Nur mit Corona-Impfung reisen? So planen Veranstalter und Urlaubsländer

Reiseredakteur Matthias Niese
Matthias Niese

Magazin am Wochenende / gute reise

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8.3.2021, 09:51 Uhr
Mit Impfnachweis können wir vielleicht früher als gedach ins Ausland fliegen. Wie der EU-weite Impfpass genau aussehen wird, ist noch unbekannt.

Mit Impfnachweis können wir vielleicht früher als gedach ins Ausland fliegen. Wie der EU-weite Impfpass genau aussehen wird, ist noch unbekannt. © Frank Hoermann / SVEN SIMON via www.imago-images.de, NNZ

Mediterrane Ziele wie Griechenland und Zypern, die dringend auf eine gute Urlaubssaison 2021 angewiesen sind, schließen bereits Abkommen mit Staaten ab, die schon große Teile der Bevölkerung geimpft haben - wie Israel. Andere Ferienländer wie Spanien sprechen bereits von einem Reise-Impfpass, Österreich forderte ihn. Schweden und Dänemark wollen bis zum Frühsommer einen digitalen Impfpass fürs Smartphone einführen, der die Einreise erleichtern soll. Auch Großbritannien und die USA wollen den Impfturbo anwerfen und gehen in Verhandlungen mit Griechenland.

Und wer weiß, vielleicht hat auch Deutschland schneller als erwartet genug Vakzin. Schließlich lief so lange so viel schief, dass nun unter Hochdruck an Beschaffung und Massenimpfung gearbeitet wird. "Ich hoffe, dass bis Sommer die meisten Deutschen geimpft sind und auch ins Ausland verreisen können", sagte der CDU-Abgeordnete Bareiß in einem Interview.

Der Regionaldirektor der WHO Europa, Hans Kluge, sagte indes der Tageszeitung Die Welt, die WHO lehne die angestrebten Impfpässe ab. "Wir verstehen, dass Regierungen mit der politischen Realität konfrontiert sind", erklärte der belgische Mediziner und fügte hinzu, dass die für den Sommer angekündigte Einführung "wohl unvermeidlich" sei. "Aber es ist keine Empfehlung der WHO", so Kluge. Grund: Niemand wisse, wie lange die Impfung immun mache.

Darf man also nach dem Piks verreisen? Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben bereits eine Entscheidung zu dem Thema getroffen. In unserer Opinary-Umfrage "Sollen gegen Corona Geimpfte in andere Länder reisen dürfen" stimmten von rund 3200 Teilnehmern (Stand 26.2.) 56 Prozent dagegen, 38 dafür, fünf Prozent waren unentschieden - siehe unten.

Reise mit Impfung? Diese Länder sagen ja

Das Fachmagazin fvw veröffentlich hier eine regelmäßig aktualisierte Liste der Länder und Regionen, die Geimpften schon jetzt eine freie Einreise ermöglichen. Und die EU diskutiert über die Einführung von Impfzertifikaten, mit denen man das nachweisen kann.


Kommentar: Zutritt nur für Geimpfte - Sonderrecht oder Grundrecht?


Erste Studien lassen sogar vermuten, dass zumindest der Biontech-Impfstoff nicht nur die Erkrankung mit, sondern auch die Übertragung des Virus zu rund 90 Prozent verhindert - ein weiteres Argument der Befürworter. Ob das auch für die anderen Vakzine zutrifft, ist unklar, aber wahrscheinlich. Es deutet sich jedenfalls an, dass es auf Reisen für Geimpfte hinausläuft, denn auch das für den Nachweis nötige Dokument, der EU-weite Impfpass möglichst in digitaler Form, wurde bereits beschlossen. Er soll eine Art Datenbank zur Registrierung der Impfungen inklusive personalisiertem QR-Code für Geimpfte sein. Frankreich und Deutschland melden trotzdem Bedenken an

Doch ab wann könnte das vermeintliche Privileg gelten, das Geimpften früher ihre Grundrechte zurückgibt? Schon ab einer nachweislich überstandenen Corona-Erkrankung, die dank Antikörper eventuell immun macht? Damit darf man schon jetzt etwa auf die portugiesische Insel Madeira, nach Rumänien oder Estland. Oder erst, wenn alle die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen - was Experten als die ethisch vertretbarste Möglichkeit betrachten? Oder gar nicht?

Griechenland will Impfung statt Schnelltest

Eine Einreise oder den Zugang zu Flugzeugen oder Kreuzfahrtschiffen schon nach einem Schnelltest zu ermöglichen, wird zwar diskutiert - so fordert etwa der Deutsche Reiseverband DRV Tests statt Quarantäne. Diese Lösung dürfte sich mit der weiteren Durchimpfung der Bevölkerung aber nicht durchsetzen. Denn es besteht auch bei Menschen, die vor Einreise oder Check-in einen Test gemacht haben, immer noch ein Restrisiko.

Der griechische Tourismusminister Charis Theocharis begründete das nach den Verhandlungen mit Israel so: "Leute, die gerade einen Test gemacht haben, könnten sich natürlich trotzdem ein paar Minuten oder Tage später anstecken und die Krankheit dann verbreiten."

So positionieren sich die Reiseveranstalter

Konkret angekündigt hat bereits der Reiseveranstalter Alltours, dass man voraussichtlich ab Ende Oktober (wenn alle die Möglichkeit haben sollten, sich impfen zu lassen) nur mit Impfnachweis in die Hotels der Eigenmarke Allsun darf - wofür es im Netz teils heftige Kritik gab.

Andere Große der Branche sind da zurückhaltender. Die TUI möchte sich nach den Vorgaben der Regierungen richten, FTI möchte weder als Veranstalter noch als Hotelbetreiber derartige Auflagen machen, DER Touristik hält die Diskussion für verfrüht. Die Lufthansa möchte im Gegensatz zur australischen Quantas Impfungen nicht vorschreiben, viele Reedereien wie Aida, TUI Cruises oder MSC planen keine Impfflicht - derzeit. Die britische Reederei Saga lässt hingegen Passagiere nur noch mit Nachweis an Bord.


Reisetrends 2021: So beeinflusst Corona die Urlaubsplanung


Die Firmen dürfen das tatsächlich selbst entscheiden, sie dürfen Nicht-Geimpfte sogar grundsätzlich ausschließen. Denn die geltende Vertragsfreiheit besagt, dass sie frei wählen dürfen, mit wem sie einen Vertrag schließen und mit wem nicht. Dies gilt aber nur, solange noch nichts gebucht worden ist, danach muss der Vertrag auch erfüllt werden.

Beispielsweise haben Restaurants das Recht, angetrunkenen Personen den Zutritt zu verweigern oder auf eine Kleiderordnung zu bestehen. Urlauber kennen diese Regelungen meist aus Hotel-Restaurants, die lange Hosen zum Abendessen verlangen oder den Zutritt in Badesachen verbieten. Dementsprechend können die Unternehmen ihre Dienstleistungen nur noch geimpften Personen anbieten.

Doch wäre die staatliche Vorgabe, nur noch mit Impfung reisen zu dürfen, innerhalb Europas rechtlich von Bestand? Viele werden noch lange auf eine Impfung warten müssen, andere dürfen aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden oder wollen einfach nicht. Somit dürfte weiterhin ein negativer PCR-Test oder eine Immunitätsbestätigung vom Arzt genügen, ein Corona-Impfnachweis dürfte nicht das einzige Ticket für Sommerurlaub sein.

Familien könnten auch mit Kindern Reisen planen

Für Kinder sind derzeit noch keine Corona-Schutzimpfungen vorgesehen. Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech testet allerdings in den kommenden Monaten ein Vakzin für Kinder zwischen fünf und elf Jahren, eine Studie mit Kindern unter fünf Jahren soll Ende 2021 veröffentlicht werden.

Die Altersgrenze, ab der eine Impfung möglich ist, liegt derzeit zwischen 16 und 18 Jahren - in Großbritannien wurde der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Jugendliche ab 16 Jahren schon zugelassen. Die EU ist da zurückhaltender, sie verlangt eine Studie mit Kindern unter 12 Jahren und gibt den Unternehmen Zeit bis 2024.

Derzeit könnte also eine Familie, in der zumindest die Eltern vorhaben, sich impfen zu lassen, mit einem Sommerurlaub in vielen Ländern planen. Kinder dürften dann in der Regel mitreisen, wobei noch landesspezifische Vorschriften erlassen werden könnten. Wir empfehlen Ihnen daher, sich vor Buchung oder rechtzeitig vor der Anreise auf den entsprechenden Seiten des Auswärtigen Amtes oder des RKI darüber zu informieren.

2022 ist die Corona-Krise bewältigt

WHO-Experte Kluge glaubt im Welt-Interview, dass die Corona-Pandemie in gut zehn Monaten bewältigt sein werde. Er gehe davon aus, dass 2021 ein weiteres COVID-19-Jahr werde, 2020 sei "Terra Incognita" gewesen. Ein Jahr später wisse man viel mehr. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Pandemie Anfang 2022 vorbei ist. Das bedeute zwar nicht, dass das Virus weg sei, doch es bedürfe dann wohl „keiner der disruptiven Interventionen mehr“.