Stoiber geht: Neue Köpfe bei der Nürnberger Versicherung

28.3.2018, 11:04 Uhr
Stühlerücken bei der Nürnberger Versicherungsgruppe: Der Aufsichtsrat soll radikal umbgebaut und vor allem verjüngt werden.

Stühlerücken bei der Nürnberger Versicherungsgruppe: Der Aufsichtsrat soll radikal umbgebaut und vor allem verjüngt werden. © Stefan Hippel

Der heute 77-jährige Stoiber war vor zehn Jahren in den Aufsichtsrat gewählt worden – die Nürnberger hatte nach Übernahmeversuchen lange Zeit eine enge Verbindung zur Staatsregierung gesucht. Wie er, fällt unter anderem auch der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Detlef Schneidawind einer relativ neuen Altersregelung zum Opfer, die für die Kontrolleure des Konzerns ein Höchstalter von 70 Jahren und für den Vorstand ein maximales Alter von 63 Jahren vorsieht.

Bruch mit Tradition

Doch ihren Platz räumen müssen neben Schneidawind und Stoiber auch noch drei weitere der insgesamt sechs von der Kapitalseite bestimmten Aufsichtsratsmitglieder. So soll das Mandat des Vertreters der Nürnberger Kanzlei Rödl & Partner, Wolfgang Kraus, nicht verlängert werden – auch das ein Bruch mit einer gewissen Tradition.

Erst 2016 war dagegen IHK-Präsident Dirk von Vopelius in das Gremium gewählt worden. Der Gesellschafter und Aufsichtsratschef der Schuster & Walther IT-Gruppe zog für Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell ein, der im selben Jahr verstorben war. Das Mandat von Vopelius ist bis April 2018 befristet, er wird also ebenfalls ausscheiden. Da auch Roland Folz, der Vorstandschef der SolarisBank AG bei der kommenden Hauptversammlung am 24. April nicht zur Wiederwahl steht, ist die CSU-Politikerin und Geschäftsfrau Dagmar Wöhrl auf der Kapitalseite die einzige Konstante im neuen Aufsichtsrat – die Zustimmung der Aktionäre vorausgesetzt. Bei der Zusammensetzung des Gremiums geht es nicht nur um Personen, es geht ganz entschieden auch um Macht und Einfluss – der Aufsichtsrat überwacht und bestellt beispielsweise den Vorstand der Gesellschaft. Umso interessanter ist, dass ab der nächsten Hauptversammlung erstmals die drei großen Aktionäre der Nürnberger jeweils einen Aufsichtsratsposten für sich beanspruchen.

Stühlerücken bei der Nürnberger Versicherungsgruppe: Der Aufsichtsrat soll radikal umbgebaut und vor allem verjüngt werden.

Stühlerücken bei der Nürnberger Versicherungsgruppe: Der Aufsichtsrat soll radikal umbgebaut und vor allem verjüngt werden. © Foto: Horst Linke

Franz Kränzler soll in den Aufsichtsrat

Für die Münchner Rück – sie hält direkt und indirekt 19,1 Prozent der Aktien der Nürnberger – soll Ludger Arnoldussen einen Sitz erhalten, er hat lange das Deutschlandgeschäft des Rückversicherers geleitet. Für die Versicherungskammer Bayern (15,5 Prozent) soll deren Generalbevollmächtigter Franz Kränzler in den Aufsichtsrat einziehen. Und für den japanischen Versicherungskonzern Daido, der seine Anteile auf 13,5 Prozent ausgeweitet hat, wird es der Frankfurter Anwalt Holger Haas sein.

Den Gremiumsvorsitz soll der ebenfalls neu zu wählende Wolf Rüdiger Knocke übernehmen, der fast übergangslos aus dem Nürnberger-Vorstand in den Aufsichtsrat wechselt. Die letzte vakante Stelle schließlich wird Nadine Gatzert einnehmen. Die Wirtschaftsmathematikerin ist Professorin für Versicherungswirtschaft an der Uni Erlangen-Nürnberg.

Auf Wachstumskurs

Der Wechsel vollzieht sich in einer Phase, in der die Branche wegen der Niedrigzinsen und der anrollenden Digitalisierungswelle vor großen Herausforderungen steht. Vorstandschef Armin Zitzmann, dessen Vertrag um fünf Jahre verlängert wurde, zeigt sich dennoch "sehr zufrieden" mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr.

Die Beitragseinnahmen wuchsen um zwei Prozent auf 3,4 Mrd., das Neugeschäft um 3,5 Prozent auf 513,8 Mio. Euro. Die Kapitalanlagen erhöhten sich konzernweit um 6,8 Prozent auf 29,5 Mrd. Euro, der Jahresüberschuss von 59,3 Mio. auf 99,5 Mio. Euro. Ursache war neben geringer als erwartet angefallener Schadenaufwendungen vor allem ein einmaliger Steuereffekt. Die Dividende soll stabil bei drei Euro bleiben.

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