Montag, 20.01.2020

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Wenn ambitionierte Freizeitsportler surfen gehen

1-2-sports AG will mit Online-Angebot aktive Menschen vernetzen — Technik hilft beim Auswerten der Trainingsdaten - 03.09.2011 08:06 Uhr

Ist selbst begeisterter Läufer: Andreas Lindenberg, Gründer der 1-2-sports AG. © Tanja Toplak


Die Seite ist in Bewegung: Alle paar Minuten kommt ein neuer Trainingseintrag eines Nutzers hinzu. Horst ist heute 65 Kilometer Fahrrad gefahren. Yann ist 7,5 Kilometer gejoggt und hat vierzig Minuten dafür gebraucht. Der Live-Ticker, der alle neuen Einträge erfasst und anzeigt, tickt rund um die Uhr.

Hobbysportlerinnen und -sportler aus aller Welt können sich auf dem Portal 1-2-sports.de registrieren, ein persönliches Profil anlegen, und dann mit den anderen Nutzern ihre Trainingsdaten vergleichen, Statistiken erstellen lassen, ihre Strecken eintragen, an internen Wettbewerben teilnehmen oder sich zu gemeinsamen Trainings verabreden. Und das in 220 Sportarten.

Reichlich Erfahrung

„Ich habe früher meine Daten in eine Excel-Tabelle auf dem PC eingetragen, das war eine langweilige Sache“, erinnert sich Firmenchef Andreas Lindenberg. Er ist selbst seit Jahren aktiver Freizeitsportler, und kam so auf die Idee, eine Art Kontaktbörse für Sportler einzurichten. Im September 2006 setzte er die langgehegten Pläne in die Tat um und gründete die 1-2-sports AG. Fünf Mitarbeiter unterstützen ihn seither bei der Arbeit.

Erfahrung mit dem Aufbau sozialer Online-Netzwerke besaß der Diplom-Mathematiker und Informatiker bereits. 2001 hatte er zusammen mit seinem Bruder Michel StayFriends.de ins Leben gerufen. Doch hinter 1-2-sports steht ein erweitertes Geschäftsmodell: Neben einer Community, also einer Gemeinschaft registrierter Mitglieder, die miteinander in Kontakt stehen oder jederzeit treten können, stellt das Netzwerk die Technik zur Verfügung, mit der die Nutzer ihre Trainingsdaten einstellen und auswerten können. Das System berechnet alles, von der Durchschnittsgeschwindigkeit bis zum Kalorienverbrauch und den Höhenmetern der zurückgelegten Strecke.

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Die Sportler können sich — gegen Gebühr — außerdem Monats- oder Jahresauswertungen erstellen lassen, um ihre Leistung besser im Blick zu haben. Wer ein iPhone hat, kann damit seine Daten aufzeichnen und hochladen. Dadurch können die anderen vor dem PC auf der virtuellen Landkarte mitverfolgen, wo jemand gerade unterwegs ist. Wer kein iPhone hat, kann die Zahlen von einem normalen Messgerät auch per Hand ins System eingeben. Und wem die passende Sportausrüstung fehlt, der kann im Onlineshop das bestellen, was er braucht — und den anderen mitteilen, ob er mit einem Produkt zufrieden ist.

„Portale wie Facebook oder StudiVZ haben all diese Zusatzfunktionen nicht. Wir wenden uns außerdem an eine bestimmte Zielgruppe, nämlich an ambitionierte Freizeitsportler aller Leistungsklassen, vom Anfänger bis zum Marathonläufer“, sagt Lindenberg. Die Strategie, soziales Netzwerk, Sport, geobasierte Technik und Onlineshopping auf der Seite zu kombinieren, scheint aufzugehen: „Vor kurzem haben wir die Marke von 30000 Nutzern geknackt“, freut er sich.

Dreisprachig unterwegs

Zwar sind nur etwa 15 Prozent der registrierten Mitglieder wirklich aktiv und nutzen die verschiedenen Funktionen. Doch die monatlichen Zugriffe auf die Seite, die den Preis für die Onlinewerbung auf 1-2-sports beeinflussen, sind laut Lindenberg zufriedenstellend. Die Mehrheit der Mitglieder sind Deutsche, die zweitgrößte Gruppe auf dem dreisprachigen Portal Franzosen. Doch im Moment wachsen die Nutzerzahlen in England und den USA stetig, auf lange Sicht plant das Nürnberger Unternehmen den Eintritt in den amerikanischen Markt.

Wer es in Amerika schafft, schafft es überall: Dieses Motto gilt auf dem Weltmarkt nach wie vor — und hilft bei der Suche nach Investoren mit Kapital, das neue Unternehmen meist brauchen. Der Markt für Sport- und andere Nischennetzwerke ist jung, und bisher laut Lindenberg ohne Marktführer. In Europa gibt es seinen Worten zufolge derzeit fünf solcher Sportportale, zwei davon in Deutschland.

Nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes vor zehn Jahren, als die Internetblase platzte, sind viele Investoren aber vorsichtiger geworden. Das macht es wiederum schwierig für junge Unternehmen. „Um unsere Ziele zu erreichen und zu wachsen, fehlen uns rund 1,5 Millionen €“, sagt Lindenberg, der sich um die Bereiche Entwicklung und strategische Planung kümmert. Die AG hat mittlerweile laut eigenen Angaben 25 Aktionäre, die 44000 Aktien an 1-2-sports halten. Noch bringt das Portal aber keinen Gewinn.

Philipp Schwarz, zuständig für Marketing und Vertrieb, zeigt sich dennoch zuversichtlich: „In dem Markt steckt Potenzial, und unsere Idee ist zukunftsträchtig. Trotzdem gibt es noch viel zu tun. Ziel ist es vor allem, das Netzwerk bekannter zu machen und neue Mitglieder zu gewinnen.“

Gemeinschaft nicht nur virtuell

Um dies zu erreichen, rührt 1-2-sports seit einem Jahr mit einer Firmenseite die Werbetrommel auf Facebook, dem bislang größten sozialen Netzwerk — der Konkurrenz? Als Rivalen empfindet Schwarz das Portal nicht. „Wir wollen uns nicht strikt von Facebook abgrenzen. Wir bieten unseren Nutzern zusätzliche Dienste an. Wir wollen die Leute nicht von Facebook wegholen.“

Im Gegenteil: Die Entwickler arbeiten derzeit am Ausbau der Facebook-Verbindung. Mit einem Klick können die Mitglieder ihre Trainingsdaten, die in 1-2-sports gespeichert sind, in ihrem Facebook-Profil veröffentlichen, wenn sie dies wollen. „Automatisch alles freigeben, das machen wir nicht“, sagt Lindenberg.

Trotz aller Zusatzfunktionen legt 1-2-sports großen Wert auf die nicht-virtuelle Gemeinschaft: Mitglieder aus Franken und Nürnberg verabreden sich gelegentlich zu Lauftreffs. Findet in irgendeiner Ecke Deutschlands ein Sportereignis statt, ist das eine gute Gelegenheit, diejenigen kennenzulernen, die man sonst nur aus dem Netz kennt.

Gerda Eberlein ist seit drei Jahren bei 1-2-sports dabei. Die 57-jährige Fürtherin ist eine begeisterte Läuferin, und legt in der Woche durchschnittlich 50 bis 60 Kilometer zurück. „Ich habe schon viele Gleichgesinnte über das Portal kennengelernt“, sagt sie. Und bringt die Idee des Netzwerks auf den Punkt: „Egal, wo man hinkommt, man kennt immer irgendwen.“
 

VON TANJA TOPLAK

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