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Boss der VIPs: Wie Rod Stewart barfuß zum Flugzeug lief

Gesichter der Wirtschaft: Klaus Huber betreut am Airport Nürnberg die Stars aus Show, Sport und Politik — Zum Chefsein geboren - 11.01.2011 14:33 Uhr

Sagt Rod Stewart, David Beckham & Co, wo es langgeht, zum Flugzeug: Klaus Huber, am Flughafen Nürnberg Chef der VIP-Abfertigung.

11.08.2010 © Horst Linke


Klaus Hubers Büro sieht aus, als ob die sprichwörtliche Bombe eingeschlagen hätte. Und nein, dem Chef der VIP-Abfertigung am Airport Nürnberg gefällt das selbst am allerwenigsten — abgesehen davon, dass sich die Kombination „Bombe“ und „Flughafen“ ohnehin nicht allzu gut verträgt. „Umzug“, murmelt der 57-Jährige entschuldigend. Sein Blick lässt keinen Zweifel: Er wird das Chaos beseitigen, restlos, bald — und nun schnell raus aufs Vorfeld.

Huber ist am Flughafen der Mann für die Stars. Roger Federer und David Beckham, Mariah Carey und Eros Ramazotti, Jacques Chirac und Helmut Kohl — wann immer das Who is Who aus Sport, Show und Politik von Nürnberg aus abhebt, laufen der 57-Jährige und seine 16 Mitarbeiter zu Hochform auf, sorgen dafür, dass jeder pünktlich Höhe gewinnt oder landen darf. „Diskretion ist dabei natürlich oberste Pflicht.“

Zügigen Fußes eilt der tatkräftige gebürtige Oberpfälzer, der als Kind mit den Eltern nach Nürnberg zog, über das Flughafengelände. Auffallend sein penibel gepflegter Schnauzer, der den Vergleich mit so großen Bartträgern der Wirtschaftswelt wie Dieter Zetsche oder Wendelin Wiedeking — beide übrigens ähnlichen Jahrgangs wie Huber — nicht scheuen braucht. Tatsächlich strahlt auch der ehemalige Feldwebel der Luftwaffe viel von einem Boss aus. Einer, der das Heft in die Hand nimmt und sagt, wo es langgeht.

Vielleicht ist das der Grund, warum Huber nun schon seit fünf Jahren mit „viel Spaß“ die Leitung der Allgemeinen Luftfahrt innehat. In Abgrenzung zur Verkehrsluftfahrt fallen darunter alle Privat- und Geschäftsflugzeuge — und eben auch die VIPs. Im Schnitt 200 bis 250 Flieger betreuen und fertigen er und sein Team jeden Monat ab — gute Nerven und Organisationstalent sind da von Vorteil. „Einmal“, erinnert sich der gelernte Verkehrsassistent, „ist hier plötzlich der spanische König Juan Carlos gelandet. Davon wussten vorher nicht einmal wir etwas.“

Beckham steht auf BMW

Gerne erzählt er auch die Geschichte, wie Rod Stewart barfuß übers Vorfeld lief. „Er war knapp dran, weil er im Warteraum unbedingt ein Fußballspiel zu Ende sehen wollte.“ Die Zeit nutzte seine Freundin, die Schuhe des Popstars zu verstecken. Englands Sportidol David Beckham wiederum trennte sich nur schwer von Nürnberg. „Der war so begeistert von unserem BMW, mit dem wir ihn zum Flugzeug gefahren haben — der wollte kaum aussteigen, hat mich alles zu dem Auto gefragt.“

Schon einmal Schwierigkeiten mit einem Star gehabt? „Nie“, sagt Huber. Schlimm seien nur die Manager in deren Dunstkreis. „Die machen oft auf wichtig und sind immer erst einmal dagegen.“ Unnötige Verzögerungen sind die Folge — und das ihm, der großen Wert auf einen reibungslosen Ablauf legt. „Ich handle gerne, endloses Gerede ist nicht meins.“ Auch als Chef sei er hart, aber fair. „Okay, manchmal bin ich vielleicht etwas aufbrausend. Ich arbeite dran.“

Dass er mit seiner direkten Art hin und wieder aneckt, nimmt Huber in Kauf. Fachlich ist ihm ohnehin kaum etwas vorzumachen. Echtes Fliegerblut strömt durch seine Adern, er hat selbst einen Pilotenschein. Sein ganzes Leben schon arbeitet er in der Branche, fing 1971 nach der mittleren Reife bei der legendären Fluggesellschaft Pan American in der Frachtabteilung an.

Absturz-Schock

Es folgten sieben Jahre bei der Bundeswehr, wo er am Ende den Militärflugverkehr im norddeutschen Raum überwachte. „Einmal ist ein dänischer Kampfpilot abgestürzt. Wir dachten, er hat nicht mehr rechtzeitig mit dem Schleudersitz aussteigen können.“ Ein Irrtum, der Pilot überlebte — doch die Stimme des seit 33 Jahren verheirateten Vaters zweier erwachsener Kinder verändert sich beim Gedanken an damals noch immer.

1979, mit 27 Jahren, kommt Huber schließlich zum Flughafen Nürnberg. Bis 1990 arbeitet er in der Verkehrsleitung, weist den Piloten zum Beispiel ihre Abstellpositionen zu, ehe er die Schulungsabteilung übernimmt. „Da war ich dann zum ersten Mal Chef.“ Noch heute, auch nach dem Wechsel zum Leiter der Allgemeinen Luftfahrt 2004, bildet er regelmäßig Mitarbeiter weiter und nimmt Prüfungen ab.

Versteht so einer wie der pflichtbewusste 57-Jährige eigentlich auch mal einen Spaß? Sogar mehr als das. Denn wann immer er nicht im Dienst ist, widmet sich Huber gerne seiner zweiten großen Leidenschaft: dem Fasching. Überflüssig zu erwähnen, dass als Verein nur die Nürnberger Luftflotte in Frage kam. Seit Anfang Mai ist er sogar deren Vorsitzender. Fast ist man geneigt zu sagen: natürlich.

GREGOR LE CLAIRE

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