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Dienstag, 25.06.2019

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Weißenburg: Erinnerungsbaum für den Bahnhof

Eröffnung vor 150 Jahren - 24.05.2019 09:51 Uhr

Anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Bahnhofs haben OB Jürgen Schröppel, Alexander Kohler, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz (BN), und Wolfgang Federschmidt, BN-Vorsitzender in Weißenburg (von links), eine Flatterulme, gepflanzt. © Foto: Robert Renner


Das Hauptverbreitungsgebiet der Flatterulme ist das kontinentale Osteuropa, in Deutschland findet man sie vorwiegend in den nordöstlichen Bundesländern Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sowie im südlichen Oberrheingraben.

Vom Ulmensterben ist die Flatterulme deutlich weniger betroffen als andere Ulmen. Unter dem Aspekt des Artenschutzes kommt ihr eine besondere Bedeutung zu. Sie stellt für bestimmte Arten, darunter den Ulmenblattfloh, den einzigen Lebensraum dar.

Auch an die Bienen gedacht

Auch deshalb begrüßen Wolfgang Federschmidt, Ortsvorsitzender des Bund Naturschutz (BN) und Alexander Kohler, BN-Kreisvorsitzender, die Aktion zum Bahnhofsjubiläum. Sie nahmen symbolisch zusammen mit Oberbürgermeister Jürgen Schröppel die Baumpflanzung vor. Gesetzt worden war der Baum südlich des Bahnhofsgebäudes bereits zuvor von der Stadtgärtnerei.

Schröppel wies bei der Gelegenheit darauf hin, dass die Stadt in diesem Frühjahr in der Bismarckanlage und am Wäschgraben 150 Quadratmeter Staudenbeete mit 1200 einheimischen Stauden bepflanzt hat. Dies sei auf Anregung von Stadtrat und Gartenbauingenieur Andre Bengel geschehen. Die Stauden seien wesentlich besser für Bienen geeignet als einjährigen Blumenanpflanzugen, die an diesen Stellen bisher erfolgten. Es gebe allerdings auch Anhänger der Blumenbeete, weshalb die Stadt beispielsweise die Verkehrsinseln am Ellinger Tor wieder entsprechend bestückt habe.

Mehr Bäume für Weißenburg

Im Zuge des Projekts "Vielfalt.Erleben.Altmühlfranken – Biodiversität auf öffentlichen Flächen" wurde in Kooperation mit dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen zudem die Pilotfläche Seeweiherparkplatz überarbeitet, um dort die Artenvielfalt zu erhöhen. In den Grünstreifen zwischen den Parkreihen wurde zum Teil der Boden ausgetauscht, Neuansaaten wurden vorgenommen.

Außerdem hat die Stadt nach Angaben von Schröppel in diesem Jahr bereits 43 neue Bäume im Stadtgebiet gesetzt, und zwar nicht nur als Ersatzpflanzungen, sondern auch 17 zusätzliche Bäume. Beispielsweise wurden Lücken an der Allee am langen Wiesenweg entlang des Aumühlweihers zu den Sommerkellern hin geschlossen, ergänzte Stadtgartenmeister Johannes Birkhan.

"In die richtige Richtung"

Außerdem werde der westliche Schießgraben "ökologisch umgestaltet" und "mit Trockenmauern" aufgewertet, berichtet der OB und machte deutlich, dass es "keine Frontstellung" zwischen der Stadt und dem BN gebe.

BN-Ortsvorsitzender Federschmidt sieht "durchaus Erfolge", "eine positive Wende" und "Ansätze, die in die richtige Richtung gehen". Gleichwohl dürfe in dem Bemühen, mehr Grün in die Stadt zu bringen und auf Bäume zu achten, nicht nachgelassen werden, mahnte er. Sowohl die BN-Vertreter als auch der OB und der Stadtgartenmeister zeigten sich erfreut, dass das Staatliche Bauamt Ansbach am nördlichen Dettenheimer Ortsausgang 60 Ahornbäume entlang der ehemaligen Bundesstraße 2 pflanzen hat lassen.

Immer wieder kritisiert wurde in der Vergangenheit die Grüngestaltung am Bahnhofs, der nun zumindest mit der Flatterulme einen zusätzlichen Baum zu seinem 150-jährigen Bestehen erhalten hat.

1869 eröffnet

Eröffnet wurde er 1869 gleichzeitig mit der Inbetriebnahme der Bahnstrecke Treuchtlingen-Pleinfeld. Ur- sprünglich hatte er eine kleinräumige Gebäudestruktur, die erst Anfang der 1970er-Jahre durch einen massiven Umbau verändert wurde. Das Erdgeschoss wurde entkernt und zur Wartehalle mit Fahrkartenschalter und Toiletten umgebaut.

Der Südflügel, wo sich ehemals Wartesäle befanden, und Räume im Nordflügel wurden seinerzeit für die Bahntechnik umgenutzt. Die Obergeschosse wurden damals vermietet. Im Jahr 2000 wurde die Gepäckgutannahme aufgegeben, drei Jahre später wurde der Bahnhof geschlossen.

Vorher ein heruntergekommener Bau

Die Deutsche Bahn verkaufte ihn, und das Gebäude wechselte mehrmals den Besitzer, bevor ihn Ende 2012 die Stadt – nach jahrelangen Bemühungen der Verwaltung und Aktionen der Bürger – kaufen konnte. Darauf wies Hermann Auernhammer, zuständiger Hochbauingenieur der Stadt, beim Jubiläumstermin hin.

In den folgenden Jahren setzte die Stadt den ziemlich heruntergekommenen Bau wieder instand, schuf neue Toilettenanlagen sowie einen barrierefreien Zugang. Es folgten 2017 der Einzug des Inklusionsprojekts "Café LebensKunst" der Weißenburger Werkstätten sowie der Rock- und Popabteilung der Weißenburger Musikschule und damit die Umnutzung zum Musikbahnhof.

Alle Maßnahmen seit 2013 wurden mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt. Die Bemühungen wurden vor wenigen Wochen schließlich mit einer Auszeichnung bei der Denkmalprämierung des Bezirks Mittelfranken belohnt. 

ROBERT RENNER

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