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Regionaldirektion: Arbeitslosigkeit in Bayern wird 2020 steigen

Laut Prognose soll die Arbeitslosenquote um 0,5 Prozent im Schnitt steigen - 22.01.2020 16:38 Uhr

ARCHIV - 27.08.2014, Sachsen, Leipzig: Ein Schild mit der Aufschrift «Bundesagentur für Arbeit» steht einem vollen Wartezimmer im Jobcenter. (zu dpa «Zu wenig zum Leben? - Verfassungsgericht prüft Hartz-IV-Kürzungen» vom 12.01.2019) Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit © picture alliance/dpa


Die Arbeitslosigkeit in Bayern wird im laufenden Jahr 2020 leicht steigen. Die Regionaldirektion Bayern der Arbeitsagentur gehe von einem Plus von durchschnittlich 4000 Personen und einer Arbeitslosenquote in Höhe von 3,2 Prozent im Jahresdurchschnitt aus, sagte der Leiter der Regionaldirektion, Ralf Holtzwart, am Mittwoch in Nürnberg. Im vergangenen Jahr lag die Quote bei 2,8 Prozent im Jahresschnitt. "Die Vorzeichen des ständigen Rückgangs bis 2018 haben sich in diesem Jahr umgedreht", sagte Holtzwart. Gleichzeitig steige aber auch die Zahl der Beschäftigten um weitere 45 000 – dank der großen Nachfrage etwa in Serviceberufen wie Alten- und Krankenpfleger.

Ein Problem sei, dass 40 Prozent der Arbeitslosen in Bayern nur für Helferjobs qualifiziert seien. Gefragt seien jedoch Fachkräfte, die dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stünden und vor allem aus dem Ausland rekrutiert werden müssten. Bei Fachkräften dauere es in Bayern derzeit 130 Tage, bis eine freie Stelle besetzt werden könne. Hier sei Bayern schon vor Inkrafttreten des Fachkräftezuwanderungsgesetzes Anfang März sehr weit. "Die Strahlkraft von Bayern ins Ausland ist da", sagte er.


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Holtzwart glaubt jedoch wegen der hohen Hürde der dualen Ausbildung in Deutschland nicht so sehr an die Zuwanderung fertiger ausländischer Experten. "Ich erwarte mir mehr von der Zuwanderung junger Menschen in die duale Ausbildung hinein." Er kritisierte zu hohe Hürden bei der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen in Deutschland. "Das Gesetz ist okay. Aber diese Anerkennung die danach folgt, diese Tortur für den Einzelnen – da ist die Frage ob das wirklich zukunftsfähig ist", sagte Holtzwart.

Holtzwart forderte die Unternehmen aus Branchen, die von Strukturwandel betroffen sind, auf, statt auf Kurzarbeit künftig auf die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu setzen. Die Jobcenter machten entsprechende Angebote. Im September 2019 waren in Bayern gut 11 000 Menschen in Kurzarbeit. Die Zahl könnte angesichts von Problemen besonders der Automobilzulieferer und weiteren Teilen der Metall- und Elektroindustrie in den nächsten Monaten steigen.

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Die bayerischen Arbeitgeber sehen dies kritisch. "Der Aufruf an die Unternehmen, auf Qualifikation zu setzen, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der derzeitigen konjunkturellen Lage Kurzarbeit eingesetzt werden muss", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der bayerischen Wirtschaft (vbw), Bertram Brossardt. "Man kann nicht allein auf Qualifizierung setzen, wenn keine Aufträge und keine Kapazitätsauslastung vorhanden sind." Die Arbeitgeber verweisen darauf, dass die Unternehmen viel leisten, um über Qualifizierungen Mitarbeiter im Job zu halten und für neue Aufgaben fit zu machen.

Das vor einem Jahr eingeführte Teilhabechancengesetz bezeichnete Holzwarth als Erfolg. Zum Jahresende seien fast 2000 Menschen auf Grundlage des Paragrafen 16i des Gesetzes gefördert worden. Dieser sieht vor, dass die Arbeitsagentur volle zwei Jahre die Lohnkosten übernimmt, die folgenden drei Jahre schmilzt der öffentliche Anteil an den Lohnkosten ab. Es gehe um Leute, die dem Arbeitsleben lange ferngeblieben sind, die aber noch die Möglichkeiten haben, sich wiedereingliedern zu lassen. "Wir hoffen, dass der eine oder andere Lust an der Arbeit gefunden hat."

dpa

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