Samstag, 29.02.2020

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Bad ohne Plastik? "Zero Waste" ist der Megatrend der Vivaness

Mittlerweile gibt es viele solide Pflegeprodukte auf dem Markt - 14.02.2020 17:17 Uhr

Die rund 300 Aussteller der Vivaness präsentierten in diesem Jahr vor allem neuartige Verpackungslösungen, die zur Müllreduzierung und -vermeidung beitragen sollen. © Foto: Lidia Piechulek


An Alexandre Vidals Wange klebt ein hellgelber Klotz, der wie ein Stück Seife aussieht, es aber nicht ist. Mit der rechten Hand hält er es dort für etwa zehn Sekunden, so wird das Produkt auf der Haut leicht erwärmt. Dann streift Vidal den Klotz gleichmäßig über seine Wange, zurück bleibt ein leicht glitzernder Fettfilm. Ist das die neue Form des Eincremens? Oder nur eine extreme Ausprägung des Unverpackt-Trends?

Wenn es nach Vidal geht, setzt sich sein Produkt durch. Der Gründer des Unternehmens "Balade en Provence" hat sich ganz den Pflegeprodukten verschrieben, die in solider Form, also ganz ohne den Zusatz von Wasser, auskommen.

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Zero Waste und Hanf: Das sind die Kosmetik-Trends der Vivaness 2020

Die Vivaness, die alljährlich zeitgleich zur BioFach stattfindet, bringt Tüftler, Pioniere und Initiatoren der Naturkosmetikbranche zusammen. In diesem Jahr steht alles im Zeichen des Unverpackt-Trends, reduzierter Inhaltsstoffe und eines Wirkstoffs der Hanfpflanze.


Vor kurzem hat Vidal die feste Hautcreme für die Nacht entwickelt. Sein Stand ist ziemlich unauffällig, im Grunde genommen nur ein Tresen. Im ersten Moment denkt der Messebesucher wohl nur: "Das sind doch diese Haarseifen, die jetzt an jeder Ecke auf der Vivaness zu finden sind." Alexandre Vidal grinst und zeigt auf drei von 13 festen Pflegeprodukten. "Das sind die Haarseifen", sagt er. Der bunte, eckige Rest sind alternative Pflegeprodukte, wie etwa solide Reinigungsmilch und ein 3-in-1-Pflegeprodukt für Männer: Rasiergel, Körper- und Haarpflege, alles in einem schwarzen Aktivkohle-Klotz.

Naturkosmetik ohne Wasser: An vielen Messeständen tummeln sich solide Pflegeprodukte wie Haarseifen oder Seifenstücke zur Gesichtsreinigung. © Foto: Lidia Piechulek


Noch gibt es Vidals Waren nicht auf dem deutschen Markt zu kaufen, aber er "arbeitet daran", sagt er und schaut sich verheißungsvoll um. Er ist heuer zum ersten Mal als einer von 30 Newcomern auf der Vivaness, die ihre Produkte auf der "Breeze" ausstellen dürfen. Die Breeze, das ist ein eigener Bereich auf der Vivaness, in dem Austeller im ersten oder zweiten Jahr ihre Innovationen präsentieren können.

 

Lächeln mit reinem Gewissen

Der zweite große Trend ist die Zahnpflege. Bambuszahnbürsten sind mittlerweile selbst in Discountern zu haben, nun sind die Tuben den Herstellern ein Dorn im Auge. "Nicht jeder mag das Gefühl von Zahnputztabletten im Mund, weil diese kaum Schaum bilden", so Thilo Gemmer von "Orbimed", ebenfalls ein Aussteller auf der Breeze. Das Unternehmen tüftelt deshalb an Pasten mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Kurkuma – und setzt auf plastikfreie Zahnpastatuben.

An ihrem Messestand steht bereits der Prototyp ihrer neuen Produktlinie, ordentlich aufgereiht in einer Glasvitrine: Die Tuben bestünden in Zukunft aus Fichtenholzcellulose, erklärt Gemmer. Im kommenden Jahr wollen sie ihre elektrische Zahnbürste aus Plastik, das aus dem Weltmeeren gefischt wurde, herstellen.

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Nüsse, Öle, Live Cooking: So bunt ist die BioFach 2020

Dass Bio voll im Trend liegt, spürt man vor allem hier: Das spürt man vor allem hier. Von Mittwoch bis Samstag tummelt sich die internationale Bio-Szene auf dem Nürnberger Messe. Die BioFach (für Lebensmittel) und Vivaness (für Kosmetik) locken insgesamt 50.000 Fachbesucher aus der ganzen Welt.


"The Humble Co." setzt hingegen auf Glas. Vor etwa fünf Jahren hat das Unternehmen die Bambuszahnbürsten auf den Markt gebracht, nun soll auch der Behälter für Zahnpasta plastikfrei werden, heißt es am Messestand. Der Nachteil: Glas bedeutet auch mehr Gewicht. Aluminium sei als Alternative ebenfalls eine Zeit lang im Gespräch gewesen, da ließe sich allerdings eine dünne Plastikschicht in der Tube nicht vermeiden, damit die Zahnpasta nicht mit Aluminium in Kontakt kommt.

Eine weitere Neuheit ist eine "Mundspülung to go" von Qikfresh. Der Hersteller wirbt mit einer vorportionierten Bio-Kokosöl-Mundpflegekur, die in kleine Beutelchen abgefüllt wird und daher ideal für Reisen sei.

Holz statt Kunststoff?

Dass auf Wasser als Inhaltsstoff verzichtet wird, ist eine recht neue Entwicklung. Auch Wasser sei eine natürliche Ressource, mit der es zu wirtschaften gelte, erklärt Mirja Eckert, Beraterin für Megatrends und Nachhaltigkeit. Feste Produkte seien meist funktionaler, ohne Mikroplastik und könnten außerdem über einen längeren Zeitraum verwendet werden. Gleichzeitig gilt: "Die Hersteller wollen heute nicht nur grün von innen, sondern auch grün von außen sein", so Eckert. Dabei sei das langfristige Ziel, auch in der Verpackung von Naturkosmetik ausschließlich auf Materialien natürlichen Ursprungs zurückzugreifen.

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Plastik, nein danke! Zehn Alternativen für ein Leben ohne Kunststoff

Knapp 25 Kilo Plastikmüll hinterlässt jeder Deutsche im Jahr. Lediglich aus der Hälfte dessen, was im gelben Sack landet, entstehen neue Produkte. Der Rest wird verbrannt und belastet unsere Umwelt. Allerdings kann jeder dazu beitragen, dass weniger Plastikmüll anfällt. Welche plastiksparenden Alternativen es gibt, verraten wir hier!


Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Viele Aussteller der Vivaness präsentierten in diesem Jahr Produkte, die zumindest zu einem gewissen Prozentsatz nicht in Plastik verpackt sind. "Überwood" verwendet bei Haut- und Haarpflegeprodukten beispielsweise zu etwa 20 Prozent Kiefer- und andere Nadelhölzer. Das Unternehmen wirbt damit, dass bei der Verarbeitung von Holz statt rein erdölbasierten Kunststoffen bis zu 40 Prozent Erdöl eingespart werden könne, Kiefernkernholz wirke außerdem antibakteriell.

Laut Mirja Eckert sei es jetzt besonders wichtig, dass die Hersteller klar kommunizierten. "Viele Kunden lehnen Plastik ab und haben viele Fragen. Die Hersteller müssen ehrliche Antworten parat haben, was schon geht und was noch nicht."

Testen Sie Ihr Wissen in unserem Nachhaltigkeits-Quiz

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Finden Sie heraus, wie gut Sie sich in Sachen Umweltschutz, Klimawandel oder Nachhaltigkeit auskennen. Wir haben acht Fragen aus unserem Alltag herausgepickt mit jeweils drei Antwortmöglichkeiten - aber nur eine davon stimmt. Am Ende sehen Sie, wie Sie abgeschnitten haben.

© Julius-Maximilians-Universität Würzburg (dpa)

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Frage 1/8:

Wie lange dauert es, bis ein Kaugummi verrottet?

Mehrere Jahre - wenn überhaupt. Denn damit Kaugummi so schön gummiartig ist, braucht es sogenannte Polymere - und die basieren auf Erdölbasis. Zusammen mit Zucker oder Zuckerersatzstoffen, künstlichen Farbstoffen, Verdickungsmitteln und Geschmacksverstärkern kauen wir am Ende auf einer Substanz, die biologisch nur schwer abbaubar ist. Die ökologisch bessere Alternative sind also Lutschpastillen.

© Lukas Schulze, NZ

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Frage 2/8:

In welche Mülltonne gehören leere Tiefkühl-Verpackungen?

In den Gelben Sack - wenn nichts anderes auf dem Karton steht. Denn oft ist die Verpackung mit Kunststoff beschichtet.

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Frage 3/8:

Und wohin gehören Kassenbons?

Kassenbons (wie auch Lotteriezettel, Automatenbelege oder manche Kontoauszüge) bestehen aus sogenanntem Thermopapier, bei dem die Farbe durch Hitze erzeugt wird. Für die dafür nötige Beschichtung wird meistens Bisphenol A (BPA) verwendet, ein Weichmacher, der als krebserregend gilt. Deshalb dürfen Kassenbons nicht in den Recycling-Kreislauf gelangen.

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Frage 4/8:

Ein Vollbad verbraucht ungefähr 140 Liter Wasser. Und eine Dusche?

Es sind im Schnitt 15 Liter. Inzwischen gibt es aber energiesparende Duschköpfe, bei denen z.B. Luft beigemischt wird. In der Anschaffung sind sie zwar teurer als herkömmliche Duschköpfe. Je nachdem, wie oft und wie viele Menschen in einem Haushalt duschen, kann sich so ein Kauf aber schnell rechnen.

© Ina Fassbender/dpa

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Frage 5/8:

Wie viele Einweg-PET-Flaschen werden in Deutschland pro Stunde verbraucht?

Fast zwei Millionen! Laut Deutscher Umwelthilfe sind Einweg-Flaschen aus Plastik immer noch das am häufigsten verwendete Material bei Getränken. Weil für die Herstellung oft neuer Kunststoff verwendet wird, ist so viel Rohöl nötig, wie fast 400.000 Einfamilienhäusern genügen würde, um ein Jahr lang beheizt zu werden.

© Britta Pedersen/Archiv (dpa)

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Frage 6/8:

Wo ist die Umweltbilanz beim Smartphone am schlechtesten?

In der Herstellung liegt der Verbrauch an Energie und CO2 immer noch 5 bis 10 Mal so hoch wie in der Nutzung. Das liegt vor allem an Rohstoffen (Erze, Gold oder seltene Erden), die energieintensiv abgebaut werden müssen. Laut Greenpeace verschlang die Smartphone-Produktion in den letzten zehn Jahren so viel, wie ganz Indien pro Jahr für die Energieversorgung braucht.

© Bodo Marks/Archiv (dpa)

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Frage 7/8:

Wir bestellen immer öfter Kleidung online. Wie viele Pakete gehen im Schnitt zurück?

Fast jedes Zweite! Laut Verbraucherzentrale macht das rund 800.000 Pakete - jeden Tag. Der Kohlendioxid, der dadurch entsteht, entspricht 255 Autofahrten von Frankfurt nach Peking.

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Frage 8/8:

Ein Flug nach Teneriffa ist so schädlich wie ??? Autofahren.

Etwa ein Jahr lang. Diese Angabe stammt von der Umweltorganisation Germanwatch und beruft sich auf eine Studie internationaler Forscher (The carbon footprint of global tourism).

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