Fünf Fragen an... Martti Trillitzsch, Kioski

27.2.2012, 13:51 Uhr
Seit kurzem kooperiert der Kioski mit der Gostenhofer Fachmarie Glücksboutique.

Seit kurzem kooperiert der Kioski mit der Gostenhofer Fachmarie Glücksboutique. © Tobias Klink

Martti Trillitzsch schließt die Tür seines Kioski-Plattenladens in der Nürnberger Straße in Fürth auf. Der Laden ist liebevoll eingerichtet, keine Spur von meterlangen CD- und Schallplattenregalen. Stattdessen laden alte Kinosessel zum Musikhören ein, T-Shirts, Reiseführer für Finnland und auch Schmuck ziehen die Blicke im Raum auf sich. Der 47 Jahre alte Fürther betreibt seit 2002 den Plattenladen "Kioski", in dem sich fast alles um Musik „made in Suomi“ dreht.  Die Leidenschaft zu Finnland erklärt sich so: Seine Mutter ist Finnin, der Vater Franke.

2007 zog der "Kioski" in den alten Saal eins des Babylon-Kinos um, der mit dem schiefen Boden auch heute noch den Charme eines Vorführsaals ausstrahlt. Seit kurzer Zeit kooperiert der fränkische Finne Trillitzsch mit der „Fachmarie“ aus Gostenhof, und öffnet damit Künstlern und Designern die Möglichkeit, ihre Produkte zu verkaufen. Martti schwärmt von einem „erfreulichen Schritt“ für seinen "Kioski", in gewisser Weise eine Art Horizonterweiterung. „Wenn die Sachen gut aussehen, wenn sie sich gut anfühlen, dann gefällt mir das.“ Und nebenbei ziehe das Schaufenster eine neue Klientel an, die dann auch die Platten gut fänden.

Den „Kioski“ vermarktet Martti Trillitzsch auf der Homepage selbstbewusst gepaart mit einem Schuss Ironie als „einzigen finnischen Plattenladen südlich der Ostsee“, soweit man dies wisse. Doch Trillitzschs Schaffen auf seine Tätigkeit hinter der Ladentheke des "Kioski" zu reduzieren, würde sein Selbstverständnis als Künstler ausblenden.

Sein Herz als Musiker hängt an seinen beiden Bands: Mäkkelä's Trash Lounge ist das Solo-Projekt, in der Band Church of the Blue Nuns spielte er gemeinsam mit dem Niederländer Robin van Velzen im vergangenen Jahr 70 Konzerte von September bis Weihnachten – in ganz Europa. „Das hält mich am Musikmachen, unterwegs zu sein und Neues zu entdecken“, erzählt er und schweift in Gedanken schon zur kommenden Tour.

Das alte Holzhaus der Großmutter

Alleine wird er im Mai diesen Jahres als Mäkkelä's Trash Lounge durch Finnland touren, von Helsinki bis Rovaniemi im hohen Norden, zwei Wochen lang mit dem Zug durch die finnische Pampa. Doch diese Dosis Finnland alleine reicht ihm nicht: Zum Entspannen nistet er sich im Sommer im alten Holzhaus seiner Großmutter ein, zweihundert Kilometer von Helsinki entfernt. Ganz ohne Auto und Laptop beschränkt sich das Leben dort auf das langsame aber sichere Runterkommen vom turbulenten Alltag. 

Denn anschließend wartet bestimmt das nächste Projekt, denn Martti ist Chef mehrerer Plattenlabels. Schon 1988 gründete der Fürther Finne das Plattenlabel Tug Records, mit dem er sich gemeinsam mit einigen Bandkollegen von den großen Indie-Labels unabhängig machen wollte. „Wir wollten einfach mal alles selber in die Hand nehmen, doch neben der vielen Arbeit musste man sich mit Leuten aus dem Musikbusiness beschäftigen, mit denen man eigentlich nichts zu tun haben wollte.“  All dies hielt ihn nicht davon ab, zwei weitere Labels zu gründen (9pm Records und Humppa Records), mit denen er jedes Jahr neue Alben finnischer Bands auf den Markt bringt.

Und wer seine Qualitäten als "Show-Moderator" erleben will, sollte einfach den Open-Mic-Abend in der Kellerbühne des Babylon besuchen. Denn jeden zweiten Sonntag im Monat präsentiert Martti, durchgehend auf der Bühne sitzend, Musiker und Bands, die jeweils drei Songs spielen dürfen.

 

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