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Fränkische Heimat ist für Adidas und Puma längst zu klein

Sportartikelhersteller sorgen mit neuen Rekord-Investitionen für Aufsehen - 13.05.2019 05:46 Uhr

Hier die drei Streifen, dort die Raubkatze: Adidas und Puma konkurrieren auch, wenn es um die Ausstattung von Top-Klubs geht. © Foto: Daniel Karmann/dpa


Der Kontakt ist nie ganz abgerissen. Auch dank Adidas ist der ASV Herzogenaurach in der Saison 1973/74 ja Bayernliga-Meister geworden. Die Enkel von Firmengründer Adi Dassler spielten Fußball bei den Roten, auch in den Jahrzehnten danach fühlte sich der Global Player noch verantwortlich für seinen Stammverein. Zumindest ein wenig.

Nichts ist für die Ewigkeit. Ab der Saison 2016/17 hatte Adidas sogar vom 1. FC Nürnberg genug und dem ständigen Auf und Ab. Mit Unterbrechung nach 25 gemeinsamen Jahren seit 1978. "Adidas wird sich künftig im Zuge einer neuen Strategie noch stärker auf Partnerschaften mit jungen, aufstrebenden Spielern sowie auf Kooperationen mit ausgewählten Top-Vereinen (. . .) im internationalen Fußball konzentrieren", vermeldete der Club im April 2015 kleinlaut.

Im Umkehrschluss bedeutete das: Der 1. FC Nürnberg passt nicht mehr zur Unternehmensphilosophie der Herzogenauracher. Keine jungen, aufstrebenden Spieler, kein Top-Verein im internationalen Fußball. Kein Adidas.

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Ein Weltkonzern weiß wahrscheinlich nicht mal, wie Romantik geschrieben wird. Es geht um Margen und Rendite, nicht um Tradition. Der zweitgrößte Sportartikelhersteller kommt zwar aus der Nachbarschaft, investiert aber lieber in München, der FC Bayern ist der letzte Adidas-Verein in der Bundesliga, oder in Manchester oder Madrid.

1,6 Milliarden Euro an Real Madrid

Am Mittwoch gab Adidas die Vertragsverlängerung mit den "Königlichen" bekannt, bis 2028 – angeblich 1,6 Milliarden Euro soll Real in den nächsten zwölf Jahren vom fränkischen Ausrüster kassieren, wenn seine Stars in Trikots und Hosen mit den drei Streifen herumturnen. Wer glaubt, dass sich Adidas dafür finanziell strecken muss, braucht nur die Zahlen aus dem ersten Quartal 2019 nachzulesen: über 5,8 Milliarden Euro Umsatz, operativer Gewinn vor Steuern und Zinsen: 875 Millionen. Tendenz: steigend.

Der Club, bloß zum Vergleich, kassiert von Umbro aus England pro Saison etwa eine Million, in der Zweiten Liga klar weniger, die Spielvereinigung Greuther Fürth muss mit etwa 500.000 bis 600.000 Euro zufrieden sein, überwiesen vom dänischen Sportartikelhersteller Hummel. Der Vertrag läuft bis 2021, beide Seiten sind eigentlich zufrieden. Trotzdem bahnt sich zur übernächsten Saison ein fast spektakulärer Wechsel an.

Puma-Flirt mit dem Kleeblatt

Nach Informationen der Fürther Nachrichten steht das Kleeblatt in aussichtsreichen Verhandlungen mit Puma, dem anderen Giganten aus Herzogenaurach. Über 20 Jahre ist es her, dass die Weiß-Grünen zum vorerst letzten Mal mit der berühmten Raubkatze auf der Brust um Punkte kämpften. Anscheinend ist Puma gerade dabei, seine Heimat neu zu entdecken; selbst der 1. FC Herzogenaurach aus der Landesliga erfreut sich seit geraumer Zeit wieder prominenter Unterstützung.

Dabei sind Franken und Deutschland auch für Puma längst zu klein geworden; selbst Manchester City ziert künftig das Portfolio, 75 Millionen pro Spielzeit sollen sich die Herzogenauracher den Zehn-Jahres-Kontrakt kosten lassen. Die Partnerschaft mit der City Football Group sei "die größte, die wir jemals eingegangen sind", schwärmt Vorstandschef Björn Gulden, der in der Zweitliga-Saison 1984/85 einst ein ziemlich erfolgloser Stürmer beim 1. FC Nürnberg war. Den eigenen Ambitionen sind offenbar keine (wirtschaftlichen) Grenzen mehr gesetzt. Adidas lässt grüßen. Dennoch hat der Club noch Hoffnung, dass es eines Tages wieder klappen könnte mit der regionalen Weltmarke. Niels Rossow, der kaufmännische Vorstand, bekleidete von 2002 und 2018 diverse Führungspositionen bei Adidas, unter anderem in Russland, den USA und der Schweiz.

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Als mittlerweile Außenstehender sieht sich Rossow allerdings nicht mehr imstande, die jeweiligen Strategien zu bewerten. "Wir haben mit Adidas und Puma zwei fantastische Sportartikelhersteller in unmittelbarer Nachbarschaft", antwortete Rossow unlängst schriftlich auf eine entsprechende Anfrage der Nürnberger Nachrichten, "die Türen werden nie geschlossen sein." Um noch ein wenig zu schwärmen: "Es ist großartig, was beide Unternehmen in der Welt des Sports erreichen."

Mit Jay-Z und Basketball: Puma im digitalen Höhenflug

Auch im Fußball, nur da eben auf fast ausschließlich hohem Niveau. Für die 2. Liga ist sich Adidas eigentlich zu schade, aber immerhin noch für den HSV und den FC Ingolstadt zuständig. Überhaupt scheinen sie bei der Auswahl ihrer strategischen Partner doch nicht ganz so penibel zu agieren wie angedroht, wie der Abschluss mit dem 1. FC Union kürzlich belegte. Vertragsdauer: sechs Jahre. Als einen weltweit bewunderten Top-Verein würden sich die Berliner wohl selbst nicht bezeichnen.

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"Die Fokussierung auf Großstädte ist ein wesentlicher Teil unserer Strategie", sagte Adidas-Geschäftsführer Paul Boerboom hinterher. "Der 1. FC Union genießt in der nationalen und internationalen Fußballszene Kultstatus und hat Fans weit über seine Stadtgrenzen hinaus." Der Club eigentlich auch. Vielleicht wird es ja doch noch mal was, mit dem 1. FC Nürnberg und Adidas. Beim ASV Herzogenaurach wären sie schon mit deutlich weniger zufrieden. "In ganz geringem Maß" werde der B-Klassist auch 2019 von Adidas unterstützt, sagt Vorstand Elke Sowa. Vielleicht ist ja heuer, zum 100. Geburtstag, mal wieder etwas mehr drin.

Wolfgang Laaß

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