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Energie-Schock: Strompreis wird 2017 deutlich steigen

Übertragungsnetzbetreiber nennen als Grund den schleppenden Trassenbau - 24.09.2016 06:00 Uhr

Netzbetreiber Tennet erhöht massiv Netzentgelte - Strom wird teurer.

© dpa


50Hertz wird die Entgelte zum Jahreswechsel um — so das Unternehmen — "voraussichtlich 45 Prozent" anheben, Tennet sogar um 80 Prozent. Für einen Drei-Personen-Haushalt im Tennet-Netzgebiet bedeute das zusätzliche Kosten von 30 Euro im Jahr.

Begründet wird der Schritt mit dem schleppenden Netzausbau. "Die Erhöhung zeigt ganz deutlich, was passiert, wenn der Netzausbau nicht vorankommt", sagte Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens. Dieser sei durch die vielen geforderten Nachbesserungen und Änderungen bei den Planungsgrundlagen ins Stocken geraten — so verzögert sich der Ausbau der Gleichstromleitungen um Jahre.

Ursprünglich sollten diese ab 2021 fertiggestellt werden. Doch erst nächste Woche werden nun die Pläne für den Verlauf der Trassen vorgestellt, der avisierte Termin für die Inbetriebnahme ist nicht zu halten. Daher müssen bereits jetzt teure "netzstabilisierende Maßnahmen" durchgeführt werden. Die Kosten dafür werden eins zu eins an den Kunden weitergereicht. Sie machen laut Hörchens 95 Prozent der angekündigten Preiserhöhung aus. Die restlichen fünf Prozent entfallen direkt auf die Kosten für den Netzausbau; er ist zwar teuer, doch die Investitionen werden über 40 Jahre abgeschrieben und entsprechend an den Verbraucher weitergereicht. Daher fließen sie nur zu einem kleinen Teil in die Erhöhung ein.

Ganz ohne Kontrolle können die Übertragungsnetzbetreiber die Aufschläge nicht durchführen, die Bundesnetzagentur wird ein Auge darauf haben. Insider gehen aber davon aus, dass sie keine Einwände haben wird. Gegner der Gleichstromtrassen sehen in der Entgelterhöhung eine "hanebüchene Panik-Medienkampagne". Tennet wolle von den zu erwartenden "horrenden Kosten für das Mega-Pilotprojekt SuedOstLink ablenken", so Dörte Hamann vom Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse.

Für die Verteilnetzbetreiber — in der Region die Main-Donau Netzgesellschaft — und die Versorgungsunternehmen wie die Nürnberger N-Ergie sind die Netzentgelte ein durchlaufender Posten. Das heißt, sie werden an die Verbraucher weitergereicht. Ein Fünftel bis knapp ein Viertel des Strompreises entfällt allein auf diese Entgelte — je nach gewähltem Tarif und Verbrauch des Kunden, wie die N-Ergie erläutert.

Der Gesetzgeber hat die Möglichkeit eingeräumt, Großunternehmen bei den Netzentgelten zu entlasten. Im Netzgebiet der N-Ergie profitieren laut Pressesprecherin Heidi Willer rund 190 Firmen von dieser Regelung.

Franziska Holzschuh und Verena Litz E-Mail

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