Architektur-Ikone

Zirndorfer Star-Architekt Helmut Jahn bei Fahrradunfall gestorben

Birgit Ruf/dpa

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10.5.2021, 06:08 Uhr

Jahn habe an einem Stoppschild nicht gehalten und sei mit zwei Autos zusammengestoßen, bestätigte die Polizei am Sonntag. Eine Fahrerin sei mit nicht-lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gekommen, die Insassen des zweiten Wagens seien unverletzt geblieben. Jahn wurde 81 Jahre alt.

Jahn, der 1940 in Zirndorf zur Welt kam und einen seiner ersten Semesterferien-Jobs beim Nürnberger Hochbauamt hatte, ging 1966 in die USA. Dort hatte er ein Stipendium. In Chicago betrieb er sein international agierendes Architekturbüro mit rund 60 Angestellten und eröffnete Projektbüros an den Orten seiner Bautätigkeit, vor allem in Asien.


Star-Architekt Helmut Jahn: Der Mann, der an Wolken kratzt


Mit seinen Entwürfen ist er oft angeeckt. Die Nürnberger Altstadtfreunde liefen in den 1990ern erfolgreich Sturm gegen das Augustinerhof-Projekt, aber auch anderswo wehte ihm ein rauer Wind entgegen. Mit dem typisch amerikanischen Optimismus empfand Jahn das als Bestärkung, ja als „Zeichen des Erfolgs“, wenn seine Visionen es wert waren, dass man über sie redet. Beweisen müssten sie sich sowieso erst in der Zukunft, Jahrzehnte nach ihrer Entstehung.

„Bauten müssen länger funktionieren als ein Auto“, sagte er im Interview mit unserer Zeitung anlässlich der großen Ausstellung zu seinem Werk, die das Neue Museum 2012 gezeigt hat.

Jahns Schaffen war inspiriert von Bauhaus-Legende Mies van der Rohe. Jahn war 1967 Assistent von Gene Summers und Mitarbeiter des Chicagoer Architekturbüros C. F. Murphy Associates geworden, wo er 1982 zum Präsidenten aufstieg. Murphy hatte gemeinsam mit van der Rohe beispielsweise das Federal Center in Chicago geplant.

Jahn gestaltete in den USA unter anderem das heute wegen vieler Reparaturarbeiten kritisierte Thompson Center in Chicago. In Deutschland zählen der Post-Tower in Bonn, die Bayer-Konzernzentrale in Leverkusen und der Skyline-Tower in München zu seinen bekannteren Arbeiten.

Er gestaltete weltweit auch mehrere Flughäfen, darunter Terminals in Bangkok, Chicago und der Köln/Bonn-Flughafen. Zuletzt war er unter anderem im Emirat Katar tätig. Jahn war seit 1970 mit einer Innenarchitektin verheiratet und wurde 1978 Vater von Sohn Evan. Dieser zählte auch zu einem Segel-Team, mit dem Jahn mehrere Regatten gewann, darunter 2012 den WM-Titel in der Bootsklasse Farr 40.