Auch Nichtstun kostet richtig Geld

28.9.2011, 07:14 Uhr
Der Wöhrder See liegt den Bürgern am Herzen. Deshalb haben sie schon über 1000 Ideen geliefert, wie die Zukunft des Gewässers gestaltet werden könnte. Stadt und Wasserwirtschaftsamt freut dieses Engagement.

© Nürnberg Luftbild, Hajo Dietz Der Wöhrder See liegt den Bürgern am Herzen. Deshalb haben sie schon über 1000 Ideen geliefert, wie die Zukunft des Gewässers gestaltet werden könnte. Stadt und Wasserwirtschaftsamt freut dieses Engagement.

Ulrich Fitzthum, Leiter des Nürnberger Wasserwirtschaftsamts, machte bei einer Informationsveranstaltung im Bildungszentrum über die „Wasserwelt Wöhrder See“ aber deutlich, dass die Beseitigung des Engpasses beim Sebastianspital wahrscheinlich vorgezogen wird: Um den Uferbewuchs nicht zu stören, soll die geplante Verbreiterung des Johann-Sörgel-Wegs mit einer Brückenbebauung im Wöhrder See erfolgen. Das Bauwerk soll fünf Meter Abstand zum Ufer haben und parallel zum Weg stehen. Mit dem zwei Millionen Euro teuren Steg sollen aber nicht nur die Wege von Fußgängern und Radfahrern entzerrt werden: Der Steg dient dazu, Leitplanken unter Wasser zu tragen, um bei Hochwasser die Pegnitz schneller zu machen, damit der Schlamm mit dem Wasser mitgenommen wird.
 

Peter Rutschmann, Lehrstuhlinhaber für Wasser und Umwelt an der TU München, hat in den vergangenen Wochen mehrere Szenarien für den Wöhrder See durchgerechnet. Es sollte simuliert werden, welche Folgen im Verlauf der nächsten 30 Jahre die geplanten Eingriffe haben. Das hydro-morphologische Gutachten hat ergeben, dass, wenn nichts gemacht wird oder gar der Sandfang aufgegeben wird, es erhebliche Konsequenzen für die Stadt hat: Mit 30 Zentimetern Tiefe wäre der See nur noch eingeschränkt nutzbar und der Schlamm würde sich in die Stadt schieben. Auch müsste der Betreiber des Wasserkraftwerks entschädigt werden.

Klaus Winkelmair, der die Planungen für die Sanierung des Wöhrder Sees leitet, schätzt, dass das „Nichtstun“ rund sechs Millionen an Kosten nach sich ziehen würde. „Das ist keine nachhaltige Lösung“, meinte Rutschmann. Der TU-Professor ist überzeugt, dass die Erhöhung der Fließgeschwindigkeit der Pegnitz durch das Entstehen von Inseln, der Begradigung von Uferbereichen und dem Einbau von Unterwasserleitplanken, dafür sorgt, die Verlandung des Wöhrder Sees zu verhindern. Rutschmann machte aber auch deutlich, dass der Obere Wöhrder See in seiner jetzigen Form nicht zu halten sein werde. An den Rändern komme die Verlandung. Das Wasserwirtschaftsamt schlägt vor, die Uferlinie bei der Norikus-Bucht um 40 Meter vorzuschieben. Dann könnte auf Höhe des derzeitigen Bootsverleihs ein kleiner Bereich zum Baden entstehen. Laut Winkelmair würde das Wasser durch Schilfbewuchs gereinigt. Der Goldbach soll dabei als Regulativ dienen.

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