Mögliche Alternativen

Bayern von russischem Öl und Gas abhängig: Kann ich meine Heizung einfach umrüsten?

Eva Orttenburger
Eva Orttenburger

Online-Redaktion

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11.3.2022, 11:45 Uhr
Heizen wird für viele Verbraucherinnen und Verbraucher in Bayern teurer werden.

© Hauke-Christian Dittrich, dpa Heizen wird für viele Verbraucherinnen und Verbraucher in Bayern teurer werden.

Rund dreiviertel der Haushalte in Bayern heizen mit Öl oder Gas. Etwa 36 Prozent der Erdöl- und Erdgasimporte stammen dabei aus Russland, wie der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) der Passauer Neuen Presse mitteilt. Die bayerischen Verbraucherinnen und Verbraucher sind somit von den russischen Ressourcen abhängig und auch die heimische Wirtschaft braucht Öl und Gas aus Russland für die Produktion. Sollten die Preise jedoch aufgrund des Ukraine-Krieges weiter steigen oder es gar zu einem Importstopp kommen, wollen viele Hausbesitzer vorbereitet sein - und erwägen eine Umrüstung ihrer Heizung. Doch so einfach geht es nicht.

Hohe Kosten für alternative Heizmethoden

Nur ein Viertel der Haushalte in Bayern heizt derzeit mit umweltfreundlichen Alternativen wie Fernwärme, Biomasse oder Wärmepumpe. Das hat unterschiedliche Gründe. Meist ist die Umrüstung mit hohen Kosten verbunden, die sich erst nach zehn oder 15 Jahren rechnet. Hausbesitzer überlegen oft doppelt, ob sie die hohe Investition in Kauf nehmen wollen.

Für den Betrieb einer Wärmepumpe braucht es beispielsweise gewisse Voraussetzungen: "Das macht nur Sinn, wenn das Gebäude gut isoliert ist und eine Fußboden- oder Wandheizung hat. Viele ältere Häuser erfüllen diese Voraussetzung gar nicht. Sie müssten erstmal kernsaniert werden. Das wäre ein Riesenaufwand", erklärt Michael Kreißelmeier, Experte für Energietechnik und Energiemanagement. Auch für Biomasse und Fernwärme müssten erstmal Leitungen verlegt werden, was mit hohen baulichen Maßnahmen und Kosten verbunden wäre.

Lange Wartezeiten für neue Heizung

Viele Eigentümer und Mieter wollen nach Informationen des Bayerischen Rundfunks zwar umsteigen, doch der Weg zu einer neuen Heiztechnik ist mehr als beschwerlich. Bereits in der Planungsphase gibt es erste Stolpersteine, denn aufgrund des Ukraine-Krieges werden Energieberater derzeit mit Anfragen regelrecht überschüttet.

Wer sich bereits für eine neue Heizung entschieden hat, muss lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Denn die Betriebe haben ebenso mit Personalengpässen aufgrund des Fachkräftemangels zu kämpfen. Für Herstellung und Einbau einer nachhaltigen Heizung braucht spezielles Fachwissen und Expertise. Hinzu kommen noch lange Lieferzeiten für Materialien.

Der Bayerische Rundfunk spricht von Wartezeiten für Verbraucherinnen und Verbraucher zwischen acht und zehn Monaten, wenn sie sich beispielsweise für eine Pelletheizung oder eine Wärmepumpe entscheiden. Wie der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen mitteilt, kann eine Umstellung der Heizungssysteme mindestens ein Jahr dauern. Damit ist der Einbau einer neuen Heizung zwar eine Investition in die nachhaltige Zukunft, auf die Schnelle lassen sich dadurch aber kaum die hohen Kosten für Gas und Öl aus Russland einsparen.

Heizen mit Holz - das sind die Vor- und Nachteile

Eine Holzheizung wäre zwar eine gute Alternative. Doch dafür braucht es auch den Rohstoff in hohen Mengen - besonders wenn ein ganzes Haus oder Gebäude mit dieser Technik beheizt werden soll. Wer keinen eigenen Wald hat, muss das Holz beziehungsweise die Pellets einkaufen und lagern. Die Lagerkapazitäten sind jedoch vor allem in der Stadt begrenzt. Auch der Einbau eines Holz- oder Pelletofens kann aus den oben genannten Gründen wiederum viel Zeit in Anspruch nehmen.

Der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger warnt daher bereits eindringlich vor einem Import-Stopp der russischen Rohstoffe. Die Gasspeicher in Bayern seien nur zu rund einem Viertel gefüllt, sagte Aiwanger am Donnerstag im Landtag. Ohne Importe von russischem Gas würden Privathaushalte bald "im Kalten" sitzen, die Industrie wäre dann "abgeschaltet". "Wenn wir diese Zulieferungen nicht mehr hätten, wäre in wenigen Wochen bei uns die Industrie, die Wirtschaft am Ende", warnt er eindringlich. Man sei "leider Gottes" auf die Importe aus Russland angewiesen, "so bitter das ist und so weh uns das tut". Aiwanger brachte zudem die Kohle als Brückentechnologie ins Spiel. Auch über die Reaktivierung von Atomkraftwerken in Deutschland müsste man nachdenken.

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