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Kommentar zu Thomas Cook: Staatsgabe verdient keinen Dank

Es ist die Schuld der Regierung, dass Hunderttausende um ihr Geld fürchteten - 11.12.2019 19:45 Uhr

Nach der Pleite von Thomas Cook will die Bundesregierung geschädigten Reisenden finanziell helfen. © Tim Goode/PA (dpa)


Die Kunden des Reiseunternehmens Thomas Cook werden entschädigt. Zu knapp einem Drittel von der Versicherung Zurich, zum Rest vom Staat. Ein Grund danke zu sagen ist das nicht. Um rund 180 Millionen Euro wird der Fiskus die viel zu geringe Deckungssumme des Versicherers aufstocken. Das ist kein Akt vorweihnachtlicher Zwischenmenschlichkeit, sondern einer der Gesichtswahrung. Denn es ist einzig die Schuld der Regierung, dass Hunderttausende Deutsche, die zum Zeitpunkt der Pleite im September entweder bereits unterwegs waren oder ihre Reise gebucht und angezahlt hatten, bis zum heutigen Tag um ihr Geld fürchten mussten.

Seit der Ära Kohl hat der Staat die Summe von 110 Millionen Euro, mit der Reiseveranstalter ihre Haftung beschränken dürfen, nicht angepasst. Dem Wachstum der einzelnen Branchenriesen und vor allem einer eindeutigen Auflage der Europäischen Union zum Trotz. Die sogenannte EU-Pauschalreiserichtlinie verpflichtet den Staat, für wirksamen Schutz zur Abdeckung vorhersehbarer Insolvenzkosten zu sorgen. In Kraft ist sie seit 2016 - Deutschland hat sie als einziges Land nicht umgesetzt.
Die Insolvenz des zweitgrößten Reiseveranstalters Europas und ihre Folgen waren eine Kollision mit Ansage. Eine, die der Steuerzahler nun teuer bezahlen muss.

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