Freitag, 26.04.2019

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Steuer vermiest die Lust am Rauchen

Absatz sinkt auf niedrigsten Wert seit Wiedervereinigung — 73 Prozent für Staat - 22.01.2013

Bleiben immer häufiger im Regal: Dass der Zigarettenabsatz 2012 auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung gesunken ist, liegt laut Statistischem Bundesamt auch am steigenden Steuersatz. © dapd


WIESBADEN — Der Fiskus vermiest Rauchern in Deutschland die Lust am Qualmen: Nach der Steuererhöhung zum Jahresanfang wurden 2012 „nur“ 82,4 Milliarden Zigaretten versteuert — 5,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und so wenige wie nie seit der Wiedervereinigung, so das Statistische Bundesamt. Dem Staat spülte die Tabaksteuer 14,2 Mrd. € in die Kassen — 1,8 Prozent weniger als im Rekordjahr 2011.

Der Absatz von Zigarren und Zigarillos ging 2012 um zehn Prozent zurück, die Menge des versteuerten Feinschnitts gab leicht um 0,4 Prozent nach. Hingegen stieg der Absatz von Pfeifentabak um 12,4 Prozent.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr Tabakwaren mit einem Kleinverkaufswert im Handel von 24,3 Mrd. € versteuert. Das waren 248 Mio. € oder ein Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Statistiker begründeten diese Entwicklung mit der Erhöhung der Tabaksteuer zum 1. Januar 2012. Der Durchschnittspreis für eine Zigarette sei 2012 um 3,5 Prozent auf 24,4 Cent gestiegen, sagte ein Experte.

Rauchende Grenzgänger

Bis einschließlich 2015 stehen jeweils zum Jahreswechsel weitere Steuererhöhungen für Zigaretten und Feinschnitt an. In welchem Umfang die Industrie die Steuererhöhung 2013 an die Kunden weitergibt, sei offen. Einige Häuser wollen dem Vernehmen nach darauf verzichten.

Seit Jahresbeginn muss die Branche von einer Packung mit 19 Zigaretten für fünf € 3,68 € statt zuvor 3,65 € Tabak- und Umsatzsteuer an den Staat abführen, sagte ein Sprecher des Deutschen Zigarettenverbands (DZV) in Berlin. Der Gesamtsteueranteil für den Staat pro Zigarette liege weiter durchschnittlich bei 73 Prozent.

Ob in Deutschland im vergangenen Jahr tatsächlich weniger geraucht wurde, ist allerdings eine andere Frage, wie ein Statistiker betonte: „Niemand weiß, wie viele nicht versteuerte Zigaretten geraucht worden sind.“ Das könne entweder Schmuggelware sein, oder legal im Ausland erworbene Tabakwaren. Vor allem Raucher, die nahe zu östlichen Nachbarländern lebten, deckten sich häufig dort mit Zigaretten ein.

Erst in der vergangenen Woche hatte der DZV allerdings berichtet, dass der Anteil der nicht in Deutschland versteuerten, aber hierzulande konsumierten Zigaretten 2012 leicht gesunken sei — von 22,1 Prozent auf 20,6 Prozent. Damit trage weiter gut jede fünfte in Deutschland gerauchte Zigarette kein deutsches Steuerzeichen. 

dpa

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