2:1 in letzter Minute

Ekstase in der Nachspielzeit: FCN besiegt Sandhausen spät

19.11.2021, 21:16 Uhr

Nach dem 2:1 von Erik Shuranov gab es kein Halten mehr. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Schon die Anreise am Nachmittag ließ befürchten, dass es ein trister Abend werden könnte. Ab der Frankenhöhe mindestens Hochnebel, ab dem Kraichgau auch noch leichter Niesel. Grau in grau, irgendwann Stau um Stau. Und nichts für Wankelmütige.

Das galt später auch für die letzten zehn Minuten im Zweitligaspiel beim SV Sandhausen; 0:1 lag der Club da zurück, gewann aber noch mit 2:1. Fabian Nürnberger und Erik Shuranov in der Nachspielzeit drehten die Begegnung tatsächlich noch, wonach es lange nicht ausgesehen hatte. Die knapp 1000 Anhänger flippten hinterher ebenso aus wie alle Fußballer und Betreuer unten auf dem Platz. So viel Ekstase war lange nicht mehr.

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Drei Pflichtspielniederlagen in Folge und zugleich die ersten seit vielen Monaten hatten die Stimmung geringfügig eingetrübt, sollten aber lediglich ein rund zehntägiger Ausrutscher gewesen sein. So in etwa sah das der Trainer vor dem nächsten Auftritt am Freitagabend. Dass da ein sportlicher Vergleich unter nicht ganz normalen Vorzeichen angesetzt war in der 10.000-Einwohner-Kleinstadt nahe Heidelberg, sollte zumindest die Nürnberger Vorbereitung nicht weiter stören. Nach Corona-Infektionen in der Mannschaft seit Anfang November führten die Gastgeber mit 12:1, denen aber lange nicht anzumerken war, dass unter der Woche nur zweimal gemeinsam trainiert werden konnte.

Verwirrung und Nachschulungen

Immerhin konnte Alois Schwartz die Startelf vom 1:0-Sieg in Dresden aufbieten, sein Kollege schickte gleich drei Angreifer auf die Ersatzbank und nur einen Umgeschulten ins Getümmel. Nikola Dovedan gab die einzige Spitze, dahinter ordnete Robert Klauß eine vierköpfige Offensivreihe um Taylan Duman an, die vor allem Räume schaffen sollte. Nur: Für wen?

Die Idee dahinter schien nicht jeder zu verstehen; der Trainer und sein Assistent mussten sehr regelmäßig von außen nachjustieren, weil der Club zwar häufig im letzten Platzdrittel auftauchte, mit seinem optischen Vorteil aber nicht viel anzufangen wusste. Mehr als ein harmloser Distanzschuss von Lino Tempelmann sprang in der ersten Halbzeit nicht heraus für den Club, der seine Fans nicht nur mit fürchterlich missratenen Eckballvarianten negativ überraschte.

Ohne echten Zielspieler wirkte der Aufbau oft ein bisschen planlos. Wie vor allem rasantes Umschalten nach Ballgewinnen funktioniert, demonstrierten die Sandhäuser erstmals in der dritten Minute. Alexander Essweins weite Flanke von der linken Seite landete über Umwege und dank Nürnberger Zaghaftigkeit im Zentrum plötzlich vor Pascal Testroets Füßen, der erneut bärenstarke Christian Mathenia verhinderte geistesgegenwärtig Schlimmeres. Ebenso nach einer Viertelstunde, als er gegen den nach einer abgefälschten Flanke allein vor ihm auftauchenden Janik Bachmann per Spagat klärte. Essweins Schlenzer von der Strafraumgrenze lenkte Mathenia spektakulär um den Pfosten (25.)

Chancen auf beiden Seiten

Über einen Rückstand zur Pause hätte sich der Club wahrlich nicht beschweren dürfen; vorn harmlos, hinten anfällig, dazwischen nicht nur gedanklich oft zu langsam, es zeichnete sich eine komplizierte zweite Halbzeit ab, in der es zunächst eine kurze Druckphase des SV Sandhausen zu überstehen galt, ehe sich Mats Möller Daehli die bis dahin beste Möglichkeit bot. Tom Krauß' scharfe Hereingabe fand in der Mitte den Norweger, der mit seinem Aufsetzer aber an Patrick Drewes scheiterte.

Praktisch im Gegenzug hatte der auffällige Ritzmaier das 1:0 für Sandhausen auf dem linken Fuß, verzog aber noch erstaunlich deutlich. Es entwickelte sich ein richtiges Fußballspiel mit Chancen auf beiden Seiten und sogar Unterhaltungswert; wieder Möller Daehli zwang Drewes zur nächsten Glanzparade (62.), der Club war jetzt vergleichsweise nah dran an der Führung, lag ab der 66. Minute aber zurück.

Immanuel Höhn hielt nach einem von Johannes Geis erst senkrecht nach oben und danach per Kopf in die Mitte geklärten Einwurf einfach mal drauf und überraschte Mathenia flach aus über 20 Metern. Die Strafe für Nürnbergs gelegentliche Passivität gegen den Ball zwang Klauß zum Umdenken und Handeln; ab der 75. Minute standen die drei gelernten Stürmer auf dem Feld, es galt ja, unbedingt ein Tor zu schießen. Das aber nicht Manuel Schäffler, Erik Shuranov oder Dennis Borkowski erzielten, sondern Fabian Nürnberger sieben Minuten vor Schluss. Aus knapp 20 Metern traf er mit links halbhoch neben den Pfosten.

Und es war ja noch Zeit. Shuranovs Drehschuss ins Glück nach gehörigem Durcheinander im Strafraum sorgte für grenzenlose Begeisterung beim 1. FC Nürnberg. Was ist schon Nebel und Nieselregen im November.

SV Sandhausen: Drewes - Diekmeier (90. Diekmeier), Höhn, Zhirov, Okoroji - Zenga (80. Sickinger), Bachmann - Ajdini, Ritzmaier, Esswein - Testroet

1. FC Nürnberg: Mathenia - Valentini (76. Fischer), Schindler, Sörensen, Handwerker - Geis (76. Nürnberger) - Krauß (70. Borkowski), Tempelmann - Möller Daehli - Duman (76. Schäffler), Dovedan (70. Shuranov)

Tore: 1:0 Höhn (66.), 1:1 Nürnberger (83.), 1:2 Shuranov (90. +3) | Gelbe Karten: Zhirov, Okoroji, Diekmeier - Tempelmann | Schiedsrichter: Lechner (Hornstorf).