Dienstag, 19.11.2019

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Wenn alles Forschen nichts hilft

Hintergründe und Satire zum Klimawandel: Das Buch "Der Tollhaus-Effekt" - 29.01.2019 18:57 Uhr

Apokalypse aus Sicht eines US-amerikanischen Karikaturisten: Illustration von Tom Toles aus dem Buch „Der Tollhaus-Effekt“. © Abb: Tom Toles


"I don’t believe it", twitterte Donald Trump, als ihm 2018 seine eigenen Behörden den aktuellen Klimabericht vorlegten. Trump gehört zu den prominentesten Leugnern des Klimawandels, die jüngste Debatte um mögliche Schäden durch Feinstaubbelastung und die dubiose Rolle des pensionierten Lungenfacharztes Dieter Köhler lassen das Buch "Der Tollhaus-Effekt", das der amerikanische Klimaforscher Michael E. Mann zusammen mit dem Karikaturisten Tom Toles erstmals 2016 veröffentlichte, wie ein aktuelles Handbuch zur Lage des Klimas erscheinen. Mann und Toles haben es 2018 nach der Wahl Donald Trumps nochmals überarbeitet, Matthias Hüttmann, der in Nürnberg für die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie arbeitet, hat es mit Herbert Eppel übersetzt.

Natürlich ist damit schon klar, welche Seite hier vertreten ist: Mann mahnt zum schnellstmöglichen Klimaschutz. Das Interessante an dem Band in witziger Sprache ist aber der Blick hinter die Kulissen der Wissenschaft und der Lobbyisten: Wie mit Verleumdungskampagnen die Öffentlichkeit verunsichert oder sogar getäuscht wird, wie Fürsprecher konventioneller Energiequellen ihre mächtigen Apparate in Gang setzen, um die Erkenntnisse der Forscher zu filtern, und wie letztlich die Politik in all dem medialen Getöse aus Studien, Gegenstudien und Einschätzungen nur hinterherhinkt. Michael E. Mann zitiert im Vorwort den Schriftsteller Upton Sinclair: "Es ist schwierig, einen Menschen dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, dass er es nicht versteht."

Mann und der Washington Post-Zeichner Tom Toles nähern sich der Situation mit einer Mischung aus Ernst und Satire: Wenn Wissenschaft per se angezweifelt wird, wenn Politik nicht von den Forschern selbst, sondern den jeweiligen Lobbyverbänden beeinflusst wird, dann hilft einerseits Detailkenntnis (belegt durch einen umfangreichen Literatur-Anhang), andererseits nur noch Humor. Der vergeht den Autoren und mit ihnen den Lesern aber auch ab und zu: Zu sehr drängt das Thema, bekanntlich gibt es keine zweite Erde, und der Mars ist keine heimelige Alternative.

Dem Kapitel "Aufbruch in die Zukunft" haben sie nach der Trump-Wahl dann doch noch das Kapitel "Rückkehr ins Tollhaus" angefügt. Doch sie sind zuversichtlich.

ZMichael E- Mann, Tom Toles: Der Tollhaus Effekt. Deutsch von Matthias Hüttmann und Herbert Eppel. , Verlag Solare Zukunft, Erlangen. 242 Seiten, 24,90 Euro.

KATHARINA ERLENWEIN

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