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Kritik an unklaren Regeln

Fränkische Firmen fordern eine bessere Integrationspolitik - 08.03.2017 19:20 Uhr

Dass es funktionieren kann, zeigt das Beispiel von Shadi Razzouk. Der 25-jährige Syrer ist seit gut drei Wochen bei der Sofistik AG angestellt, die ihren Sitz in Nürnberg und Oberschleißheim hat. Er absolvierte sein Bachelorstudium im Bauingenieurwesen in Damaskus und floh vor 14 Monaten nach Deutschland. Durch Integrations- und Sprachkurse spricht er mittlerweile gut Deutsch. Sein größtes Ziel: in Deutschland zu bleiben. Nach etlichen Absagen bekam er ein Vorstellungsgespräch bei Thomas Fink, dem Vorstandschef der Sofistik AG und zweitem Vorsitzenden des Wirtschaftsverbandes "Die Familienunternehmer".

Der Verband ist Mitglied des noch jungen Arbeitskreises Mittelfränkischer Unternehmen, der sich als erstes Thema die Folgen der Zuwanderung für Betriebe auf die Fahne geschrieben und dazu eine Mitgliederbefragung durchgeführt hat. Das Ergebnis war vor allem für die Politik ernüchternd: Zwei Drittel der Teilnehmer haben kein Vertrauen in die Integrationspolitik der Regierung.

Kristine Lütke von den Wirtschaftsjunioren Nürnberg vertritt dazu eine klare Meinung: "Für Unternehmer ist es noch sehr unklar, auf was man achten muss. Es fehlen Regeln, was wie und wann getan werden muss. So könnte man eine schnellere Integration erreichen. Da ist die Bundesregierung in der Pflicht, das Regelwerk deutlicher zu gestalten." Thomas Fink hat es dennoch versucht: "Als ich die Bewerbung von Herrn Razzouk auf dem Tisch hatte, spielte sicher eine Portion Neugier mit.

Hinzu kam, dass wir einen großen Bedarf an qualifizierten Bauingenieuren haben, der vom Heimatmarkt nicht gedeckt werden kann", erklärt er. Für Razzouk ging ein Traum in Erfüllung: "Ich war so glücklich über diese Chance. Es bedeutet mir wirklich viel, dass hier jemand an mich glaubt. Das gibt mir Selbstbewusstsein."

Ziele gemeinsam erreichen

Razzouk hatte zum Zeitpunkt der Bewerbung bereits einen anerkannten Status und alle relevanten Papiere. Bei der Sofistik AG erhält er zwei Drittel von dem Gehalt, was ein in Deutschland ausgebildeter Ingenieur verdient. Sobald er auf einem Niveau mit den anderen Mitarbeitern ist, bekommt er aber auch dasselbe Gehalt. "Ich habe gemerkt, dass Herr Razzouk brennt. Und Leute, die für etwas brennen, haben immer Chancen", erklärt Fink.

Im Arbeitskreis sind zusätzlich noch Verbände der Wirtschaftsjunioren, der Selbstständigen, der Frauen als Unternehmerinnen und der jungen Unternehmer vereint. Sie wollen gemeinsam wirtschaftspolitische Ziele erreichen.

Bei ihrer aktuellen Umfrage wurde auch der Optimismus der Arbeitgeber deutlich. 65 Prozent der Betriebe sprachen sich dafür aus, unter bestimmten Bedingungen Flüchtlinge einzustellen. Dafür sollten Letztere Deutsch sprechen und die politischen Rahmenbedingungen müssten stimmen. Der AMU legte mit dieser Befragung einen Grundstein für die weitere Zusammenarbeit. "Wir bleiben an dem Thema dran", so Günter Morsbach, Koordinator des Arbeitskreises. 

SELINA BETTENDORF

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