FAU-Professorin wird gehandelt

Personalkarussell: Wird Nürnberger Professorin Bundesbank-Chefin?

26.11.2021, 16:16 Uhr
Wird als Weidmann-Nachfolgerin gehandelt: Veronika Grimm, derzeit im Rat der Wirtschaftsweisen. 

Wird als Weidmann-Nachfolgerin gehandelt: Veronika Grimm, derzeit im Rat der Wirtschaftsweisen.  © Jürgen Heinrich via www.imago-images.de, imago images/Jürgen Heinrich

Das Bedauern ist groß, zum Teil auch das Unverständnis. Wenn deutsche Notenbanker vorzeitig den Hut nehmen, sei das kein gutes Zeichen, sagt ein Frankfurter Großbanker. Am 20. Oktober hat Bundesbank-Präsident Jens Weidmann angekündigt, zum Jahresende sein Amt vorzeitig aus persönlichen Gründen niederzulegen. Noch ist unklar, wer ihm folgen soll. Was logisch ist: Schließlich ist die neue Bundesregierung noch nicht im Amt. Die muss einen Kandidaten vorschlagen, über den der Vorstand der Bundesbank befindet und den der Bundespräsident ernennt.

Die Reihe der deutschen Notenbanker, die vorzeitig gegangen sind, ist lang: Jürgen Stark, Ex-Chef-Ökonom der Europäischen Zentralbank (EZB), Sabine Lautenschläger, Direktoriumsmitglied der EZB, Axel Weber, Vorgänger von Weidmann bei der Bundesbank, Ex-Bundesbank-Präsident Karl Otto Pöhl, der im Streit über die deutsch-deutsche Währungsunion seinen Hut nahm. Und jetzt Weidmann, der, vermuten viele, aus Verärgerung über die in seinen Augen zu lockere Geldpolitik der EZB geht.

Wer soll ihm folgen? Soll es jemand sein, der ähnlich wie Weidmann für eine striktere Geldpolitik eintritt? Als „Falken“ werden solche Notenbanker bezeichnet. Oder jemand, der den lockeren Kurs der EZB unterstützt, also eine „Taube“? Oder jemand, der dazwischen steht?
Die FDP setzt auf eine Person in der Tradition Weidmanns, die Grünen wohl eher auf jemanden, der zwischen beiden Polen steht.

Eine Frau an der Spitze ist am wahrscheinlichsten

Viele erhoffen sich endlich einmal eine Frau an der Spitze der Bundesbank. Da fällt der Name der Vize-Präsidentin Claudia Buch. Die 55-jährige Ökonomin sitzt seit 2014 im Vorstand und kümmert sich vor allem um Fragen der Finanzstabilität. Höher gehandelt wird Isabel Schnabel. Die 50-jährige Ökonomin, ehemalige Wirtschaftsweise, gehört seit Anfang 2020 dem Direktorium der EZB an. Sie verteidigt deren Kurs, wird aber auch als offen für Argumente der Falken eingeschätzt. Gehandelt wird zudem Sabine Mauderer, die seit 2018 dem Vorstand der Bundesbank angehört – die 51-Jährige kümmert sich intensiv um grüne Finanzen, weshalb sie angeblich für die Grünen interessant sein könnte.

Vierte Frau, über die gesprochen wird, ist Veronika Grimm. Die 50-Jährige Wirtschaftsprofessorin der Universität Nürnberg-Erlangen (FAU) zählt zu den Wirtschaftsweisen. Seit 2008 leitet sie den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre an der WiSo in Nürnberg. Ursprünglich stammt Grimm aus Schleswig-Holstein, in Hamburg und Kiel studierte sie Soziologie und Volkswirtschaftslehre.

Sollte es doch ein Mann werden, könnte man sich in Frankfurter Finanzkreisen Joachim Nagel gut als Nachfolger Weidmanns vorstellen. Er saß bereits sechs Jahre im Vorstand der Bundesbank. SPD-Mitglied Nagel gilt als versierter Notenbanker, der eher auf der Linie von Weidmann liegt.

Nach Ansicht von Beobachtern wird die Besetzung der Bundesbankspitze Teil eines Personalpakets sein. Denn unbesetzt ist derzeit auch die Spitze des Sachverständigenrates.

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