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In Corona-Zeiten: Oxfam zählt immer mehr Milliardäre in Deutschland

Diese Folgen hat die Pandemie für die Vermögen von Bill Gates, Elon Musk & Co. - 25.01.2021 14:56 Uhr

Das Vermögen der zehn reichsten Menschen der Welt, darunter Bill Gates, ist laut Oxfam zuletzt weiter gesteigen. Ungeachtet der Folgen der Corona-Pandemie.

27.04.2020 © Gian Ehrenzeller, dpa


Die Folgen der Corona-Pandemie haben dramatische Auswirkungen für den Wohlstand und die Armut weltweit, aber auch zwischen Weißen, Schwarzen und anderen „People of Colour“ und zwischen den Geschlechtern. „Während die 1000 reichsten Menschen ihre Verluste in der Corona-Krise in nur neun Monaten wettmachten, könnte es ein Jahrzehnt dauern, bis sich die Ärmsten von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholt haben“, sagt Tobias Hauschild, Leiter Soziale Gerechtigkeit der Entwicklungsorganisation Oxfam.

Historische Verschärfung der Kluft zwischen Reich und Arm

Erstmals seit 100 Jahren drohe eine Verschärfung der Kluft zwischen Reich und Arm in fast allen Ländern gleichzeitig, steht im Oxfam-Bericht „The Inequality Virus“ (Der Ungleichheits-Virus). In Deutschland sei die Zahl der Milliardäre trotz Corona von 114 im Februar 2019 auf 116 Ende 2020 gestiegen, heißt es. Sie verfügten insgesamt über ein Vermögen von fast 607 Milliarden Dollar. Allein bei den zehn reichsten Deutschen seien es 242 Milliarden Dollar, ein Plus von 35 Prozent.

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An der Spitze stehen laut Oxfam der Unternehmer Dieter Schwarz (Lidl und Kaufland). Er verbuche mit einem Plus von mehr als 14 Milliarden auf 36,8 Milliarden Dollar den höchsten Zugewinn. Dahinter rangiere Schrauben- und Teile-Fabrikant Reinhold Würth, dessen Vermögen von 11,2 auf 20,6 Milliarden Dollar stieg. In Teilen seiner Firmen gelte gleichzeitig Kurzarbeit.

Es folgen Susanne und Stefan Quandt, die größten Anteilseigener von BMW. Ihre Vermögen hätten von 21 auf 26,4 Milliarden und von 17,5 auf 20,3 Milliarden Euro zugelegt.

Oxfam befragte knapp 300 Ökonomen

Für den Bericht hat Oxfam knapp 300 Ökonomen aus 79 Ländern befragt. Sie erwarten als Folge der Pandemie in ihren Ländern eine zunehmende bis stark steigende Ungleichheit und bestätigen damit Befürchtungen der Weltbank.


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Demnach wird es selbst 2030 weltweit noch mehr Arme geben als vor der Pandemie. Dagegen ist die Corona-Krise für die Wohlhabenden der Welt mit Blick auf ihr Vermögen schon überwunden. Die 1000 Reichsten haben ihre Verluste laut Oxfam bereits fast wieder ausgeglichen.

Gates, Zuckerberg und Musk unbeeindruckt

Das Vermögen der weltweit zehn reichsten Menschen, darunter Amazon-Chef Jeff Bezos, Tesla-Chef Elon Musk, Bill Gates, Mark Zuckerberg, Larry Ellison von Software Unternehmen Oracle, Warren Buffet und der Inder Mukesh Ambani, ist laut Oxfam-Analyse von Februar 2019 bis Ende 2020 um fast eine halbe Billion auf 1,12 Billionen Dollar gestiegen.

„Der Gewinn der zehn reichsten Menschen wäre mehr als ausreichend, um die gesamte Weltbevölkerung gegen Covid-19 zu impfen und sicherzustellen, dass niemand durch die Pandemie verarmt“, sagt Hauschild. Von der Krise seien Frauen am stärksten betroffen, heißt es in der Studie weiter, denn in Bereichen, die besonders unter den Corona-Folgen leiden wie in der Gastronomie oder Hotels, arbeiteten mehrheitlich Frauen. Sie stellen weltweit auch 70 Prozent der Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen – und damit zwar gerade in der Pandemie wichtige, aber oft schlecht bezahlte Jobs.


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Die zunehmende Ungleichheit hat nach Angaben von Oxfam tödliche Folgen. In Brasilien etwa sei das Risiko an Corona zu sterben für „People of Colour“ um 40 Prozent höher als für Weiße. Untersuchungen zeigten ferner, dass die Todesrate von an Covid-19 erkrankten Menschen aus einkommensschwachen Regionen in Großbritannien doppelt so hoch ist wie derjenigen aus wohlhabenderen Gegenden. Ähnliches gelte für Frankreich, Spanien und Indien.

Oxfam fordert "Demokratisierung" der Wirtschaft

„Konzerne und Superreiche müssen jetzt ihren fairen Beitrag leisten, um die Krise zu bewältigen“, sagt Hauschild. Die dramatische Entwicklung sei auch Folge von kurzfristigem Gewinnstreben, das Vorrang vor dem Gemeinwohl habe. „Diese zerstörerische Logik müssen wir umdrehen. Sie führt dazu, dass einige Wenige die Pandemie im Luxus überstehen, während über die Hälfte der Menschheit darum kämpft, ihre Rechnungen zu bezahlen und Essen auf den Tisch zu bringen“.

Oxfam fordert angesichts dessen eine „Demokratisierung“ der Wirtschaft. Kurzfristig müssten Unternehmen und Superreiche über höhere Steuern an den Kosten der Pandemie beteiligt werden. „Geld dafür ist genug da“, sagt Hauschild.

Rolf Obertreis Nürnberger Nachrichten

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