Laboruntersuchungen

Bericht: Tönnies soll Separatorenfleisch in Wurst gemischt haben

Angela Ast

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23.6.2022, 12:29 Uhr
Separatorenfleisch wird erzeugt, indem Maschinen Tierkörper oder grob zerkleinerte Knochen mit Fleischresten durch Lochscheiben hindurchpressen.

© Guido Kirchner, dpa Separatorenfleisch wird erzeugt, indem Maschinen Tierkörper oder grob zerkleinerte Knochen mit Fleischresten durch Lochscheiben hindurchpressen.

Laboruntersuchungen des Bremerhavener Hochschulprofessors Stefan Wittke für den Spiegel und den NDR haben konkrete Indizien geliefert: Tönnies verarbeitet offenbar Separatorenfleisch.

NDR und Spiegel hatten insgesamt 30 Geflügelwurst- und Geflügelfleischproben verschiedener Hersteller zur Prüfung in Blindtests eingereicht. Neun davon wurden positiv getestet - darunter vier Bio-Wurstwaren. Unter den 20 Wurstproben war fast jede zweite positiv. Bei den untersuchten zehn Aufschnittproben mit Stückfleisch aus Filet, Kassler oder Braten fand sich dagegen kein Indiz für Separatorenfleisch.

Forscher Wittke hat ein neues, peer-review-geprüftes Verfahren entwickelt, um diese Zutat in Wurstprodukten nachzuweisen. Bislang war dies kaum möglich.

Fünf der neun positiv getesteten Produkte wurden von der in Böklund ansässigen Zur-Mühlen-Gruppe hergestellt, die zur Tönnies-Unternehmensgruppe gehört. Ebenso waren zwei Produkte des ostwestfälischen Herstellers Franz Wiltmann sowie je ein Produkt der Hersteller Wiesenhof und der Mecklenburger Landpute GmbH unter den Positivfällen. Verkauft wurden diese Waren unter Markennamen wie Gutfried, Edeka Bio, Rewe Bio oder Rewe Beste Wahl - Nirgends war "Separatorenfleisch" auf der Verpackung angegeben.

"Wir setzen in unserer Produktion an keiner Stelle 'Separatorenfleisch' ein"

Die Sprecher dreier Firmen, die zur Tönnies Holding gehören, stritten den Einsatz von Separatorenfleisch ab - und zweifelten die Aussagekraft der Untersuchungsmethode an. Wiesenhof teilte mit, dass in der betroffenen Geflügel-Mortadella kein Separatorenfleisch enthalten sei. Bei der Untersuchungsmethode der Hochschule Bremerhaven handle es sich "lediglich um einen neuen wissenschaftlichen Ansatz zum möglichen Nachweis, der (...) keine solide Basis ist". Regelmäßig durchgeführte eigene Tests auf Basis anerkannter Methoden bewiesen das Gegenteil.

Eine Wiltmann-Sprecherin erklärte: "Wir setzen in unserer Produktion an keiner Stelle 'Separatorenfleisch' ein. Wir lehnen dessen Einsatz aus qualitativen Gründen entschieden ab." Und auch eine Sprecherin der Mecklenburger Landpute GmbH schrieb, man setze kein Separatorenfleisch ein.

"Verbrauchertäuschung im großen Stil"

Verbraucherschützer zeigten sich alarmiert. "Wenn Fleischkonzerne Separatorenfleisch verwursten, ohne auf den Produkten darauf hinzuweisen, ist das Verbrauchertäuschung im großen Stil", sagte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Matthias Wolfschmidt von der Organisation Foodwatch sprach von "Betrug an den Verbraucherinnen und Verbrauchern", sollte sich der Verdacht bestätigen: "Die Ware dürfte nicht verkauft werden."

Wie wird Separatorenfleisch erzeugt?

Maschinen pressen Tierkörper oder grob zerkleinerte Knochen mit Fleischresten durch Lochscheiben hindurch. Knochensplitter und Knorpelteile bleiben hängen, alle weichen Teile wie etwa Muskulatur, Fett und Bindegewebe oder auch Rückenmark werden abgepresst. Dabei entsteht eine breiartige Masse, die nur Centbeträge pro Kilogramm kostet.

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