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Fränkische Unternehmer: Ohne Europa geht gar nichts!

Die regionale Wirtschaft macht sich für das europäische Projekt stark - 22.05.2019 15:53 Uhr

Die regionale Wirtschaft sorgt sich um die Zukunft der EU. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa


Günter Morsbach ist besorgt. "Europa wird bedroht durch Zerstörer von innen und außen", sagt der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Mittelfränkischer Unternehmerverbände (AMU). Rechtspopulisten vom Schlage eines Victor Orban oder eines Matteo Salvini streuten Misstrauen gegenüber den europäischen Institutionen. Währenddessen versuchten Russlands Präsident Putin und US-Präsident Trump, Europa von außen zu schwächen. Dabei sei Europa mehr als Einheitswährung und Reisefreiheit, ist Morsbach überzeugt: "Europa ist fast alles!"

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Vielleicht ist es diese Sorge um die Zukunft des Staatenbundes, die Morsbach und seine AMU dazu veranlasst hat, die Kundgebung "Wir für Europa" zu veranstalten. Knapp 20 Redner aus der mittelfränkischen Wirtschaft machten dabei deutlich, warum sie die EU unterstützen. Verstärkung aus der Politik kam von Günter Gloser (SPD), ehemaliger Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt. Er skizzierte in groben Zügen die Geschichte der EU von ihren Anfängen als Montanunion bis heute.

Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stehen auf dem Spiel

Gloser ist glühender Europäer, er mahnt jedoch, die EU müsse "aus dem Dauermodus der Krisenbewältigung" herausfinden. "Wir haben uns schon zu lange mit dem Gezeter um den Brexit aufgehalten", findet er. Trotz mancher politischer Krise und dem bisweilen zähen Apparat europäischer Institutionen, gibt es zu einem geeinten Europa keine sinnvolle Alternative – darin sind sich alle Redner einig. Gabriele Sehorz etwa, die Präsidentin des Bundes der Selbstständigen, betont, welche Bedeutung die Mitglieder ihres Verbands der Europawahl zumessen: "Zwei Drittel sagen, diese Wahl ist wichtig für uns."

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Für die Zukunft wünscht sie sich, dass die europäische Politik stärker kleine und mittlere Betriebe in den Blick nimmt. Bislang sei die EU zu sehr auf große Unternehmen ausgerichtet. Jürgen Brand von der BW-Bank wirbt indes für mehr Verständnis für die Situation anderer EU-Staaten. Man müsse die Vielfalt anerkennen und dürfe nicht alles durch die deutsche Brille sehen. Bei der Europawahl geht es für ihn darum, "Parteien zu wählen, die für ein demokratisches und rechtsstaatliches Europa stehen".

"Die EU ermöglichte meiner Mutter ihren letzten Wunsch"

Auffallend viele Redner verzichten jedoch darauf, in ihren Statements konkrete politische Forderungen zu erheben. Einige erzählen von ihrem Studium in verschiedenen Metropolen des Kontinents, andere haben im europäischen Ausland ihren Ehepartner kennengelernt. Durch diese persönlichen Anekdoten versuchen sie, die Bedeutung Europas zu verdeutlichen – jenseits der großen Politik. 

Das emotionalste Plädoyer für Europa kommt von Thomas Fink. Er ist Regionalvorsitzender des Verbands der Familienunternehmer. Fink berichtet von seiner Mutter, die vergangenes Jahr verstorben sei. "Ihr letzter Wunsch war es, im eigenen Bett zu sterben." Ohne die Personenfreizügigkeit wäre das nicht möglich gewesen. Zwei polnische Pflegerinnen kümmerten sich um die alte Dame, der ein Heimaufenthalt so erspart blieb. "Solche Dinge werden in der Diskussion oft vergessen", sagt Fink. "Aber das ist eben auch Europa." 

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