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Air-Berlin-Bieterverfahren: Wöhrl ist weiter im Rennen

Unternehmer verzichtet aber auf Zugang zum Datenraum - 31.08.2017 19:13 Uhr

Hans Rudolf Wöhrl hat weiterhin Interesse an der insolventen Airline Air Berlin.

31.08.2017 © Nicolas Armer/dpa


„Dabei sollen die Arbeitsplätze im wesentlichen erhalten bleiben“, erklärt Wöhrl im Gespräch. Wöhrl: „Air Berlin denkt intensiv über meinen Vorschlag nach. Selbst dort hat man sich gefragt, warum bisher niemand einen solchen Vorschlag gemacht hat.“
Wöhrl will Air Berlin als Ganzes erhalten und dann einen Großteil der Flugzeuge und Personal vermieten. „Diese Flüge finden unter dem Namen und der Flugnummer der Partner statt, verbunden mit dem Hinweis „Operated by Air Berlin“, teilt Wöhrls Intro-Verwaltungs GmbH mit. Die Marke Air Berlin bleibe. „Nur Strecken, die monopolistisch werden, wollen wir auf eigenes Risiko weiterfliegen“, erklärt er. 
Das Konzept sieht zudem eine Gruppenlösung vor. „Neben Finanzinvestoren sollen auch Airlines, die zukünftig von Air Berlin Flugzeuge mieten wollen, die Möglichkeit haben, sich an einer Gesellschaft zu beteiligen.“

Wöhrl kontaktierte auch die Lufthansa, die als Favorit im Poker gilt und nur Teile von Air-Berlin übernehmen will. „Die Lufthansa hat eine Vertraulichkeitserklärung unterschrieben und darf derzeit nicht mit uns sprechen“, sagt der Unternehmer, der auf eine schnelle Lösung setzt und deshalb auf den Zugang zum „Datenraum“, also auf genaue Informationen zum Beispiel zu bestehenden Leasing- oder Mitarbeiterverträgen, verzichtet. Wöhrl: „Nach der Übernahme muss alles neu verhandelt werden. Der Datenraumzugang wird für uns erst wichtig, wenn unser Vorschlag angenommen wird und wir mit der praktischen Arbeit beginnen können.“

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Der Poker um die Air-Berlin Übernahme sorgt immer wieder für Aufsehen: Die Fluggesellschaft Germania hat neben ihrer Klage gegen Staatshilfe für Air Berlin auch eine Beihilfebeschwerde an die EU-Kommission geschickt. „Der Flugbetrieb von Air Berlin wird auf Kosten des Steuerzahlers künstlich aufrecht erhalten“, sagte Germania-Chef Karsten Balke der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Es kann aber nicht Aufgabe des Staats sein, einen eigentlich toten Patienten am Leben zu halten, um seine besten Teile einem nichtbedürftigen Dritten zuzuschustern.“

 

Am Mittwoch hatte der Chef der irischen Billigfluglinie Ryanair, Michael O'Leary, entgegen früherer Äußerungen erklärt, nicht für Air Berlin bieten zu wollen. Das Insolvenzverfahren bezeichnete er als „abgekartetes Spiel“ zwischen Lufthansa, der Bundesregierung und Air Berlin.

Aktualisiert am 31.08.2017 um 19.13 Uhr

kfr

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