannstadt, dann Bus 235. Mit dem PKW, schnellste Strecke: A73 bis Forchheim, B470 Richtung Ebermannstadt bis Abzweigung Pretzfeld und dann weiter nach Wannbach. Wanderparkplätze am Ortseingang bei der Kirche

Alternativtour zurück:

In Schweinthal mit dem roten Kreis nach Hardt, von da aus mit dem roten und gelben Kreis über den Kamm und den Schiessenstein nach Unterzaunsbach. Weiter wie beschrieben über den Trubachtalweg. Vorteil: Man läuft kaum Straße. Nachteil: Der Aufstieg nach Hardt ist hart. Aber: Die Länge der Tour bleibt die gleiche.

Einkehrmöglichkeiten:

reichlich, siehe Text. Darüber hinaus gibt es viele weitere wie das Café Holweg in Unterzaunsbach., geöffnet Sa, So und feiertags 11–19 Uhr 

Ute Fürböter

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