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Adani-Kohleprojekt: Ärzte schreiben Brandbrief an Siemens

Internationale Mediziner fordern den Konzern auf, seine Beteiligung zu stoppen - 11.02.2020 13:16 Uhr

Protest in Brisbane: Auch Australier fordern ein Aus für das Kohlebauprojekt. © Darren England


"Siemens’ Entscheidung, die Zug-Signaltechnik für das Adani-Kohleprojekt zur Verfügung zu stellen, ist bei einem Unternehmen, das sich der Gesundheit und der Nachhaltigkeit verpflichtet hat, besonders enttäuschend", beginnt das an Joe Kaeser adressierte Schreiben, das unserer Redaktion exklusiv vorliegt. Der Siemens-Chef wird darin aufgefordert, "das Richtige zu tun" und die Zusammenarbeit mit Adani zu beenden.

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Der Protest der jungen Klimaschützer von Fridays for Future (FFF) geht weiter: Erneut demonstrierten rund 100 Aktivsten auch in Erlangen gegen Siemens und seine Entscheidung für einen umstrittenen Auftrag in Australien.


Unterzeichnet haben den Brief Ärzte-Organisationen aus den USA, der Schweiz, Kanada, Großbritannien, Dänemark, Deutschland, Österreich und Indien, die sich den Schutz der Umwelt auf die Fahnen geschrieben haben - sowie vier Zusammenschlüsse von Ärzten aus Australien, wo das umstrittene Kohlebergwerk gebaut wird, darunter das Bündnis "Doctors for the Environment Australia". Kohle trage wesentlich zum Klimawandel bei - und der stelle auch eine Bedrohung für die Gesundheit der Menschen dar, argumentieren die Unterzeichner.

Forchheimer Grünen-Abgeordnete sieht Kritik bestätigt

Lisa Badum, klimapolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, sieht ihre Kritik durch den Brandbrief bestätigt. "Siemens will bis 2030 klimaneutral sein und trotzdem investiert das Unternehmen in Kohleminen, die 60 Jahre laufen sollen. Es ist offensichtlich, dass diese Rechnung nicht aufgehen kann", sagt die Forchheimer Abgeordnete. Statt jegliche Investitionen in fossile Energien einzustellen und aus dem Adani-Projekt auszusteigen, stelle sich Siemens-Chef Kaeser als Opfer dar, sagt Badum. "So entpuppt sich die angebliche Klimastrategie von Siemens als inhaltsleer und bedeutungslos."

 

Die Unterzeichner des Briefs liefern Siemens neben dem Klimawandel drei weitere Gründe, die für einen Ausstieg sprechen: Erstens lehne die "überwiegende Mehrheit" der Australier das Vorhaben ab, zweitens sei der enorme Wasserverbrauch angesichts einer grassierenden Dürre im Bundesstaat Queensland nicht zu verantworten. Drittes Argument der Gegner: Die Regierung von Queensland habe Ureinwohnern Landrechte aberkennat, um das Projekt voranzutreiben. Damit habe sie die Menschen faktisch "zu Eindringlingen in ihrem eigenen Land gemacht".

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Siemens wird die Klimadebatte nicht los. Während der Hauptversammlung in Münchnen versammelten sich zahlreiche Demonstranten vor der Olympiahalle, um gegen die Ausrichtung des Konzerns zu protestieren. Im Fokus steht weiterhin ein umstrittenes Projekt in Australien.


Der Brief schließt mit einer zumindest impliziten Warnung, dass es sich Siemens mit der Ärzteschaft verscherzen könnte: Wenn Siemens das Projekt stoppe, "wird es mit den Gesundheitsfachkräften arbeiten, um die Gesundheit jetziger und zukünftiger Generationen zu schützen, und nicht gegen uns."

Eine Bitte um Stellungnahme zu dem Schreiben ließ Siemens bislang unbeantwortet.

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Eine Gruppe von Klima-Aktivisten demonstrierten am Donnerstag vor dem Siemens-Standort in Erlangen. Dabei klebten sie sich mit den Händen an die Scheiben im Eingangsbereich des Gebäudes. Die Aktion verlief friedlich, der Konzern gab im Vorfeld sein Okay. Grund für die Demonstration war die Bekanntgabe der Firma, weiterhin einem Braunkohlebergwerk in Australien zuliefern zu wollen.


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