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Die Marke AEG wird aufgebürstet

Electrolux-Chefs schwören Standorttreue — Trauma der Werksschließung spürbar - 02.12.2010 16:00 Uhr

Neues AEG-Logo, neues Image: Electrolux-Geschäftsführer Klaus Wührl will die Premiummarke weiter voranbringen. © Michael Matejka


Schon vor zwei Jahren, bei der Eröffnung des schicken Electrolux-Hauses am alten AEG-Standort, hatte das Unternehmen einen Schlussstrich ziehen wollen unter die Erschütterungen, die die Nürnberger Werksschließung 2006/2007 bundesweit hervorgerufen hatte. Doch die vielen Zwischentöne bei einer Pressekonferenz lassen ahnen, dass das Trauma um den wochenlangen Streik und die Solidaritätswelle auch die Führungskräfte noch nicht losgelassen hat.

Dass die Narben der persönlichen Verletzungen geblieben sind, verrät die lebhafte Erinnerung an den Aufmarsch von Promis, die die „Sache der Arbeiter“ verteidigten, von Franz Müntefering bis zum Bamberger Bischof.

Immerhin, seufzt Finanzchef Eberhard Queißner, „fragt mich heute kein Nachbar mehr, was ich bei Electrolux eigentlich noch zu arbeiten habe“ — nach der Schließung der Fabrik. „Schön, dass solche Fragen jetzt ausbleiben.“ In der Öffentlichkeit habe sich lange der Eindruck festgesetzt, dass Electrolux Nürnberg komplett verlassen habe. Doch aktuell beschäftigt die deutsche Tochter des schwedischen Konzerns an der Fürther Straße immer noch 658 Angestellte. Und in Rothenburg haben 964 Mitarbeiter alle Hände voll zu tun: Die Herdproduktion brummt.

Ziel vorzeitig erreicht

Macht insgesamt über 1600 Electrolux-Beschäftigte in Mittelfranken, Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Klaus Wührl, berichtet stolz davon, dass das Rothenburger Werk in diesem Jahr so viele Kochgeräte gefertigt hat, wie nie zuvor: 1,77 Millionen Stück. Das erst für das Jahr 2012 angestrebte Ziel, die Nummer zwei der Hausgerätehersteller in Deutschland zu werden, hat Electrolux bereits im vergangenen Jahr erreicht und Miele auf den dritten Platz verwiesen. Marktführer ist mit großen Abstand Bosch-Siemens-Hausgeräte mit einem Anteil von 42 Prozent, gefolgt von Electrolux mit 14,3 Prozent und Miele mit 12,1 Prozent.

Bei den verkauften Großgeräten war 2006 mit 1,6 Millionen kein gutes Jahr, 2007 ein noch schlechteres auch wegen des schwächelnden Kunden Alno-Küchen. 2008 dann brach der Großauftrag für Quelle weg. Electrolux war der Hoflieferant mit Geräten der Marke Privileg. „Wir waren einer der größten Gläubiger von Quelle und verloren über Nacht den Auftrag für mehrere 100000 Stück Großgeräte“, sagt Wührl.

Trauer um die Quelle

Heute produziert der größte Electrolux-Rivale Whirlpool, weltweite Nummer eins der Branche, die Waschmaschinen und Geschirrspüler für den Käufer der Marke Privileg, den Otto-Versand. Wührl: „Uns bleibt die Trauer.“

Das Glück im Unglück für die Electrolux Deutschland GmbH: Für den Zahlungsausfall durch die Quelle-Pleite musste nicht sie aufkommen. Die Rechnung übernahm die Europa-Zentrale von Electrolux in Brüssel.

Bei der Rettung der Küchen-Quelle habe Electrolux kräftig mitgeholfen, erzählt Geschäftsführer Wührl. „Wir sind mit ins finanzielle Risiko gegangen, im festen Glauben an das gute Konzept.“ Ein Engagement, das die vier Investoren — die Retter der Küchen-Quelle aus der Region Nürnberg — im übrigen bestätigen.

Gleichzeitig habe Electrolux das eigene Profil trotz widriger Umstände weiter geschärft. Dabei sei das Krisenjahr 2009 keineswegs spurlos an dem Hausgerätehersteller vorbeigegangen. Allerdings: Wenn es der alte Herd nicht mehr tut, muss ein neuer her, und zwar pronto. Die Branche lebt weitgehend von der Ersatzbeschaffung, und die duldet keinen Aufschub.

Inzwischen ist Entspannung angesagt. Der Großgeräte-Absatz stieg auf 2,2 Millionen an, ein schöner Erfolg, befinden die beiden Geschäftsführer. Die Markterfolge soll ferner die Neupositionierung der „Führungsmarke“ AEG beflügeln. Damit einher geht das neue Logo. Der Zusatz „Electrolux“ unter dem schwungvollen Bogen wurde ersetzt durch ein stilisiertes „E“. Es ist als solches kaum identifizierbar — was kein Imageschaden sein dürfte.

ANGELA GIESE

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