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Höhepunkt eines Abenteuers

Hauptschüler schnupperten ins Berufsleben und verblüfften Nürnbergs OB - 17.05.2011

Habib (rechts) und seine Klasse hatten viele Fragen zum Beruf des Nürnberger Oberbürgermeisters Ulrich Maly (Mitte). Über ihre eigene berufliche Zukunft haben sich die Hauptschüler ebenfalls Gedanken gemacht.

16.05.2011 © Stefan Hippel


„Was war denn Ihr Traumberuf als Kind?“, will Sechstklässler Habib wissen. „Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich nicht Bürgermeister werden wollte“, antwortet ihm Ulrich Maly, der sich kurz vor seinem Studienabschluss dann doch „eines Abends in einer Gaststätte in Johannis“ für

die Politik entschied und seit 2002 Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg ist.

Habib ist da in seinem jungen Alter schon weiter. Fachlagerist will der Hauptschüler einmal werden. Und auch viele seiner Mitschülerinnen und Mitschüler haben schon ziemlich genaue Vorstellungen davon, welche Berufe sie interessieren. Kfz-Mechaniker, Kindergärtnerin, Personenschützer, Stewardess, Speditionskauffrau — das Spektrum ist bunt.

„Heutzutage können Jugendliche auch gar nicht früh genug anfangen, sich aktiv einen Einblick in die Arbeitswelt zu verschaffen“, sagt Stephanie Krötzsch. Das gelte besonders für Hauptschüler, denn die hätten beim Eintritt ins Berufsleben immer noch mit ihrem schlechten Ruf zu kämpfen — als Auffangbecken für die, die es weder aufs Gymnasium, noch auf die Realschule geschafft haben.

Stephanie Krötzsch betreut das 2009 von der Bürgerstiftung Nürnberg, dem staatlichen Schulamt, der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer für Mittelfranken ins Leben gerufene Projekt „Das Abenteuer der Berufe“. Habib und seine Mitschüler von der Friedrich-Wilhelm-Herschel-Schule in der Nürnberger Südstadt nehmen daran als eine von zwei Pilotgruppen teil.

15 Betriebsbesichtigungen

Im Rahmen des dafür neu eingeführten Unterrichtsfachs „Arbeit-Wirtschaft-Technik“ begann das Projekt für die Schüler im vergangenen Schuljahr damit, sich mit verschiedenen theoretischen Methoden für die Zukunftsplanung auseinanderzusetzen. Außerdem stehen die Verbesserung der sprachlichen Kompetenz und der Umgang mit digitalen Medien auf dem Programm. Wenig später ging es schon in die Praxis.

Bei insgesamt fünfzehn Firmen oder Einrichtungen, von der Bäckerei über den Kindergarten bis hin zum großen Speditionsunternehmen, erhielten Habib und seine Klasse in den vergangenen zwei Jahren einen Blick hinter die Kulissen der verschiedensten Branchen und lernten noch mehr Berufsfelder kennen. Ihre Eindrücke diskutierten die Schüler nachher im Unterricht und dokumentierten alle Erkenntnisse auf einer Internetseite. Nun wurden sie zum krönenden Abschluss mit einem Besuch bei Projekt-Schirmherr und Oberbürgermeister Maly belohnt, der die Jugendlichen zu einer Fragerunde in sein Amtszimmer einlud. Von den fortgeschrittenen Berufsplänen der Gruppe zeigte sich der studierte Volkswirt beeindruckt. Fast alle haben ihren Traumberuf schon gefunden.

Ob sie für den nach ihrem Abschluss dann auch eine Ausbildungsstelle bekommen, so viel ist allen ebenfalls klar, hängt auch von den schulischen Leistungen ab. Damit die Lernmotivation bis dahin konstant hoch bleibt, werden die Jugendlichen weiterhin von Stephanie Krötzsch und der Bürgerstiftung begleitet. Wie schon während des gesamten Projektes dienen Info-Abende für die Eltern dazu, ihre Sprösslinge im Hinblick auf die erste Berufsorientierung sinnvoll zu unterstützen.

 

VON KEVIN GUDD

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