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Kompakt und handlich: Das steckt hinter Actionkameras

Vor allem im Sport kommen die kleinen Alleskönner häufig zum Einsatz - 14.07.2019 15:13 Uhr

Praktisch für Wassersportler: Die meisten Actioncams sind wasserdicht oder es ist zumindest ein wasserfestes Gehäuse als Zubehör verfügbar. © Nullplus/Westend61/dpa


Ein spektakulärer Sprung mit dem Mountainbike oder die perfekte Welle auf dem Surfbrett, festgehalten aus der Sicht des Fahrers und des Surfers: Mit einem Smartphone oder einer gewöhnlichen Kamera lassen sich solche Szenen aus diesen Perspektiven nicht dokumentieren.

Hier sind Actioncams gefragt, der Platzhirsch ist die Marke GoPro, andere Hersteller wie DJI, Rollei, Geekam oder Panox haben zum Teil viel günstigere Geräte im Angebot. Allen gemein: Sie sind klein, robust, wasserfest und bieten zahllose Befestigungsmöglichkeiten.

"Der Sport ist der klassische Anwendungsbereich", sagt Joachim Sauer, Herausgeber der Zeitschrift Videoaktiv. Actioncams sind also vor allem dort sinnvoll, wo es rauer zugeht, der Platz begrenzt ist und man keine Hand zum Filmen frei hat.

Für den normalen Wanderurlaub sind Actioncams daher nur bedingt zu empfehlen. Denn die Kameras haben nur eine Brennweite und filmen sehr weitwinklig. Das bedeutet: kein Zoom und teils etwas verzerrte Aufnahmen an den Rändern. Gerade wenn man Menschen filmen möchte, kann das stören. Hier ist manchmal ein klassischer Camcorder besser, wie es ihn auch schon ab gut 100 Euro gibt. "Der hat in der Regel einen Zoom, einen Sucher und ein Display", sagt Sauer.

Das Smartphone geht auch

Inzwischen sind aber auch Oberklasse-Smartphones auf dem Markt, die mit drei Linsen von Weitwinkel bis Zoom die wichtigsten Brennweiten abdecken – wenn auch nur jeweils als Festbrennweite. Ihre Bildqualität bei Foto und Film erreicht locker die eines teureren Camcorders. Einige dieser Smartphones wie von Samsung oder LG sind sogar wasserdicht, man erkennt sie an der Kennzeichnung IP 68 – IP 67 genügt nicht. Andere Smartphones sind nicht geschützt, trotzdem kann man auch sie in einer wasser- und staubdichten Handytasche, die es schon ab fünf Euro inklusive Trageschlaufe gibt, auch bei Action als Kamera einsetzen.

Soll das Smartphone als Actionkamera-Ersatz auf Helm, Fahrzeug oder an einem Stick befestigt werden, finden sich im Handel unzählige stabile Smartphone-Halterungen oder robuste Outdoor- oder Actioncam-Hüllen mit intelligenten Befestigungslösungen. Nachteil: Ein Smartphone ist sperriger, es steht im Vergleich zu den kleinen Würfeln der Actioncams schnell wie ein Segel im Wind.

Ein Display ist inzwischen auch bei Actionkameras Standard. Es zeigt relevante Statusinformationen und ermöglicht die Bildkontrolle – manche haben sogar ein Frontdisplay für Selfies. Die wohl wichtigste Funktion bei Actioncams ist aber ein guter Verwacklungsschutz. Ohne ihn werden die meisten Sport- oder Actionaufnahmen unbrauchbar. Außerdem sollte eine gute Actioncam schnell starten und einen starken Akku bieten.

Die Bitrate ist entscheidend

Zwar filmen neuere Modelle inzwischen fast alle in 4K-Auflösung, entscheidend ist hier aber auch die Bitrate, mit der aufgezeichnet wird: "Für eine kristallklare Qualität sind mindestens 100 MBit pro Sekunde (MBit/s) notwendig. Schon bei 50 MBit/s pro Sekunde wirkt das Material etwas matschig", sagt Kamal Vaid vom Portal TechStage.

Weitere nützliche Funktionen sind Sprachsteuerung und eine Zeitlupen-Funktion. Eine App, um die Kamera zu starten und Aufnahmen auf dem Smartphone zu überprüfen, bieten inzwischen viele Hersteller – ebenso wie Bluetooth und WLAN.

Praktisch ist der Linear Mode: Er verhindert, dass Bilder verzerren, allerdings um den Preis eines verkleinerten Bildausschnitts. Im Zweifel muss man also näher an das Motiv heran. Wichtig: "In der Dunkelheit funktioniert die Bildstabilisierung nicht und macht das Bild sogar kaputt. In solchen Situationen sollte man die Stabilisierung ausschalten", rät Vaid.

Ein weiteres Problem tritt bei Gegenlicht auf. "Der Vordergrund wird dann oft sehr dunkel", warnt Joachim Sauer. Darüber hinaus sollte man auf verschiedene Perspektiven achten, also die Kamera an verschiedenen Stellen anbringen oder auch mal aus der Hand filmen – immer der gleiche Winkel wird schnell langweilig.

Viel Filmmaterial, viel Nacharbeit

Zu viel Filmen kann ebenfalls zum Problem werden. Denn das Rohmaterial nach den besten Szenen zu durchsuchen und zusammenzuschneiden, ist sehr aufwendig – eine Stunde Video beansprucht etwa 60 Stunden Nacharbeit.

Eine gute Actioncam kostet derzeit zwischen 150 und 250 Euro, Spitzenmodelle mit bester Ausstattung etwa 400 Euro. Einsteigermodelle sollten mindestens 80 Euro kosten, darunter gibt es viel Schrott.

Der Vorteil preiswerter Actioncams: Gerade sie kommen überraschenderweise oft mit einer Menge Zubehör im Paket, Anbieter teurer Exemplare geizen damit. Denn für die Nutzung braucht es in der Regel mehr als nur die Kamera selbst. "Ein Schutzgehäuse, eine Halterung und ein Schnittprogramm braucht man eigentlich immer", sagt Joachim Sauer – Anschaffungen und Kosten, die man auf jeden Fall einplanen sollte, wenn sie nicht zum Lieferumfang gehören.

Fazit: Bei echter Action sind Actioncams immer am besten – wer will schon sehenden Auges Smartphone, Kamera oder Camcorder zerstören? 

Julian Hilgers und Matthias Niese

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