Montag, 30.11.2020

|

zum Thema

Wieder deutlich weniger Bahn-Reisende im Fernverkehr

Bahn prüft engere Zusammenarbeit mit der Lufthansa - 25.10.2020 16:52 Uhr

Leere Plätze: Im Fernverkehr der Deutschen Bahn sind aktuell wieder deutlich weniger Reisende unterwegs.

25.10.2020 © Uwe Zucchi, dpa


Angesichts rapide steigender Infektionszahlen und schärferer Vorgaben in der Corona-Krise verzichten wieder mehr Menschen auf das Bahnfahren. "Seit Anfang Oktober registrieren wir eine zunehmende Verunsicherung unserer Kunden im Fernverkehr, während das Verkehrsaufkommen im Regionalverkehr stabil geblieben ist", teilte ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage mit. Besonders betroffen seien im Fernverkehr Geschäftsreisen sowie längerfristige Buchungen, "was angesichts der aktuellen Entwicklungen und Diskussionen nicht verwunderlich ist".

Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sind die Buchungszahlen im Fernverkehr der Deutschen Bahn seit Anfang Oktober um ein Drittel eingebrochen. Im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit fahren nur noch halb so viele Menschen mit ICE und IC. "Das geht alles nicht spurlos an uns vorüber", sagte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber dem Blatt.

Bilderstrecke zum Thema

Mehr Komfort, mehr Sitzplätze: Das ist der neue ICE 4

Mit Trommelwirbel, Lichtshow und Konfetti hat die Deutsche Bahn am Mittwoch im Berliner Hauptbahnhof die Premiere des neuen ICE gefeiert. Ab Spätherbst ist er auf der Strecke Hamburg, Fulda, Würzburg, Nürnberg, München unterwegs. Wir durften uns den neuen Hightech-Zug vorab anschauen.



Protest gegen neues ICE-Werk: "Das ist Wahnsinn"


Im Frühjahr, als bundesweit erhebliche Reise- und Ausgehbeschränkungen galten, war die Nachfrage bei der Deutschen Bahn nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Dennoch hielt der bundeseigene Konzern einen Großteil des Angebots aufrecht. Im Frühjahr saßen laut Bahn nur noch 10 bis 15 Prozent der Fahrgäste in den Zügen. Mit den Lockerungen im Sommer stieg auch die Nachfrage wieder. Zwischenzeitlich lag das Verkehrsaufkommen im Fernverkehr laut dem Sprecher wieder bei rund 75 Prozent des vor Corona üblichen Niveaus. Nun geht der Trend wieder in die andere Richtung.

Fernzüge: Im Schnitt nur noch ein Drittel der Sitzplätze besetzt

"Durch die Verschärfung der Lage seit Anfang Oktober und auch durch den Appell der Bundesregierung, möglichst nicht zu reisen, sind wir hier jetzt sehr schnell auf 50 Prozent zurückgefallen", sagte Huber. Umgerechnet auf die Auslastung bedeutet das, dass in den Fernzügen im Schnitt nur noch etwa ein Drittel der Sitzplätze besetzt ist.

Bilderstrecke zum Thema

Seit 1987 unterwegs: Die Geschichte der Nürnberger S-Bahn

Jeden Morgen nutzen tausende Pendler die Nürnberger S-Bahn. Vor mehr als 30 Jahren standen ihnen nur Regionalzüge – sie halten seltener als S-Bahnen – zur Verfügung. Als 1987 die erste Nürnberger S-Bahn-Linie in Betrieb ging, war das eine kleine Sensation, denn sie galt als Jahrhundertprojekt. Jahrelang war an den Plänen einer Schnellbahn für den Großraum Nürnberg gefeilt worden. Ein Rückblick.


Derzeit fährt die Bahn 90 bis 95 Prozent der Fernzüge des Fahrplans aus Vor-Corona-Zeiten. "Wir wollen das auch nicht voreilig verringern", sagte Huber. "Die Kunden sollen in der Pandemie die Chance haben, sich in den Zügen zu verteilen. Bei einer Auslastung von 35 Prozent ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der benachbarte Platz frei bleibt." Die Masken-Disziplin sei in den vergangenen Wochen größer geworden. Es gebe zudem "keinerlei Nachweis über eine besondere Ansteckungsgefahr in Zügen".


Mehr Fernzüge auf wichtigen Strecken: Alle halbe Stunde eine Bahn


Im Weihnachtsreiseverkehr will die Bahn nach einem Bericht der Welt am Sonntag die Sicherheit erhöhen, indem mehr Plätze angeboten werden. "Sicheres Reisen mit bestmöglichem Abstand wollen wir in jedem Fall gewährleisten", sagte ein DB-Sprecher dem Blatt. "In diesem Jahr werden wir für die Reisezeit vor den Weihnachtsfeiertagen über eine noch größere Zugflotte verfügen." Man plane mit mehr Verbindungen, dichteren Zugfolgen und mehr neuen Zügen mit täglich 13.000 zusätzlichen Sitzplätzen.

Deutsche Bahn prüft engere Zusammenarbeit mit der Lufthansa

Um den besonders starken Rückgang bei Geschäftsreisen besser abzufedern, prüft die Deutsche Bahn eine engere Zusammenarbeit mit der Lufthansa. "Gerade in diesen schwierigen Zeiten könnte mancher Fluggast auf den Zug umsteigen", sagte Huber der FAZ. "Deshalb prüfen wir, wie wir Flug und Zug noch besser vernetzen können - besonders am Knotenpunkt Frankfurt."

Auch aufgrund der niedrigen Nachfrage wird für dieses Jahr ein Milliardenverlust bei dem Staatskonzern erwartet. Der Bund unterstützt das eigene Unternehmen mit einer Eigenkapitalerhöhung von fünf Milliarden Euro, die aber von Wettbewerbern kritisiert wird und von der EU-Kommission geprüft werden muss. Um einen eigenen Sparbeitrag zu leisten, verhandelt die Bahn derzeit mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in einem Schlichtungsverfahren über Möglichkeiten.


Sie wollen Ihre Meinung zu den Maßnahmen und Lockerungen in der Corona-Krise kundtun oder sich mit anderen Usern zum Thema austauschen?

Hier haben Sie die Möglichkeit dazu.

dpa

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus dem Ressort: Wirtschaft