Montag, 21.09.2020

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Widerstand gegen Center Parcs: Druck auf Landrat wächst

Das Thema sorgt weiter für heftige Diskussionen in der Region - 12.08.2020 06:00 Uhr

Das Muna-Gelände bei Langlau ist seit mehreren Jahrzehnten Sperrgebiet. Direkt entlang des Radwegs am Brombachsee verläuft die Einzäunung. Dieses Gelände hat Center Parcs nachweislich im Blick, um einen neuen Ferienpark zu bauen.

© Foto: Jan Stephan


Nach den Freien Wählern, die bereits im Juli einen Antrag auf Information im Kreistag gestellt hatten, hat nun die ÖDP einen Stopp der Verkaufsverhandlungen gefordert.

Sie äußert sich dezidiert kritisch zu dem geplanten Park und fordert den Landkreis auf, sich dafür einzusetzen, dass der Verkauf des rund 150 Hektar großen Waldgebiets zwischen Kleinem und Großem Brombachsee ausgesetzt wird. "Ein derartiges Projekt muss im Vorfeld den Menschen der Region unbedingt ausführlich vorgestellt und mit diesen diskutiert werden. Es ist strikt abzulehnen, dass die Menschen hier vor vollendete Tatsachen gestellt werden", schreibt die Kreis-ÖDP in einer Pressemitteilung.

Inhaltlich kritisiert sie, dass von einer Anlage mit "riesigen Dimensionen" enorme Auswirkungen auf die Verkehrssituation, die Wasserver- und -entsorgung sowie den ganzen Sektor des Tourismus- und Fremdenverkehrs zu erwarten wären. Zudem würden gigantische Flächen verbraucht. Die ÖDP bezeichnete das Projekt als "Brachial-Tourismus" und sieht die ursprünglich einmal ausgegebene Zielrichtung eines Sanften Tourismus durch eine solche Anlage gefährdet.


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Bürgerbündnis vor Ort

Derweil formiert sich auch Widerstand von Bürgern. Am vergangenen Sonntag hätten sich "spontan ca. 30 interessierte Bürger aus dem ganzen Landkreis vor den Toren des Muna-Geländes zusammengefunden", hieß es in einer Pressemitteilung eines Bürgerbündnisses, das bei dem Termin ins Leben gerufen wurde. "Die Bürger und Anwohner wollen mit ihren Bedenken und Ängsten Gehör finden und aktiv am Gestaltungsprozess der Muna Langlau miteingebunden werden."

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Sie fordern deshalb einen sofortigen Stopp der Verkaufsverhandlungen und eine Offenlegung der Planungen. Ihren Vorstellungen zufolge muss das Muna-Areal auf Kosten des Bundes gesäubert werden und dann einer öffentlichen Nutzung zugeführt werden. Dafür könnte etwa ein Ideen-Wettbewerb ausgeschrieben werden, heißt es in der Pressemitteilung. Wer Interesse hat, sich an dem Bürgerbündnis zu beteiligen, kann sich per Mail an muna-langlau@erkenntnisreicher.de wenden.

Derweil wurde das Thema Center Parcs auch in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses diskutiert. Jürgen Simon, Büroleiter des Landrats, erläuterte, dass es grundsätzlich ein langer planerischer Weg bis zu einer Umsetzung eines solchen Projekts wäre. Die Regierung von Mittelfranken müsste ein Raumordnungsverfahren durchführen, der Zweckverband Brombachsee den Flächennutzungsplan ändern und die Gemeinde Pfofeld den Bebauungsplan ändern.

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Zu teuer für Landkreis

Auf Nachfrage von ÖDP-Kreisrat Reinhard Ebert, warum sich der Landkreis nicht selbst mit einem Kauf des Geländes beschäftigt hatte, wurde auf die großen Kosten durch Flächenkauf und Entsorgung verwiesen. Wann mit einem Abschluss der Verkaufsverhandlungen gerechnet werden könnte, konnten die Landratsamts-Vertreter nicht beantworten.

Derzeit ist offiziell nur klar, dass es mehrere Kaufangebote für das rund 150 Hektar umfassende Muna-Areal bei Langlau gibt, das der Bund für mindestens knapp zwölf Millionen Euro veräußern will. Ebenfalls bekannt ist, dass der Ferienpark-Betreiber Center Parcs bereits mindestens seit 2018 in Gesprächen mit dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen ist und großes Interesse an einem Bau einer Ferienanlage auf dem Gelände bekundet hat.


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Das Interesse wurde jüngst greifbar, als unsere Zeitung bei Recherchen auf eine Präsentation des französischen Mutterkonzerns von Center Parcs aus dem November 2018 stieß. Dort hatte man eine Anlage mit 800 Ferienhäusern auf dem Muna-Gelände als bereits feststehende Neueröffnung kommuniziert und mit einer Eröffnung im Jahr 2023 gerechnet.

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Derzeit sichtet die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die Kaufangebote und nimmt Kontakt mit den Verkäufern auf. Details zu den Verhandlungen waren auf Nachfrage nicht zu erfahren. Unklar ist auch, wie lange die Verkaufsgespräche führen und welche Kriterien dabei entscheidend sind.

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JAN STEPHAN

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