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Bionorica kennt auch Heilmittel gegen Krisen

Bilanz 2020: Der Neumarkter Naturarznei-Hersteller kam glimpflich durch ein schwieriges Jahr - 05.03.2021 14:55 Uhr

Herstellung von pflanzlichen Medikamenten im Labor: In Deutschland blieb die Erkältungswelle aus, doch Naturarzneien sind weltweit gefragt.

05.03.2021 © Stefan Hanke, NNZ


Die Corona-Pandemie hat auch positive Folgen: Durch Abstand, Masken und Hygienemaßnahmen werden etliche andere Infektionskrankheiten ausgebremst, insbesondere Erkältungen und Magen-Darm-Erkrankungen. Schön für die Menschen, schlecht für die Bilanz von Bionorica. Besonders diszipliniert wurden die Schutzregeln offenbar in Deutschland eingehalten, wo der Naturarzneihersteller aus Neumarkt den Großteil seines Umsatzes durch Atemwegspräparate wie Sinupret erzielt. Bis zu 75 Prozent weniger Patienten ließen die Nachfrage in diesem Bereich massiv einbrechen.

Dabei fing das Jahr 2020 so vielversprechend an für die Oberpfälzer, die in ihrem Bereich zur Weltspitze zählen: „Das erste Quartal lief super. Wir sind um 34 Prozent gewachsen, das war genial“, berichtet der Vorstandsvorsitzende Michael A. Popp. „Aber beim ersten Lockdown am 22. März ging bei den Atemwegserkrankungen die Kurve massiv nach unten. Das hatten wir so noch nie, seit ich in der Firma bin“, sagt der Enkel von Josef Popp, der Bionorica 1933 als Ein-Mann-Betrieb in Nürnberg gründete.

Je weiter man nach Osten geht, desto größer wird der Erfolg

Doch zum Glück agiert das Unternehmen international, in über 40 Ländern – und offenbar werden die Corona-Regeln nicht überall so konsequent eingehalten: „Je weiter man nach Osten geht, desto mehr steigt die Infektionsrate bei den Atemwegserkrankungen.“ In Deutschland und Österreich wurden 33 Prozent weniger Präparate in den Markt geliefert, in Russland war es nur ein Rückgang von sechs Prozent. Überhaupt entwickelt sich der Markt dort erfreulich: "Russland ist jetzt unsere Nummer Eins", sagt Uwe Baumann, Vorstandsmitglied und Chef des globalen Geschäfts.

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„Das Ausland fängt das Inland auf“, lautet die Formel für 2020: Während der Umsatz in Deutschland um 27 Prozent schrumpfte, waren es im Ausland nur rund sechs Prozent. Insgesamt wurden 287,7 Millionen Euro Umsatz erzielt, was im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 13,4 Prozent bedeutet. „Ohne Sondereffekte hätten wir fast das gleiche Ergebnis wie 2019 erzielt“, erklärt Popp die Pause in der schon viele Jahre andauernden Wachstumsphase. "Wir sind sehr gut durch ein schwieriges Jahr gekommen", so seine Einschätzung der Lage. Für das ebenfalls schwierig beginnende 2021 gibt er als Ziel aus, die Umsatzzahlen von 2020 zu erreichen. Die hohe Eigenkapitalquote von 80,6 Prozent ermögliche jedoch Investitionen in die Zukunft - womit man auch die Abhängigkeit des Firmenerfolgs von Atemwegspräparaten verringern möchte.

"Forschung ist mein Leben"

Während der Markt für Erkältungsmittel kriselte, gab es große Erfolge in den Bereichen Urologie und Gynäkologie, insbesondere beim Harnwegsmedikament Canephron. Dessen Marktwachstum sieht Popp auch als Folge seiner internationalen klinischen Studie: Sie weist nach, dass dieses Präparat ebenso gut wirkt wie ein Antibiotikum. „Mit unseren pflanzlichen Arzneimitteln können wir so einen Beitrag zur Eindämmung der weltweit zunehmenden Antibiotika-Resistenzen leisten“, freut sich Popp. „Forschung ist mein Leben“, sagt der Gründer des gemeinsam mit dem Land Tirol eröffneten Michael-Popp-Forschungsinstituts. Dort werden pflanzliche Therapiemöglichkeiten für Entzündungen, Stoffwechselerkrankungen und Krebs untersucht.

Bionorica forscht auch im Bereich Covid-19, schließlich hat das Unternehmen große Erfahrung mit Atemwegserkrankungen. Untersucht werde unter anderem, ob Heilpflanzen die Immunabwehr stärken und unterstützend in der Therapie von Corona-Patienten eingesetzt werden könnten. Die Neumarkter betonen aber, dass sie auf keinen Fall falsche Erwartungen wecken wollen.

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Deutlich greifbarer sind die Erfolge in neuen Märkten wie Kasachstan oder der Türkei, wo ein vielversprechender Start gelang, trotz eines denkbar schwierigen Zeitpunkts: „Wir sehen den Markt in der Türkei mehr als optimistisch“, sagt Popp – und blickt ähnlich zuversichtlich auf den Iran, wo nach dem Markteinstieg 2016 nun die Gewinnschwelle erreicht wurde.
Weltweit haben die Oberpfälzer 1823 Mitarbeiter, was fast exakt dem Stand von 2019 entspricht (1820); mehr als 1000 davon waren Ende des letzten Jahres in Deutschland am Neumarkter Standort beschäftigt. Das Instrument der Kurzarbeit machte es möglich, auch in diesem Bereich der Coronakrise zu trotzen.

Und noch eine Folge der Pandemie: Beim neuen Verwaltungsgebäude in Neumarkt gibt es einen Baustopp. Denn angesichts der erfolgreichen Verlagerung vieler Tätigkeiten ins Homeoffice wird jetzt nachgerechnet, wie viele Büroplätze überhaupt nötig sind. Und auch für die Klimakrise gibt es ein Gegenmittel, das Bionorica erfolgreich anwendet: Das Unternehmen ist seit 2020 klimaneutral bei den eigenen Emissionen und bezieht seit Anfang 2021 für den Neumarkter Standort ausschließlich Ökostrom.

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