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Wütende Leoni-Aktionäre: "Unser Geld wird hier verbrannt"

Viel Frust auf der Hauptversammlung des Nürnberger Kfz-Zulieferers - 16.05.2019 16:11 Uhr

Leoni hat seine Aktionäre zur Hauptversammlung in die Frankenhalle geladen - und die Anteilseigner hatten durchaus Redebedarf. © Gregor le Claire/NN


Matthias Gaebler schiebt hörbar Frust: "Unser Geld arbeitet hier nicht mal mehr ehrenamtlich. Es wird bis auf den heutigen Tag vernichtet", schimpft der Leoni-Aktionär gleich zu Beginn seines Vortrags. 35 Minuten lang wird sich die Erregung in seiner Stimme nicht legen - immer wieder begleitet von Applaus in der Nürnberger Frankenhalle.

Was Gaebler und viele der übrigen anwesenden Leoni-Aktionäre auf der gut besuchten Hauptversammlung aufbringt, sind die Schlagzeilen, die der Kfz-Zulieferer in den vergangenen Monaten lieferte. Ständige Personalwechsel im Vorstand, schwächelnde Umsätze und Gewinne, eine schrumpfende Liquidität, das nächste Sparprogramm und und und - es schien einfach nicht aufzuhören.

So etwas bleibt nicht ohne Folgen. Der Aktienkurs von Leoni etwa hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als halbiert. Eine Dividende will der Kfz-Zulieferer dieses Jahr erst gar nicht zahlen. Und acht Monate nach seinem Amtsantritt steht Kamper bereits ziemlich alleine an der Front, ist nicht nur Vorstandsvorsitzender, sondern kommissarisch auch noch Finanzchef und Leiter der wichtigsten Sparte Bordnetzsysteme (WSD).

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Der Leistung seines neuen Arbeitgebers, den er nun sanieren soll, hatte Kamper schon zuletzt wiederholt ein schlechtes Zeugnis ausgestellt - und er wiederholt das vor den Aktionären: "2018 war für Leoni ein bewegtes Jahr, in dem vieles hätte besser gelingen und früher gesehen werden müssen." Und er verweist auf sein im März vorgestelltes Programm "Value 21", mit dem ab sofort alles besser werde.

Die Aktionäre hören die Worte wohl, allein es fehlt ihnen zunehmend der Glaube. Dass Leoni beispielsweise immer wieder den verpatzten Produktionsanlauf im neuen mexikanischen Werk Merida als Hauptbelastung für die jüngsten Bilanzzahlen anführt, steigert die Unruhe der Anteilseigner eher noch weiter.

"So ein Problem hatten wir doch vorher schon in Rumänien", erinnert sich Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Jahrelang habe Leoni ein Werk nach dem anderen eröffnet. "Und auf einmal können wir das nicht mehr?" Und jetzt wolle Kamper die einzelnen Sparten auch noch selbstständiger aufstellen? Dann sei es ja noch schwieriger, alle Vorgänge zu kontrollieren, wundert sich der Aktionärsschützer.

Jede Menge Fragen an die Leoni-Vorstände

Rund 150 Fragen der Aktionäre sind nach 90 Minuten Generaldebatte bereits aufgelaufen, der Redebedarf ist groß. Eine Hauptversammlung aber ist kein Verhör. Der Vorstand muss zwar auf alles antworten, aber ob er das vage oder präzise, ausführlich oder ausweichend tut, ist seine Entscheidung - und er nutzt dieses Privileg.

Ob nun demnächst eine Kapitalerhöhung ansteht, was viele Aktionäre befürchten? Oder ob schon Investoren angeklopft haben, die den Moment nutzen und günstig bei Leoni einsteigen wollen? So recht viel schlauer sind die Anteilseigner am Ende auch nicht. "Sollte der Vorstand von einem ernsthaften Interessenten kontaktiert werden, werden wir im Interesse des Unternehmens Gespräche führen, wie es das Aktienrecht vorschreibt", heißt es dann von Kamper zum Beispiel.

Am Ende immerhin kann der Leoni-Chef einen Erfolg für sich verzeichnen: Sowohl DSW-Experte Klose als auch Davide Brancaleoni, Vertreter des zweiten großen Aktionärsschützerverband SdK, sprechen Kamper grundsätzlich ihre Unterstützung für Value 21 aus. Nur ob die Umsetzung des Programms am Ende auch gelingt, da wollen sie sich für den Moment lieber noch nicht festlegen. Nach so einem Jahr wie 2018.

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