Datev, N-Ergie, Vitesco, Schaeffler

Plötzlich waren alle Mitarbeiter-Ausweise gesperrt: So setzen Frankens Firmen 3G durch

WoMa..Foto: Guenter Distler Motiv: Autoren Jahresrückblick
Manuel Kugler

Redaktion Politik und Wirtschaft

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21.11.2021, 05:55 Uhr
Zutritt nur mit 3G-Nachweis: Wie sich das umsetzen lässt, stellt Chefinnen und Chefs vor Probleme. 

Zutritt nur mit 3G-Nachweis: Wie sich das umsetzen lässt, stellt Chefinnen und Chefs vor Probleme.  © imago images/Bihlmayerfotografie, NN

Eigentlich kann das kein gutes Zeichen sein. Wer morgens ins Büro will, vor dem Eingang aber feststellen muss, dass sein Mitarbeiter-Ausweis gesperrt ist, kann entweder von einem technischen Problem ausgehen - oder seine Zukunft bei dem Unternehmen ist akut gefährdet. Bei der Nürnberger Datev war vergangene Woche weder das eine noch das andere der Fall. Gesperrt waren die Ausweise trotzdem - und das für ausnahmslos alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Datev sperrte alle Mitarbeiter-Ausweise

"Der Zutritt zu den Datev-Gebäuden ist nur über eine Sicherheitsschleuse mithilfe des Mitarbeitenden-Ausweises möglich", erläutert Unternehmenssprecher Till Stüve und klärt auf: "Um den 3G-Nachweis prüfen zu können, wurden alle Ausweise gesperrt." Die Beschäftigten mussten sich zunächst beim Betriebsschutz melden und belegen, dass sie entweder geimpft, genesen oder getestet sind. "Je nach Status wird der Ausweis dann für einen unterschiedlich langen Zeitraum freigegeben, bis ein erneuter Nachweis vorgezeigt werden muss."

Derzeit ist nur ein Bruchteil der Datev-Beschäftigten in den Büros vor Ort. Von den bundesweit 8200 Mitarbeitern arbeiten nach Unternehmensangaben zwischen 7000 und 7500 täglich zu Hause. Ungeachtet des ohnehin hohen Anteils soll bald wieder ein "Homeoffice-Gebot" gelten. "Das bedeutet: Wer die Möglichkeit hat, von zu Hause aus zu arbeiten, ist nicht nur aufgerufen, sondern verpflichtet, dies auch zu tun", sagt Stüve.

Trotz der Herausforderungen, die 3G für die Betriebe mit sich bringt, steht die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) hinter den Vorgaben. "3G am Arbeitsplatz ist bei roter Krankenhaus-Ampel sinnvoll", sagt Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. In Bayern gilt die Regel bereits seit eineinhalb Wochen, ab kommendem Mittwoch, 24. November, folgt der Rest Deutschlands.

Bei Vitesco und der N-Ergie sind die direkten Vorgesetzten gefragt

Die meisten Unternehmen delegieren die Prüfung des 3G-Nachweises an die jeweiligen Führungskräfte. So zum Beispiel der Automobilzulieferer Vitesco Technologies mit seinen 2600 Beschäftigten in Nürnberg. Zwei Selbsttests pro Woche stellt die Firma ihren Mitarbeitern kostenfrei zur Verfügung, erläutert Sprecherin Emerenz Magerl-Ziegler. Zwei Testnachweise müssen auch Ungeimpfte Woche für Woche vorlegen. Das Unternehmen hat eine "Empfehlung" herausgegeben, zu Hause zu arbeiten - wobei das nicht für jeden Beschäftigten, vor allem nicht in der Produktion, möglich ist. Am Nürnberger Vitesco-Standort arbeitet derzeit dennoch mehr als jeder zweite von zu Hause aus.

Auch bei der N-Ergie sind die direkten Vorgesetzten gefragt, die 3G-Nachweise einzufordern. "Da die N-Ergie neben den Nürnberger Standorten auch aus weiteren regionalen Standorten und mobilen Einsatzteams sowie Teams in Rufbereitschaft besteht, ist die Umsetzung über die Vorgesetzten der einzig mögliche Kontrollprozess", erläutert Sprecherin Stefanie Dürrbeck. Daheim arbeiten darf nach Rücksprache mit der Führungskraft jeder, dessen Aufgabe es zulässt.

Ganz ohne Präsenz geht es bei Schaeffler nicht

Bei Schaeffler in Herzogenaurach müssen Ungeimpfte gleich am Werkstor einen Tests vorlegen; Geimpfte und Genese können ihren Status bei der Führungskraft oder beim Werkschutz überprüfen lassen. "Danach werden sie für den Zugang zum jeweiligen Standort freigeschaltet", teilt Sprecherin Bettina Lichtenberg mit.

Im Idealfall können die Beschäftigten von zu Hause arbeiten. "Unser Ansatz ist, dass Mitarbeitende während der Pandemie im Homeoffice arbeiten sollen, wo immer dies möglich ist." Ganz ohne Präsenz gehe es aber nicht: So müssten Mitarbeiter immer wieder mal an den Standort, zum Beispiel, um Brief-Post zu bearbeiten oder spezielle technische Einrichtungen zu nutzen. Die Erfahrungen, die Schaeffler in eineinhalb Wochen 3G in Bayern gesammelt hat, will das Herzogenauracher Unternehmen nun mit den Standorten in den anderen Bundesländern teilen.