Comeback des Heimtrainers: Peloton profitiert von Coronakrise

23.1.2021, 13:37 Uhr
Strampeln in den eigenen vier Wänden und doch nicht alleine: Peloton bietet neben Fitnesskursen in Echtzeit auch das passende Equipment.

Strampeln in den eigenen vier Wänden und doch nicht alleine: Peloton bietet neben Fitnesskursen in Echtzeit auch das passende Equipment. © Peloton

Sattel einstellen, aufsteigen, losschwitzen: Das Konzept des Heimtrainers ist bekannt, viele haben sich in den vergangenen Jahrzehnten ein solches Gerät fürs Wohnzimmer angeschafft, von wo aus es bei einigen dann langsam in den Abstellraum, den Keller oder die Garage wanderte. Jetzt bekommt das Konzept neuen Schwung: Immer mehr Menschen stellen sich teure Fitness-Räder aufs Parkett, hochpreisig und digital vernetzt, mit einem Fitnessangebot, das mit den meisten Studios mithalten kann.

Allein und trotzdem im Team

Peloton, ein US-Unternehmen mit Sitz in New York, hat in den vergangenen Jahren auch den deutschen Markt aufgerollt. Wie viele Kunden das Angebot hierzulande nutzen, will das Unternehmen nicht verraten, man sei seit dem Markteintritt 2019 aber "äußerst zufrieden" mit der Entwicklung in der Bundesrepublik, teilt eine PR-Mitarbeiterin mit. Weltweit trainieren inzwischen 3,6 Millionen Menschen mit Peloton, wobei der Fitnessanbieter außerhalb des englischsprachigen Marktes nur in Deutschland präsent ist. Auch die Aktien des Konzerns sind gefragt.

Die Auswahl beschränkt sich schon lange nicht mehr auf Spinning-Kurse.

Die Auswahl beschränkt sich schon lange nicht mehr auf Spinning-Kurse. © Peloton

Ursprünglich bot Peloton Spinning-Kurse in Live-Atmosphäre an, ohne das Sportler dafür in ein Fitnessstudio oder auf eine Radstrecke mussten. Dabei strampeln die Sportler auf einem Ergometer zu Musik, Anstiege, Sprintstrecken und Ausdauerphasen inklusive. Trainer und Teilnehmer sind über einen Bildschirm zusammengeschaltet und schwitzen gemeinsam, feuern sich an und verteilen High fives. Inzwischen geht das Angebot weit über Fahrradfahren hinaus, auch Yogakurse und Kraftraining, Meditation und Laufeinheiten stehen auf dem Programm. Wer keinen Live-Kurs machen möchte oder zu den angegebenen Zeiten nicht kann, dem stehen die aufgezeichneten Einheiten zur Verfügung.


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Die Nachfrage nach solchen Angeboten war schon vor der Pandemie da, im letzten Jahr habe sich die Entwicklung aber beschleunigt, heißt es bei Peloton auf Nachfrage. Dass die Kunden das Angebot seit Beginn der Coronakrise mehr nutzen, zeigen auch die Zahlen: "Pro Mitgliedschaft - das können pro Haushalt auch mehrere Nutzer sein - werden durchschnittlich monatlich 20,7 Workouts absolviert. Das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum", schreibt die Agentur, die Peloton in Deutschland vertritt.

Spinning, Yoga und Krafttraining

Billig ist das ganze nicht: Ein Peloton-Bike kostet 2145 Euro, das neueste Modell mit schwenkbarem Bildschirm sogar rund 2700 Euro. Dazu kommt eine monatliche Gebühr von 39 Euro für die Nutzung des Kursangebotes. Wer auf Spinning verzichten kann, kann die App nutzen, ohne das teure Rad zu kaufen, und damit zuhause Kraft- oder Ausdauertraining absolvieren.

Trotz der knackigen Preise scheinen genug Menschen auf den Zug aufzuspringen - und das, obwohl es jede Menge günstige oder sogar kostenlose Alternativen gibt. Das Internet ist voll von selbsternannten Coaches und Fitnesskursen für jeden Geschmack. Allein auf Youtube gibt es Tausende Yoga- und Zumbakurse, Crossfit-Workouts und Anleitungen zum Stretching. Auch die Fitnessstudios haben umgestellt: Viele Muckibuden bieten ihre Kurse im Livestream an. Wer zuhause etwas Platz hat, kann seine Wohnung also schnell zur Trainingsfläche umfunktionieren.

Ein Teil der Anziehungskraft von Peloton mag auch an den "Instructors" liegen, den Trainern, die die Teilnehmer anfeuern, begleiten und als Vorbild fungieren. Auf Instagram haben einige von ihnen immerhin mehrere hunderttausend Follower, der Community-Gedanke wird auch hier gelebt. Die meisten Trainer stammen aus den USA, aus Deutschland sind bisher nur vier Instructors an Bord. Trotzdem gibt es inzwischen etwa 700 Kurse auf Deutsch, das englischsprachige Angebot ist oft mit deutschen Untertiteln ergänzt. Und: Das Angebot für den deutschen Markt soll im Laufe des Jahres weiter ausgebaut werden, kündigt das Unternehmen an.


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