Mittwoch, 13.11.2019

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Supol-Chef: Keine Angst vor großen Tieren

Regionale Tankstellenkette Supol behauptet sich seit Jahren auf dem Markt - 14.04.2009

Hauptsächlich auf das Städtedreieck Nürnberg-Fürth-Erlangen begrenzt bietet Supol den Konzernen Paroli. © Horst Linke


«Wir sind die Maus im Ohr des Elefanten« - mit diesem Bild umschreibt Paul Böhm die Marktposition seiner Tankstellenkette im Vergleich zu den mächtigen Konzernen. Böhm ist Chef einer Firmengruppe, zu der 18 Tankstationen im Städtedreieck Nürnberg, Fürth, Erlangen und zwei Autobahntank- und Raststätten gehören. Der Unternehmer von altem Schrott und Korn vergleicht die Geschäftspolitik seiner Tankstellen dabei mit der von Aldi und Norma: «Wir sind Benzindiscounter, keine Frage«.

Keine Angst vor großen Tieren

So eine kleine Maus kann einen großen Elefanten ganz schön nerven. Die Maus muss aber auch aufpassen, dass sie den Dickhäuter nicht zu sehr reizt. Denn wenn der wütend wird, könnte es für so ein unscheinbares Mäuschen ganz schnell gefährlich werden.

Doch Böhm hat keine Angst mehr vor großen Tieren. «Die Konzerne haben uns akzeptiert, weil wir uns vernünftig verhalten«, sagt er. «Vernünftig« heißt: Kein aggressives Vorpreschen mit Preissenkungen. Und höchstens ein Cent unter den Preisen von Shell&Co, in Brennpunktgebieten vielleicht auch mal zwei. Das ist für Supol die eiserne Spielregel, die Elefanten besänftigt, der Maus aber genug Luft zum Leben lässt.

Erste Tankstelle eröffnete 1960

Der inzwischen 72-jährige Spross einer Unternehmer-Dynastie hat diese «Vernunft« im Umgang mit den Branchen-Giganten freilich auch erst schmerzhaft lernen müssen. Als Student kam er in Zürich mit einer freien Tankstelle in Berührung, die regelmäßig die Marktpreise unterbot und so die Autofahrer lockte. Flugs kopierte der angehende Diplom-Kaufmann das System und eröffnete 1960 - von seinem Vater mit einem PKW und 10000 DM Startkapital ausgestattet - seine erste Tankstelle in Nürnberg.

Der Erfolg war durchschlagend, erinnert sich Böhm: 50 Pfennige kostete damals der Liter Benzin - 15 Pfennige weniger als bei der Konkurrenz. Prompt stauten sich vor seiner Zapfsäule die Autos bis zu 300 Meter. Der junge Tankstellenbetreiber besorgte den Sprit bei Großhändlern. Als die deswegen Ärger mit den Mineralölkonzernen bekamen, ließ er den Kraftstoff später sogar von Rotterdam aus in Schiffen herbeischaffen.

Reines Komissionsgeschäft

Doch je mehr Erfolg der Nürnberger hatte, desto nervöser wurden die Großen. «Die haben mich mit allen Mitteln bekämpft, aber mit unserer zurückhaltenden Geschäftspolitik haben wir erreicht, dass wir von ihnen als regionale Marke akzeptiert werden«, betont Böhm. Zeitweise stieg die Zahl der Supol-Stationen bis auf 20 an. «Das schwankt«, erklärt der Firmenchef. Jeder einzelne Standort muss sich lohnen, so die Vorgabe, sonst wird er geschlossen. Investitionen in eine neue Tankstelle - rund eine Mio. € ohne Grundstück - werden nur dann getätigt, wenn die Investition in zehn, zwölf Jahren abgeschrieben und verzinst ist.

Längst betreibt Böhm selbst keine Tankstelle mehr, er verpachtet sie an eigenständige Betreiber, ein reines Kommissionsgeschäft. Ein offenbar lohnendes Geschäft. «Wir sind grundsolide finanziert und haben eine üppige Eigenkapitalquote«, erläutert Böhm, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Der Gruppenumsatz der Supol-Tank lag 2008 bei 110 Mio. € - das war ein sattes, auch preisgetriebenes Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber auch der Mengenabsatz lag um 13,5 Prozent höher als 2007. Und das Unternehmen will weiter wachsen: In dem Jahr sind zwei neue Großprojekte mit Tank- und Waschcenter in der Region geplant.

Verschiedene Standbeine

Und wenn je einmal kein Benzin mehr gebraucht wird? Obwohl die Firmengruppe auch dafür schon Planungen hat, bräuchte sie vor einer solchen spritlosen Zeit ohnehin keine Angst haben. Denn mit jeder neuen Generation hat die Familie diversifiziert: Opa Josef Böhm betrieb eine Schreinerei, Vater Paul Böhm senior ein Einrichtungshaus, Paul Böhm junior eben die Supol-Tank und eine Immobilienverwaltung.

Und dessen Sohn Michael hatte einen ähnlichen Start ins Unternehmerdasein wie sein Vater. Der heute 50-Jährige kam ebenfalls als Student mit einer neuen Geschäftsidee in Berührung: Die Ausstattung von Autoscheiben mit Schutzfolien gegen UV-Licht, Hitze oder auch Gewalteinwirkung. Heute vertreibt Michael Böhm diese Folien in seiner Firma Foliatec europaweit an Endabnehmer, professionelle Dienstleister und über ein Webshop-System im Internet. Selbst Polizeifahrzeuge fahren inzwischen mit Böhms Schutzfolien herum.

Anders als sein Vater sieht Sohn Michael aber Foliatec nicht als kleine Maus. Im Gegenteil: In diesem speziellen Segment will er als Marktführer der Elefant sein.

Klaus Wonneberger

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