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Zum Schriftsteller im Ruhestand KulTour

Journalist Ingo Stauch schreibt Geschichten unter dem Namen Bruno Busch - 04.12.2018 16:45 Uhr

Autor Bruno Busch alias Ingo Stauch liest am 19. Dezember in der Mörlgasse 24. © Foto: Peter Dörfel/PR


Schreiben als Beruf, oder vielmehr Berufung: Ingo Stauch war für verschiedene Tageszeitungen, als leitender Redakteur einer kirchlichen Zeitschrift sowie Referent für Öffentlichkeitsarbeit in einem diakonischen Unternehmen tätig. Ein Journalist durch und durch. Einer, der sich in den Bereichen Politik und Kirche einen Namen gemacht hat. Einer, der geschrieben hat, was Sache ist. Und einer, in dem lange ein Wunsch schlummerte: "Ich wollte immer mal anders schreiben", erzählt er spitzbübisch lachend, "nicht nur, was ist, sondern auch, was nicht ist, und den Gedanken freien Lauf lassen."

Was herauskommt, wenn ein seriöser Schreiberling mehr oder weniger autobiografische Einblicke in sein Leben gewährt, diese Anekdoten und Erlebnisse mit dem ein oder anderen Augenzwinkern ausschmückt oder verfremdet? Ganz einfach: "Dicke Birnen – Geschichten von B.". So heißt das Erstlingswerk des 64-Jährigen, das er unter dem Pseudonym Bruno Busch veröffentlicht hat.

"Ich wollte eine klare Trennung von meinem bisherigen beruflichen Schreiben und auch eine gewisse Voreingenommenheit vermeiden", erklärt der Autor. "Bruno ist mein zweiter Vorname und von Stauch über Strauch ist man schnell bei Busch", sagt er. In der gut 100-seitigen Lektüre nimmt der Wahl-Nürnberger seine Leserschaft mit auf eine Reise durch sein Leben. Eine kurzweilige Tour zum Schmunzeln, Staunen und so manchem Aha-Effekt.

Verraten wird zum Beispiel, warum der kleine B. die Birnen der dicken Nachbarin nicht essen wollte, warum die erste Fahrstunde mit einer Vollbremsung und Angstschweiß endete oder ein Zahnarztbesuch 39 Euro gekostet hat. Etwa ein Jahr lang hat er an den 26 Geschichten geschrieben — und das sehr konsequent. Schon seit 2007 besucht er regelmäßig Schreibwerkstätten, ist Mitglied im Autorenverband Franken.

Als der Journalist 2017 in den Ruhestand ging, hat er sich eine feste Tagesstruktur auferlegt. Nach dem Frühstück mit seiner noch berufstätigen Frau geht er joggen, um 10 Uhr beginnt seine "heilige Zeit": Zwei Stunden lang sitzt oder steht er an seinem Schreibtisch – mit fantastischem Ausblick vom elften Stock eines Hochhauses in Langwasser – und schreibt.

"Das gehört dazu, wenn man das Schriftstellertum ernsthaft betreibt", findet er. "An Ideen fehlt’s mir glücklicherweise nie", sagt Stauch und klappt seinen Kalender auf: Dort sind keine Termine vermerkt, sondern Einfälle, Anekdoten, Stichwörter. Eine Liste hat er auch in seinem Handy angelegt. Die Themen fallen ihm beim Laufen, in der U-Bahn oder im Café ein – "das kann überall passieren" — und werden sofort notiert. Ein bisschen, gibt er zu, sei das Schreiben eine Art Selbsttherapie, um Erlebtes zu verarbeiten. Sein Hauptanliegen aber ist ganz klar: "Ich will unterhalten und Freude machen, die Leute sollen Spaß beim Lesen meiner Geschichten haben."

Schon als kleiner Junge, als er noch gar nicht schreiben konnte, habe er seinem Vater Geschichten in den Block diktiert, erzählt Stauch, circa sechs Jahrzehnte zurückblickend. Als Teenager engagierte er sich in verschiedenen schulischen Gremien. Allerdings befand er sich eher auf der konservativen Linie. "Ich habe sogar den Schülerarbeitskreis der Jungen Union gegründet", berichtet er und betont: "Heute hat sich das komplett gewandelt, die konservative Schiene kann ich nicht mehr bedienen und das Herz hat mehr Platz gewonnen."

Soziale Belange seien ihm sehr wichtig, betont Stauch, der sich seit 2016 mit seiner Frau um einen syrischen minderjährigen Flüchtling kümmert und im Martha-Maria-Krankenhaus ehrenamtlich Sitzwachen hält. Verschiedene familiäre und berufliche Stationen führten den gebürtigen Dillenburger vom Fuße des Westerwalds unter anderem über Stuttgart und Nagold im Jahr 2002 nach Nürnberg, wo er sich sehr wohlfühlt.

"Wenn einer ruft, wo sind Franken, hebe ich sofort meinen Arm", sagt er resolut, "denn Heimat ist da, wo meine Lieben sind." Wer Bruno Busch live und kostenlos hören möchte: Am Mittwoch, 19. Dezember, 17.30 bis 19 Uhr, liest er bei "Kultur im Wohnzimmer" in der Mörlgasse 24 – wegen begrenzter Platzzahl ist eine Anmeldung nötig: bei Gisela Hoffmann-Mehrle (Telefon: 36 03 86 6).

Seine KulTour-Tipps: Immer einen Besuch wert ist für ihn die Reihe "Gäste & Buch": Nürnberger Persönlichkeiten lesen aus ihrer Lieblingsliteratur, jeweils von 14 Uhr bis 14.45 Uhr bei freiem Eintritt am Mittwoch und Donnerstag im KunstKulturQuartier, Königstraße 93 (Glasbau), am Freitag in der Stadtbibliothek, Gewerbemuseumsplatz 4. Mit seiner Tochter besucht er gern den Poetry-Slam Nürnberg – Wortgefecht. Nächster Termin: Mittwoch, 5. Dezember, 20 Uhr, im Südpunkt, Pillenreuther Straße 147 — die Weihnachts-Nikolaus-Ausgabe mit Lebkuchen/Plätzchen for free und Glühwein auf Spendenbasis.

Gerne hört er auch Kolleginnen und Kollegen zu: Erika Hauswirth liest Gereimtes und Ungereimtes von Mensch und Tier am Dienstag, 11. Dezember, 15.30 Uhr, im Kulturladen Ziegelstein, Ziegelsteinstraße 104. Zum krönenden Abschluss empfiehlt Club-Fan Stauch das große Nürnberger Adventssingen – erstmalig im Max-Morlock-Stadion am Sonntag, 23. Dezember, 18 Uhr. 

CLAUDIA WUNDER

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