Montag, 12.04.2021

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Boss Swierzina: Vom Karrieresprung selbst überrascht

Gesichter der Wirtschaft: Martina Swierzina leitet E-T-A-Fabrik - 10.08.2010 13:27 Uhr

Sie leitet das Werk des Unternehmens E-T-A in Hohenfels: Martina Swierzina, 39 Jahre alt und inzwischen begeisterte Motorradfahrerin.

10.08.2010 © Angela Giese


Martina Swierzina ist geradeheraus. Sie spricht frank und frei von „ihrem“ Werk in Hohenfels. Dort, in der Nähe von Neumarkt, leitet die 39-jährige Betriebswirtin eine Produktions- und Montagefabrik von E-T-A. Das in Altdorf ansässige Unternehmen entwickelt und baut Geräteschalter, die vor Kurzschlüssen schützen.

„Eine Riesenverantwortung ist das Werk“, erzählt die leidenschaftliche Motorradfahrerin am Unternehmenshauptsitz in Altdorf. Als sie im Herbst 2008 die Leitung übernahm, „war das ein Sprung“: Bislang hatte sie in der E-T-A-Materialwirtschaft vier Mitarbeiter geführt und auf einmal sollte sie die Chefin von 200 Beschäftigten sein, zu drei Vierteln Frauen in der Montage. Aber: „Es hätte mich auch nicht geschreckt, wenn dort zu 90 Prozent Männer arbeiten würden“, sagt die Führungskraft.

Sie lebt bei Amberg. Nach einer 50-Stunden-Woche schwingt sie sich gern aufs Motorrad. Allein oder in einer kleinen Gruppe fährt sie auf ihrer BMW650GS durch die hügelige Landschaft ihrer Heimat. Ein bisschen tut es ihr leid, erst so spät auf den Biker-Geschmack gekommen zu sein: „Ich habe erst eine Saison so richtig erlebt.“

Nützliche Begleitung

Auf ihrem Weg die Karriereleiter hinauf hatte sie tatkräftige Unterstützung auch von außerhalb. Ihr Arbeitgeber bot ihr in Vorbereitung auf die Leitungsstelle die Teilnahme an einem Mentoring-Programm an. Unter der Leitung der Personalberatung Susanne Bohn bildete die junge Führungskraft vor einigen Jahren ein „Tandem“ mit einer Geschäftsführerin  – ebenfalls aus der Technikbranche und ebenfalls in einem familiengeführten Betrieb wie E-T-A.

Eine sehr nützliche Begleitung für ein Jahr, findet Swierzina rückblickend. „Es hat mir viel gebracht, nicht nur mein Selbstbewusstsein gestärkt.“ Verschiedene Themenfelder haben die beiden beackert, konkrete Fälle besprochen, Ziele erarbeitet und deren Erreichung nachgeprüft. All dies begleitet von Veranstaltungen wie Workshops.

Am wichtigsten war für die junge Frau aber der „neutrale Blick von außen. „Wer sagt einem schon intern die Wahrheit, kritisiert offen und ehrlich Entscheidungen und Verhaltensweisen“, fragt sie. Das geschehe doch nur in Ausnahmefällen, und oft sei dann bereits zu viel schief gelaufen.

Die erste größere Herausforderung bedeutete 2009 für die Werkleiterin die Frage, wie die krisenbedingt schwache Auslastung der Produktion überbrückt werden konnte, als selbst die Kurzarbeit als Instrument nicht mehr ausreichte. Das Kontingent an Altersteilzeit war ebenfalls ausgeschöpft. Es drohten 17 Entlassungen, um die Kosten zu drücken.

Doch die Belegschaft entschied sich nach viel Rechnerei anders. „Es waren fast alle bereit, auf drei Stunden Arbeit pro Woche zu verzichten, bei entsprechend geringerem Lohn. Mich hat das begeistert.“ Dank des in individuellen Verträgen vereinbarten Pakts konnte der Personalabbau ausbleiben.

Der Arbeitgeber freute sich zudem darüber, dass keine neuen Kräfte angelernt werden müssen, wenn sich die Auftragslage bessert. „Wir können schnell reagieren, wenn wir wieder unter Volllast arbeiten“, sagt die Oberpfälzerin Swierzina.

Wenn sie so zurückblickt auf ihre Laufbahn, ist Martina Swierzina manchmal selbst erstaunt. Bei E-T-A hatte sie sich vor bald zehn Jahren für die Position der kaufmännischen Assistenz beworben. Die bekam sie nicht, wohl aber die Stelle der technischen Assistenz — und das ohne technische Ausbildung. Wie das Leben so spielt. „Warum hätte ich ablehnen sollen, wenn die Firma Vertrauen in mich setzt?“
Macht sei ihr nicht wichtig. aber eine Aufgabe mit Spaß. Ihrer Meinung nach sind viele Frauen bereit, im Beruf Verantwortung zu übernehmen. In ihrer heutigen Position gebe es durchaus Neider. „Aber ich komme gut damit zurecht.“

In der Firma allerdings bekomme sie positives Feedback, von Konkurrenz oder harten Fronten keine Spur. Wo sie sich in zehn Jahren sieht, was ihr beruflicher Traum ist? „Ich lebe doch schon meinen Traum.“

ANGELA GIESE

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