Club-Kolumne "Nur der FCN!"

Auf Du und Du mit dem Trainer: Servus Robert!

21.6.2022, 12:18 Uhr

Neuerdings per du: Robert Klauß und die Journalisten. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Nach zwei Jahren beim 1. FC Nürnberg hat Robert Klauß plötzlich festgestellt, dass ihn hier nahezu jeder duzt, nur die Journalisten nicht. Und weil Klauß das etwas unangenehm findet und die Gelegenheit gerade günstig war, bot der 37-Jährige als Gast im Club-Podcast „Ka Depp“ dem Moderator Fadi Keblawi und allen anderen Medienmenschen spontan diese persönlichere Form der Anrede an.

Nun muss man wissen, dass der lockere Umgangston in der Fußballbranche durchaus Usus ist, zumindest bei Spielern und Journalisten, die beruflich regelmäßig miteinander zu tun haben. Mit unprofessioneller Kumpanei oder gar anbiedernder Fraternisierung, wie sie einst etwa Waldemar Hartmann zelebrierte, hat das eher nichts zu tun.

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Bei Trainern hingegen ist das so eine Sache. Der letzte Chefcoach am Valznerweiher, der von den lokalen Pressevertretern kollektiv geduzt wurde, war nicht etwa der leutselige Michael Köllner, sondern Michael Wiesinger – weil ihn eben viele noch aus seiner Zeit als Profi kannten. Zuvor hatte uns der betont jovial auftretende Michael Oenning offiziell das Du angeboten, damals allerdings noch in seiner Funktion als Assistent des weniger jovialen Thomas von Heesen.

Nach dessen Demission und Oennings Beförderung blieb die vertraute Anrede zwar bestehen, erwies sich gerade in Krisenzeiten dann aber als eher kompliziert. Als Oenning in einer Pressekonferenz plötzlich wieder gesiezt wurde, wertete er diese vermeintliche Distanzierung prompt als erstes Anzeichen dafür, dass man nun wohl bald seine Entlassung fordern würde. Ganz falsch lag er damit nicht.

Geh ruhig mal davon aus...

Seine ganz eigenen Regeln der zwischenmenschlichen Konversation pflegte Hans Meyer. Der kauzige Thüringer duzte abseits von TV-Kameras und Mikrofonen konsequent jeden („Geh ruhig mal davon aus, dass Du keine Ahnung vom Fußball hast“), umgekehrt hätte das bis auf ein paar honorige Veteranen, die wohl schon vor dem Mauerbau über Fußball geschrieben haben und von Meyer als Gesprächspartner auf Augenhöhe akzeptiert waren, freilich niemand gewagt. Alles eine Frage des Respekts.

Vielleicht ging es Robert Klauß bislang ja ebenso, immerhin sind die meisten Menschen, die in Nürnberg über ihn und seine Fußballer berichten, ja doch schon ein paar Jährchen älter. Na denn: Servus Robert!