Vom Heizraum bis in die Kantine

17.7.2018, 20:00 Uhr

© Fotos: Kerstin Freiberger (1), Karen Köhler/Volker Lau, Dorfner

NÜRNBERG — "Die Branche ist knüppelhart", sagt Karlheinz Rohrwild. Der Geschäftsführende Gesellschafter der Nürnberger Dorfner Gruppe baut daher nicht nur auf motivierte Mitarbeiter, sondern auch auf langjährige Geschäftsbeziehungen. Geschäfte um jeden Preis werde der familiengeführte Gebäudedienstleister auch in Zukunft nicht machen: "Wir nehmen keine Aufträge an, die nach einem Jahr wieder auslaufen", sagt Gesamtgeschäftsführer Peter Engelbrecht.

Und so freut es das Management ganz besonders, dass der Münchner Flughafenbetreiber – "ein langjähriger Partner" – den Vertrag für die Wartungsarbeiten im Terminal 2 kürzlich um fünf Jahre verlängert hat. Bereits seit 2012 sorgen die Dorfner-Beschäftigten dort für Sauberkeit in den Hallen und Toilettenanlagen oder auf Gepäckförderbändern, reinigen nächtens die unzähligen Glasflächen des Gebäudes und halten im Winter die Wege schneefrei. Rund 240 Mitarbeiter von Dorfner sind im Terminal beschäftigt. Und diese hätten auch ein gutes Stück dazu beigetragen, dass sich der Flughafen München als erster in Europa mit dem Prädikat "Fünf-Sterne-Airport" schmücken darf, das das britische Luftfahrtforschungsinstitut Skytrax vergibt, sagt Engelbrecht.

Auch in Dortmund und Kassel sind Dorfner-Beschäftigte am Flughafen aktiv. Warum der heimische Flughafen nicht auf der Kundenliste steht? Rohrwild lächelnd: "Den Auftrag habe ich schon früher mal kalkuliert, aber Dorfner sei damals nicht zum Zuge gekommen. Und "Aufträge um jeden Preis" sind eben nicht sein Stil.

Auch über den Wolken ist Service made in Nürnberg dabei: Die Lufthansa, die ihre Bordmahlzeiten in Tschechien nahe Pilsen zubereiten lässt, tut dies seit 2017 gemeinsam mit dem Partner Dorfner.

© Fotos: Kerstin Freiberger (1), Karen Köhler/Volker Lau, Dorfner

Insgesamt konnte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr beim Umsatz 3,7 Prozent auf 252 (Vorjahr: 243) Millionen Euro aufsatteln. Damit zählt sich die Gruppe nach eigenen Angaben zu den "erfolgreichsten familiengeführten Unternehmen in der Branche". Vor allem der Geschäftsbereich Gebäudemanagement legte 2017 kräftig zu: um 68 Prozent auf 19 Millionen Euro. So ist Dorfner etwa in 19 Einkaufszentren in ganz Deutschland für Heizung, Klima, Reinigung, Sicherheit und Catering zuständig.

Der Bereich Catering trug 51,5 Millionen Euro zum Gesamtumsatz bei. "Der Markt verlangt zunehmend die integrierten Services aus einer Hand. Dafür sind wir bestens aufgestellt sagt Engelbrecht. Als großes Plus sieht er dabei, dass das Unternehmen rund 85 Prozent aller Dienstleistungen mit eigenen Beschäftigten anbieten kann. Von der Objektmanagerin über den Haustechniker und den Gebäudereiniger bis zur Köchin reicht das Spektrum der rund 11 300 (plus 8,7 Prozent) Beschäftigten an 42 Standorten in Deutschland, Österreich und Tschechien. Ausgebildet werden 31 junge Menschen.

© Fotos: Kerstin Freiberger (1), Karen Köhler/Volker Lau, Dorfner

Die Nachwuchsgewinnung sieht Rohrwild als eine der großen Herausforderungen seiner Branche und seines Unternehmens. Schon jetzt sei es schwierig, gutes Personal zu gewinnen. "Dabei ist Geld nicht immer das beste Argument." Ein gutes Image und Mund-zu-Mund-Propaganda brächten Erfolge. Zudem seien zahlreiche Fortbildungs- und Förderprogramme für die Mitarbeiter aufgelegt worden. Ihr Kerngeschäft ist nach wie vor der Bereich Gebäudereinigung, der mit 181,5 Millionen Euro (plus 4,6 Prozent) erneut den Löwenanteil zum Umsatz beitrug. In dieser Sparte setzt die Geschäftsführung besonders auf den noch jungen Bereich Reinraumtechnologie. Dort, wo noch strengere Hygienevorschriften als etwa in Kliniken eingehalten werden müssen, seien auch bessere Margen zu erzielen. Etwa in Pharmabetrieben, der Chipproduktion oder in OP-Sälen. Zunehmend frage auch die Lebensmittelindustrie solche Dienstleistungen nach.

Mit innovativen Dienstleistungen peilt die Gruppe für das laufende Jahr ein "natürliches, gesundes Wachstum" auf Vorjahresniveau an. Neue Aufträge wie etwa der von den Nürnberger Kliniken Nord und Süd nähren den Optimismus. In beiden Krankenhäusern betreuen seit Januar etwa 80 Mitarbeiter die Personalkantine für knapp 7000 Menschen und bewältigen täglich das Spülen riesiger Mengen von Geschirr. Weitere Aufträge für den Bereich Facilitymanagement und Catering seien in Sicht. Auch der nicht bezifferte Ertrag werde wieder "moderat" wachsen, sagt Rohrwild. Damit lasse sich das Wachstum aus eigener Kraft bewerkstelligen. "Wir sind ein klassisches Familienunternehmen und das bleiben wir auch."

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