Grundig sagt endgültig ade

5.9.2016, 21:00 Uhr
Die Grundig Intermedia GmbH in Nürnberg (im Bild Geschäftsführer Sühel Semerci) ist bald Geschichte.

Die Grundig Intermedia GmbH in Nürnberg (im Bild Geschäftsführer Sühel Semerci) ist bald Geschichte. © Thomas Tjiang

Wie Geschäftsführer Sühel Semerci am Rande einer Pressekonferenz in Berlin erklärte, wird nach Ende der Elektronikmesse Ifa der bereits im Frühjahr angekündigte Umzug nach Neu-Isenburg bei Frankfurt beginnen. Schon Ende Oktober sollen alle 29 Mitarbeiter, die mit nach Hessen wechseln, ihren neuen Arbeitsplatz eingenommen haben. Ende des Jahres läuft der Mietvertrag für die Gebäude in Langwasser aus, dann wird auch der letzte der rund 40 in Nürnberg verbliebenen Beschäftigten seinen Arbeitsplatz verloren haben.

Der heutige Eigentümer, der türkische Konzern Arçelik, will die Nachfolgefirma des 1930 vom Wirtschaftswunder-Unternehmer Max Grundig gegründeten Radio- und TV-Geräteherstellers mit den Aktivitäten der Schwesterfirma Beko am neuen Standort bündeln. Geschäftsführer Semerci ist bereits seit Jahresbeginn für beide Marken verantwortlich.

Für die Region geht damit ein bedeutendes Kapital Industriegeschichte zu Ende. Bis zu 28 000 Menschen arbeiteten einst in Franken für das Unternehmen, das Max Grundig mit innovativen Ideen wie dem legendären Radiobausatz „Heinzelmann“ zu einem Weltkonzern aufgebaut hatte — Grundig war lange wie nur wenige andere Unternehmen exquisiter Markenbotschafter für die Region.

Doch so beeindruckend der Höhenflug war, so schmerzhaft war der Niedergang, begleitet von wechselnden Eigentümern, Sanierungsprogrammen und einem unaufhaltsamen Stellenabbau. Der Gründer hatte die Konkurrenz aus Asien unterschätzt. 2003 kam die Pleite und das Grundig-Imperium wurde aufgespalten.

Die Autoradiosparte ging an den US-Konzern Delphi, das Bayreuther Diktiergerätewerk machte sich als Grundig Business Systems GmbH selbstständig, ebenso die Grundig SAT Systems. Das Herzstück von Grundig, die Radio- und TV-Sparte, gehört seit 2004 dem türkischen Hausgeräte- und Unterhaltungselektronikkonzern Arçelik, der selbst Tochter der größten Unternehmensgruppe der Türkei, des Koç-Konzerns, ist.

Von Nürnberg wurden über die Grundig Intermedia GmbH hauptsächlich noch Marketing- und Vertrieb gesteuert. Heute tragen neben Fernsehgeräten auch Haarföhne, Staubsauger, Kühlschränke und Herde den Namen Grundig.

Auf der Ifa in Berlin erklärte Hakan Bulgurlu, Chef des Arçelik-Konzerns mit weltweit 20 verschiedenen Marken, 27 000 Mitarbeitern und zuletzt 4,7 Mrd. Euro Umsatz, dass Grundig gewichtiger Anteil der internationalen Expansionsstrategie sein soll. Arçelik will die Marke in Asien, Australien und auch im amerikanischen Markt etablieren, beziehungsweise ausbauen. Ziel sei, dass in fünf Jahren mit dem Namen Grundig ein Fünftel des dann auf zehn Mrd. Euro verdoppelten Konzernumsatzes erzielt wird — das wären zwei Mrd. Euro. Am Standort Nürnberg wird von diese Plänen niemand mehr etwas haben.