Sorge wegen Energiekosten und Rohstoffknappheit

Mittelfränkische Wirtschaft hat sich erholt - jetzt drohen neue Gefahren

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 14.09.16..FOTO: Michael Matejka ..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Verena Litz..ANZAHL: 1 von 1..
Verena Litz

Leiterin Redaktion Politik und Wirtschaft

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21.10.2021, 05:55 Uhr
Kräne über Nürnberg: Nicht nur die Baubranche boomt. Doch das Material wird knapp - und das Personal auch.

Kräne über Nürnberg: Nicht nur die Baubranche boomt. Doch das Material wird knapp - und das Personal auch. © Stefan Hippel

NÜRNBERG – Es soll ja Menschen geben, die im Frühjahr schon die Geschenke für Weihnachten im Sack haben – frei nach dem Motto „Nach dem Fest ist vor dem Fest“. Cornelia gehört „ganz sicher“ nicht zu dieser Fraktion, wie die Mutter zweier kleiner Jungs fröhlich versichert: „Ich habe noch gar nichts.“ Dass die Lieferengpässe, vor denen Händler und Hersteller bereits warnen, ihre Geschenkeplanung durchkreuzen könnte, treibt sie nicht um: „Wenn es das eine nicht gibt, dann wird es halt etwas anderes.“

So tiefenentspannt wie Cornelia sehen viele Unternehmen und Branchenorganisationen die Rohstoffknappheit und die Lieferkettenprobleme nicht. Ganz im Gegenteil: Die ungute Gemengelage hat das Zeug dazu, den Aufschwung massiv auszubremsen. Diese Gefahr sieht auch Armin Zitzmann. Zwar konnte sich die mittelfränkische Wirtschaft während des Sommers gut erholen, wie der Präsident der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken mit Blick auf die jüngste Konjunkturumfrage seines Hauses erklärt.

Demnach sind Umsätze in dieser Zeit deutlich gestiegen – nicht zuletzt dank der Verbraucher, der private Konsum legte spürbar zu. Kehrseite der kräftig anziehenden Nachfrage seien aber Sorgen um ausreichend Fachkräfte „und nun auch um Preiserhöhungen, Lieferschwierigkeiten und Produktionsausfälle“.

Flaschenhals für das Wachstum

Solche Engpässe können dazu führen, dass Betriebe weniger exportieren, weniger investieren und die Beschäftigtenzahlen lieber stabil halten als ausbauen, warnt die Kammer: „Diese Hürden entwickeln sich bereits seit dem Spätsommer zum Flaschenhals für das Wachstum in Industrie und Bau.“ Kurz: Der Motor droht bereits wieder ins Stocken zu geraten. Gerade auch die steigenden Energiekosten dürften vielerorts wie Sand im Getriebe wirken.

Auf dem Wunschzettel der mittelfränkischen Wirtschaft, was die künftige Regierungskoalition zügig liefern sollte, stehen laut der IHK-Umfrage zwei Themen ganz oben: das Vorantreiben der Digitalisierung sowie eine investitionssichere und wettbewerbsneutrale Klimapolitik. „Ruhe an der Preisfront: das hat aktuell höchste Priorität für die Kostenplanung unserer Unternehmen“, betont IHK-Chefvolkswirt Udo Raab und ergänzt: „Mit Blick auf die Investitionsplanung sind international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen entscheidend, gerade auch bei der Klimapolitik.“ Treibt ihn die Inflationsentwicklung um? „Bei Rohstoffen und Erzeugerpreisen machen mir die Preissteigerungen schon Sorgen, die Inflationsrate selbst noch nicht.“

IHK-Präsident Zitzmann bringt die „Preisfrage“ für die mittelfränkische Wirtschaft, die stark exportorientiert ist, so auf den Punkt: „Nur wenn wir die Kosten für unsere Vorleistungen in den Griff bekommen und keine neuen Belastungen für Unternehmen erzeugen, kann unser Wirtschaftsstandort auch mittel- und langfristig erfolgreich im internationalen Wettbewerb bestehen.“

Durchaus Erfreuliches zeigt das „Frankenbarometer“. Laut dem regionalen Konjunkturbarometer, das unsere Zeitung in Kooperation mit der Wirtschaftsauskunftei Creditreform viermal im Jahr erstellt, ist die Zahl der Insolvenzen im dritten Quartal 2021 erneut gesunken, wenn auch nur leicht: Insgesamt 113 Firmen mussten den Gang zum Amtsgericht antreten – im Vorquartal waren es 119. Der Bonitätsindex hat sich ebenfalls weiter positiv entwickelt, er liegt nun bei 289,2 Zählern. Der Index ist nach dem Schulnotenprinzip aufgebaut: je kleiner die Zahl, desto solider die Betriebe.

Zahl der offenen Stellen ist stark gestiegen

Weiter verbessert hat sich auch die Lage am Arbeitsmarkt - zumindest aus Sicht derer, die eine Stelle suchen: Die Zahl der offenen Stellen in Mittelfranken ist kräftig gestiegen, 19.357 waren im September bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet.

Bei den Firmengründungen gab es dagegen einen Rückgang: Die Zahl der Handelsregister-Neueintragungen sank im dritten Quartal auf 672.

„Die Wirtschaft im Raum Nürnberg zeigt sich weiterhin in stabiler Verfassung“, bilanziert Michael Aumüller, persönlich haftender Gesellschafter von Creditreform Nürnberg. Weitere Schlüsse wollte er nicht ziehen.