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Weiß-grünes Jugendzentrum: Fanprojekt Fürth eröffnet

Umbau der Räumlichkeiten nach sechs Monaten abgeschlossen - 16.03.2015 21:32 Uhr

Blicken gut gelaunt zurück – und in die Zukunft: die beiden pädagogischen Mitarbeiter des Fanprojekts, Christjan Böncker und Matthias Kosubek. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Am Anfang waren Staub und Dreck. Wände wurden herausgerissen, neu eingezogen und schließlich stilecht in den Vereinsfarben der SpVgg bemalt. Ein riesiges Kleeblatt grüßt nun genauso von den Wänden wie ein meterlanges Graffiti, mit dem die Anhänger trotz der sportlichen Talfahrt ihrem Lieblingsverein huldigen.

In einem Punkt waren sich alle Gratulanten aus Politik und Fußball einig: Die Besonderheit der Fürther Einrichtung liegt darin, dass sie nicht aus der Not heraus geboren wurde. Sie ist keine Reaktion auf immer wieder kehrende Ausschreitungen – sondern ein präventiver Akt, um den Status Quo zu wahren und die positiven Facetten der Fankultur zu nutzen.

Sie habe Fußballfans als "komplett engagierte Menschen" kennengelernt, sagte beispielsweise Sozialreferentin Elisabeth Reichert, die sich tief beeindruckt zeigte, dass eine Vielzahl an SpVgg-Fans in der Flüchtlingsthematik sehr aktiv ist. Konflikte seien in der Arbeit mit jungen Menschen normal, mit dem Fanprojekt gebe es jetzt aber einen Ort, an dem man den viel gepriesenen Dialog suchen könne.

Volker Goll von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) stand seit Beginn der Planungen beratend zur Seite und hob vor allem die exponierte Lage der Räumlichkeiten in der Theresienstraße 17 hervor: "Es ist das erste Mal deutschlandweit, dass ein Fanprojekt in eine soziale Einrichtung eingebettet ist, die viele Andockungspunkte bietet." In direkter Nachbarschaft gibt es unter anderem eine Fahrrad- und Schreinerwerkstatt.

Pädagogen sind zufrieden

Matthias Kosubek und Christjan Böncker, die pädagogischen Mitarbeiter, blicken zufrieden auf die vergangenen Monate zurück. Bereits seit Saisonbeginn ist das Duo bei allen Heim- und Auswärtsspielen als Ansprechpartner dabei. Ihr Job sei anspruchsvoll, "weil wir viel zwischen den Fronten agieren und dabei zu allen Seiten glaubwürdig bleiben müssen". Gleichzeitig seien sie aber überwältigt von der Resonanz der Fans, die ihren Treffpunkt mit durchschnittlich 20 Leuten umgebaut und sich deshalb auch viel Vertrauen erworben haben.

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Dieses bekommen sie nun zurück. In der Zukunft dürfen die Anhänger in den Räumen Choreografien vorbereiten und ihre Treffen abhalten. Zudem sind immer wieder Vorträge und Lesungen geplant, die in Kooperation mit der Zielgruppe ausgearbeitet werden. In den vergangenen Monaten gab es bereits vier solcher Abende, die sich um das Engagement des Getränkeherstellers Red Bull bei RB Leipzig oder um die Verbindungen von Hooligans und der islamfeindlichen Pegida drehten.

Kommende Woche läuft der "Offene Treff" an, das Herzstück des Fanprojekts. Mittwochs (15 – 20 Uhr) und donnerstags (17 – 22 Uhr) sind die Räume für alle Jugendlichen der Stadt zugänglich, die dort Billard, Kicker oder an der Konsole spielen, aber auch einfach Kaffee trinken und sich austauschen können. Hoffentlich bald auch wieder über Siege ihrer Mannschaft.

MICHAEL FISCHER

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