Tankrabatt für drei Monate

Steuersenkung an der Zapfsäule: Warum steigen die Preise trotzdem wieder?

Stefanie Banner
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Politik und Wirtschaft

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3.6.2022, 13:13 Uhr
Trotz Steuersenkung steigen die Spritpreise.

© Jens Büttner/dpa Trotz Steuersenkung steigen die Spritpreise.

Seit drei Tagen gilt die zeitlich befristete Energiesteuer-Senkung auf das europäische Mindestmaß. Im Volksmund heißt sie einfach Tankrabatt. Dieser soll Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland finanziell entlasten.

Einer Auswertung des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) zufolge konnten Autofahrer bereits am ersten Tag zu großen Teilen vom Tankrabatt profitieren: "Am Mittwoch, 1. Juni, lag der deutschlandweite Durchschnittspreis für Super E10 bei 1,878 Euro je Liter, das ist gegenüber dem Vortag, als der Tankrabatt noch nicht galt, ein Rückgang um 27,3 Cent." Beim Diesel habe der Liter im Mittel 1,928 Euro gekostet und sei damit 11,6 Cent billiger gewesen. Bei einer vollständigen Weitergabe der Steuersenkung hätte Super E10 allerdings um weitere acht Cent und Diesel um rund fünf Cent günstiger werden müssen.

Allerdings seien die Spritpreise am Donnerstag, 2. Juni, bereits wieder angezogen: Super E10 verteuerte sich laut ADAC gegenüber dem Vortag um durchschnittlich 1,8 Cent auf 1,896 Euro je Liter, Diesel legte um 2,4 Cent auf 1,952 Euro zu. In der Region kostet am 3. Juni, pünktlich zu Beginn der Pfingstferien, laut clever-tanken.de (gegen Mittag) der günstigste Liter Diesel an der freien Tankstelle in Rohr zwar 1,90 Euro, im bayernweiten Durchschnitt aber bereits 1,95, Super-Benzin liegt im Mittel 1,93 Euro, E10 bei 1,89 Euro.

„Der zu beobachtende Preisanstieg kann aktuell nicht auf die Entwicklung des Rohölpreises oder den Wechselkurs zwischen Dollar und Euro zurückgeführt werden. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Mineralölindustrie die bevorstehende Reisewelle dazu nutzt die Preise höher zu halten“, sagt Simon Hiller, Sprecher des ADAC Nordbayern.

Preise stiegen vor dem 1. Juni

Der ADAC stellte weiter fest, dass die Spritpreise in den Tagen vor der Steuer-Senkung schon enorm gestiegen sind: E10 Benzin kostete am 27. Mai 2,09 Euro und am 31. Mai 2,15 Euro; bei Diesel war der Sprung niedriger, aber trotzdem bemerkbar von 2 Euro am 27. auf 2,05 Euro pro Liter am 31. Mai.

Das liegt auch daran, dass die Mineralölkonzerne aktuell beim Sprit kräftig mitverdienen. Einer Analyse von vergleich.org zufolge stieg der Deckungsbeitrag beim Diesel, in dem sich auch die Gewinne der Ölkonzerne verbergen, bei einem Dieselpreis von 2,20 Euro im Vergleich zu 1,50 Euro um mehr als das Doppelte an, während die Steuern sich nur geringfügig erhöhten und anteilig sogar sanken.

Wirtschaftsweise: Konzerne könnten Profit aus Steuersenkung schlagen

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer befürchtet, dass Mineralölkonzerne trotz fallender Preise an den Tankstellen deutlichen Profit aus der Spritsteuersenkung schlagen könnten. Das sagte sie in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen: "Nach den Erfahrungen in der Vergangenheit, insbesondere bei der Mehrwertsteuersenkung 2020, halte ich das Risiko für hoch", so die Ökonomin. "Selbst wenn prozentual dieses Mal mehr von der Steuersenkung weitergegeben wird als vor zwei Jahren, kann der Mehrgewinn der Unternehmen durch die unvollständige Weitergabe in absoluten Euro-Beträgen doch sehr hoch sein.

Ihren Berechnungen nach hätten bei der Mehrwertsteuersenkung im Sommer 2020 die Mineralölkonzerne 40 Prozent der Steuersenkung einbehalten, sagte Schnitzer, die Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung ist. Diesmal stünden die Tankstellen allerdings unter besonders genauer Beobachtung.

Nach Einschätzung des ADAC seien die Spritpreise – unabhängig vom Tankrabatt – generell zu hoch. Über die Steuersenkung hinaus sehe der Automobilclub ein Potenzial für deutliche Preissenkungen. ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand kündigte an, dass man die weitere Preisentwicklung genau beobachten werde.

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