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Wegen Corona: Bahn bangt um Stammkunden

Auslastung in den Zügen steigt mit Angebotsausweitung nur langsam an - 25.05.2020 13:43 Uhr

Nach den weitreichenden Corona-Beschränkungen steigt die Auslastung nur langsam an.

© Daniel Bockwoldt, dpa


Trotz hoher Fixkosten war es nach Angaben Hubers wichtig, in den letzten Wochen ein Grundangebot auf der Schiene aufrecht zu erhalten, um die Stammkundschaft mit BahnCard oder Zeitkarten zu halten. Mittel- und langfristig rechnet Huber mit einer kompletten Erholung und sogar der Zunahme von Fahrgastzahlen. Investitionen etwa in neue Züge sollen nicht verschoben werden.

Jahrelang kannte die Entwicklung der Reisendenzahlen im DB-Fernverkehr nur eine Richtung: nach oben. Noch im letzten Geschäftsjahr fuhren knapp 151 Millionen Menschen in ICE- und IC-Zügen, so viele wie noch nie. Es war der fünfte Reisendenrekord in Folge. Das ist vorbei. Aktuell liegt die Nachfrage nach Angaben des DB-Personenverkehrsvorstands Berthold Huber 90 Prozent unter dem Vorjahreswert. Am Vatertag etwa wurden im Fernverkehr trotz der Lockerungen der Corona-Maßnahmen nur 750 000 Reisende im Fernverkehr registriert, 50 Prozent weniger als 2019. Im Nahverkehr sei die Situation vergleichbar, so Huber.

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Die Gesamtauslastung bewege sich zwischen 30 und 40 Prozent, was sich schmerzhaft auf den Umsatz auswirkt. "Im Gegensatz zu anderen Verkehrsträgern haben wir wahnsinnig hohe Fixkosten", so Huber. So mussten die Züge trotz der Reduzierung des Angebots in den letzten Wochen kontinuierlich weiter gewartet und instandgehalten werden. Auch wurde die Zeit genutzt, um zeitintensive Arbeiten etwa an den Klimaanlagen oder den Toiletten durchzuführen oder Änderungen an den Radsätzen des neuen ICE 4 vorzunehmen. Hier wurde ein neues Profil aufgedreht, um das Problem von Vibrationen in den Griff zu bekommen, so Huber.

Vielfahrer sind entscheidend

Vor allem mit Blick auf die Stammkunden sei es aber wichtig gewesen, ein relativ hohes Grundangebot zu fahren. "Die Stammkunden müssen wir unbedingt behalten. Es ist ähnlich wie in einem Fitness-Studio. Wenn die Stammkunden kein Angebot vorfinden, bleiben sie weg." 40 bis 45 Prozent des Umsatzes mache die Bahn mit regelmäßigen Vielfahrern, so Huber. Alleine mit den fünf Millionen BahnCard-Inhabern werden bei der DB 50 Millionen Euro Umsatz gemacht. Wer eine BahnCard 25 hat, unternimmt laut Huber im Durchschnitt mehr als fünf Fahrten pro Jahr, die BahnCard-50-Besitzer kommen auf mindestens zehn Reisen pro Jahr.


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Auch aus diesem Grund ist es wichtig, das Angebot nun wieder auszuweiten. Zu Pfingsten etwa würde auf den meisten ICE-Linien wieder in Doppeltraktion, also mit zwei aneinandergekoppelten Einheiten gefahren, auch touristische Ziele "in den Bergen und an der See" seien wieder im Programm. "Ab Juni geht es auch wieder in die Schweiz, nach Österreich, Frankreich, die Niederlande und Belgien, nach Dänemark, Polen und Tschechien", so Huber. Der Nahverkehr fährt aktuell schon wieder fast zu 100 Prozent.

Für Sicherheit der Reisenden ist gesorgt

Mit Blick auf die Sicherheit und vor allem das Vertrauen der Reisenden sei auch "viel für die Sicherheit" getan worden. Im Schnitt würden die Züge unterwegs zweimal komplett gereinigt. "Die Ansteckungsgefahr ist sehr gering", so Huber. Zudem wird die DB über ihre Buchungs- und Informations-App, den DB-Navigator, die Auslastung der Züge angezeigt, sobald diese 50 Prozent übersteigt. Damit sollen die Kunden frühzeitig die Möglichkeit erhalten, auf weniger frequentierte Verbindungen auszuweichen.

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Von einer in den letzten Wochen immer wieder diskutierten Reservierungspflicht im Fernverkehr hält Huber unterdessen wenig. Besser sei es, die Kapazitäten auszuweiten und so den Reisenden genug Platz und Abstand zu verschaffen. Wann die Zahl der Fahrgäste wieder das Niveau vor der Corona-Krise erreicht, bleibt unklar. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ging zuletzt davon aus, dass das erst im Jahr 2022 oder 2023 der Fall sein wird. Dazu äußerte sich Huber nicht. Mittel- bis langfristig ist Huber aber der Überzeugung, dass "genauso viele und noch mehr Fahrgäste" in den Zug steigen. Am Schienenpersonenverkehr führe vor dem Hintergrund der Klimaschutz-Debatte "kein Weg vorbei."


Bahn benötigt Finanzspritze von acht bis zehn Milliarden Euro


Die Bahn, die schon vor der Corona-Krise in wirtschaftlicher Schieflage war und nun bis 2024 mit einer Finanzlücke von über zehn Milliarden Euro rechnen muss, werde nicht auf Investitionen in neues Wagenmaterial verzichten, so Huber. "Dazu gibt es überhaupt keine Veranlassung." Es bleibe sowohl bei der Bestellung von 23 neuen Fernverkehrszügen beim spanischen Hersteller Talgo als auch bei der Ausschreibung für 30 weitere Hochgeschwindigkeitszüge, für die laut Huber aktuell "die letzte Prüfung der Angebote" läuft. Die ersten von ihnen sollen bereits ab 2022 fahren.

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