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Telekom-Berater: Familie ist wichtiger

Telekom-Berater Thomas Wacker hat seine Karriere zurückgestellt - 17.08.2010 12:00 Uhr

Spaß auf der Rutsche: Thomas Wacker und Sohn Johannes.

17.08.2010 © Karlneinz Daut


In diesem zarten Alter nimmt man es ganz genau mit den Jahren: "Mein Sohn ist zweidreiviertel", sagt Thomas Wacker und streicht dem Filius entzückt über seinen rötlichen Schopf. Wenn die Erwachsenen ihn zu sehr mit Fragen bombrdieren, schaltet der kleine Johannes auf Durchzug oder sagt nur noch nein auf dem Spielplatz an der Wöhrder Wiese. Nein, er will nicht auf die gemütliche Nestschaukel, obwohl die für ein schmuckes Foto herrlich taugen würde. Der Steppke bleibt  an der Rutsche, basta. Die Eltern akzeptieren das, hier wird niemand zum Spielen an welchem Gerät auch immer gezwungen.

 In der anderen Welt, der des Business, ist Thomas Wacker eine Art  Fallmanager. Nicht bei der Arbeitsagentur. Vielmehr entwickelt der 51-Jährige Manager Testfälle für künftige Mobilfunkgenerationen. Doch seitdem sein Sohn Johannes auf der Welt ist, ist der Nürnberger zunehmend in die Vaterrolle geschlüpft. Er findet: "Wenn schon Familie, dann will ich mich auch kümmern können. Es tut Kindern ja gut, wenn beide Eltern da sind."

Der junge Vater selbst war beruflich eher ein Quereinsteiger. Die Weiterbildung bei Triumph-Adler hatte wenig Tiefgang. Dafür um so lehrreicher die "Cracks" unter seinen Kollegen, von denen habe er viel von IT und Telekommunikation gelernt. Nach einer langen Festanstellung hatte sich der Berater vor sieben Jahren selbstständig gemacht. Er war ständig auf Achse, pendelte zwischen München, Südfrankreich und Nürnberg. Der Arbeitstag hatte mindestens zehn Stunden. Das erforderte der Auftrag für ein internationales Projekt, das in Sophia Antipolis, dem französischen Silicon Valley nahe Nizza, angesiedelt ist.

Aus dem Koffer gelebt

Peu-à-peu verdichtete sich die Unlust am beruflichen Dauereinsatz zum Entschluss, wieder ein richtiges Privatleben zu haben. "Ich mochte einfach nicht mehr aus dem Koffer leben." Wacker arbeitete von da an mehr von zu Hause aus. Kaum hatte er Zeit für sich, lernte der Hobby-Discjockey seine heutige Freundin und Mutter des gemeinsamen Sohns näher kennen.

"Ziemlich früh", sagt die Lebenspartnerin Kerstin Brunner heute, habe sie auf Klarheit gedrungen. Wenn sich zwei Menschen in der zweiten Lebenshälfte lieben lernen, müssen die Lebensentwürfe in den wichtigen Dingen zusammenpassen. Und fest stand: Sie, damals 38, wollte ein Kind und einen "richtigen Vater" dazu. Also keinen der typischen "abwesenden Väter", die ihre Kinder allenfalls beim Frühstück und ansonsten meist nur schlafend antreffen. So gefällt es ihr: "Wir haben viel Zeit füreinander", sagt die Partnerin.

Die Mama blieb ein Jahr lang daheim in der Elternzeit, kein Problem für die Grund- und Hauptschullehrerin. Danach legte Wacker ein Sabbatjahr ein. Er hatte genug Geld auf die Seite gelegt und konnte sich das leisten.  Und weil die materiellen Ansprüche der jungen Familie  moderat geblieben sind, weil die leidenschaftlichen Radler weder einen dicken BMW noch eine Villa brauchen, nimmt das Geldverdienen  bei Wacker nur die halbe Zeit in Anspruch. "Ich lehne viele Aufträge ab und büße dadurch Karrierechancen ein, das ist mir absolut bewusst. Ich gönne mir den Luxus."

Geteilte Erziehungsarbeit

 Dafür lebt er zufriedener, denn er sieht seinen Sprössling aufwachsen. Er bringt ihn morgens in die Krippe und holt ihn am Nachmittag wieder ab - bis auf die Wochen, die er im Standardisierungsgremium für den Mobilfunk an der Côte d'Azur zubringt und Testfälle programmiert. Das könne dann schon mal stressig werden für die Partnerin.  "Wir teilen uns die Erziehungsarbeit", heißt ansonsten die Devise. Natürlich ist das Modell nicht in Stein gemeißelt, schließlich wächst Johannes heran. Möglicherweise wird Wacker sein Stundenkontingent wieder erhöhen.

Oder aber sein Hobby ausbauen. In der Disco kennen ihn alle als "Frugi". Den Spitznamen hat er seit der zehnten Klasse weg. Früher war Frugi also DJ im Dröhnland und in der Disco Eiselt in Reichelsdorf, später bei der "Disco Don't Panic" (im K4), der heutigen KulturKellerei (www.kulturkellerei.de). Dort ist Thomas Wacker ehrenamtlicher Vorstand, DJ und Veranstalter von Kultur-Events: Musik, Literatur, Theater - das gefällt ihm. Musikalisch "sozialisiert" durch die Rock-Musik der 70er und 80er Jahre sowie Funk und New Wave, mag er aber auch Hiphop, Indie, Elektro und House. Musik, die vereint - generationenübergreifend.

Sensibler DJ

Die Rolle des DJ, sagt Wacker, hat sich ziemlich verändert. Früher gehörte ein gewisses Sendungsbewusstsein dazu nach dem Motto: "Jetzt hören die mal meine Musik." Heute dagegen müsse der DJ sensibler sein, die Stimmung der Gäste spüren und sehen, ob er es schafft, die Tanzfläche zu füllen. Und kreativ sein, indem er dank Technik Remixes herstellt. In dieser Hinsicht ist "Frugi" allerdings eher konservativ: Die gute alte Vinyl-Schallplatte ist ihm am liebsten. 

ANGELA GIESE

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